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Homöopathie-Hersteller Spagyros zieht sich aus Deutschland zurück und wächst in Schweiz / Interview zu Gründen

Eigentlich ist der Homöopathie-Markt in Deutschland für Hersteller (noch) attraktiv. Über 629 Millionen Euro setzten die Hersteller 2017 laut Hersteller-Verband BAH mit Globuli um. Und 85% davon bezahlen Patienten selbst. Nur 15% der Globuli-Kosten erhalten Patienten von den Krankenkassen erstattet. Dies ist ein ausgeprägter Endverbraucher-Markt von Patienten (OTC-Markt), weniger ein Verordner-Markt. Was dazu führt, dass der Endverbraucher mit viel Werbung und Apotheken mit Verkaufsseminaren umworben werden.

Doch für manche Hersteller aus Nachbarländern hat der deutsche Markt offenbar zu viele (EU) Hürden. Das zeigte die Meldung des schweizerischen Homöopathie-Herstellers Spagyros von Anfang März, dass er sich nach 14 Jahren aus Deutschland zurückzieht und seinen Standort in Rottweil aufgibt.

Mich interessieren die Gründe für den Rückzug und so fragte ich Hans-Ruedi Schweizer, Leiter Vertrieb & Marketing bei Spagyros.

Schweizer bedauert den Schritt: „Tatsächlich war es nicht einfach, sich für diesen Rückzug zu entscheiden. Wir erhalten dazu verständlicherweise viele Rückmeldungen von Kunden und Patienten, die diese Massnahme bedauern.“

Ob der Rückzug etwas mit der Kampagne gegen Homöopathie in Medien und Politik zu tun habe, fragte ich ihn. Das verneinte Schweizer: „Vorweg können wir Ihnen versichern, dass die anhaltend kritischen Stimmen gegenüber der Homöopathie nicht der Grund für diese Massnahme darstellt. Eine Therapieform, die weit über 200 Jahre Bestand hatte, wird unseres Erachtens durch solche gezielten Kampagnen nicht langfristig negativ beeinflusst werden können.“

Der Leiter Vertrieb & Marketing begründet den Schritt weg von Deutschland mit diesen Argumenten: „Wie wir in unseren Mitteilungen erklärt hatten, ist es uns, trotz grössten Anstrengungen nicht gelungen, uns im deutschen Markt nachhaltig zu etablieren. Einerseits hat dies mit Sicherheit mit der Grösse des Marktes und unseren eigenen Potentialen zu tun, andererseits sind die Gestehungskosten in der Schweiz, bei unseren Qualitätsanforderungen so hoch, dass der Konsument in Deutschland vielfach nicht bereit ist, den nötigen Gegenwert zu bezahlen.“

Und ein wichtiger Grund für den Rückzug auf Deutschland waren EU-Regularien, so Schweizer: „Am Ende kämpften wir zunehmend mit dem Umstand, dass die Umsetzung von EU-Regulatorien für ein Unternehmen aus dem Nicht-EU-Land, zu sehr grossen Aufwänden führen und in den meisten Fällen nicht mit dem zu erzielenden Erträgen gerechtfertigt sind.“

Spagyros ist mit Gründungsdatum 1985 noch relativ jung. Die Bernerin und Fachapothekerin für Klassische Homöopathie Jaqueline Ryffel hatte Spagyros-Produkte in einer Apotheke verkauft. Als das Unternehmen Spagyros vor 20 Jahren zum Verkauf stand, schnappte sie zu. Heute hat sie als Chefin 35 Mitarbeiter und ist kürzlich eine Kooperation und Beteiligung mit dem großen Schweizer Apothekenkonzern Galenica eingegangen, in deren 350 Apotheken Spagyros-Produkte verkauft werden. 

In der Schweiz will Spagyros weiter wachsen – wie der Vertriebsleiter Hans-Ruedi Schweizer beschreibt – und hat auch noch einen Fuß in Deutschland: „In der Schweiz geniesst Spagyros sowohl in Verordner- wie auch Fachhandelskreisen einen sehr guten Ruf. Auf dieser Basis konnten wir das Inlandgeschäft in den letzten Jahren bedeutend ausbauen. Deshalb möchten wir uns vorerst auf diesen Heimmarkt konzentrieren. Für die sehr erfolgreichen Gemmo-Produkte haben wir mit der Pharma Import-Export GmbH ist Stuttgart einen erfahren Vertriebspartner für den deutschen Markt gefunden.“

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