homöopathie

Analyse: Zahl der GKV-Ärzte für Homöopathie im ZV schrumpft dramatisch (minus 250 Ärzte in wenigen Jahren auf aktuell 1.245 Ärzte, wie Auswertung von Krankenkassendaten zeigt)

Die ärztliche Homöopathie steht immer mehr unter Druck, wie die Meldungen der letzten Tage zeigen. Doch den Druck gibt es schon länger, er hat in den letzten Jahren nur noch zugenommen.

Welche Auswirkungen hat der Druck von Politik, Medien, Lobbygruppe Die Skeptiker auf die Zahl der Ärzte für Homöopathie?

Dieser auch die Patienten interessierende Frage ist der Homoeopathiewatchblog nachgegangen. Hier eine Auswertung. Basis ist die Zahl homöopathischer GKV-Ärzte, die über den Arztverein DZVHAE abrechnen (Zahlenbasis: Krankenkassendaten und Daten des Arztvereins DZVHAE).

Ergebnis: Abwärtstrend

Die Zahl der homöopathischen Ärzte, die mit gesetzlichen Krankenkassen über den Arztverein DZVHAE abrechnen, ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken: aktuell sind es noch 1.245 Ärzte. Im Jahr 2014 waren es noch 1.482 – dies entspricht einem Rückgang von ca. 250 Ärzten bzw. 16% in wenigen Jahren.

Besonders seit 2017 hat sich der Rückgang beschleunigt. Allein in den letzten zwei Jahren ist die Zahl homöopathischer GKV-Ärzte um 10 % gesunken.

Mögliche Ursachen für Minus beim homöopathischen Ärzten

Die Ursachen für den Rückgang können vielfältig sein. Seit 2016 ist die Lobby der Anti-Homöopathie-Gruppe Die Skeptiker/INH aktiv. Und vor etwa zwei Jahren haben große Ersatz-Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse und Barmer den Erstattungszeitraum für Homöopathie auf zwei Jahre reduziert. Eine Rolle spielen mag auch die Abgabelast der homöopathischen Ärzte an den DZVHAE für dessen Abrechnungsleistungen. Wie dem Watchblog vorliegende Abrechnungsunterlagen zeigen, müssen GKV-Ärzte etwa 6-7 % Abgaben an den DZVHAE für die Abrechnung leisten (für Managementgesellschaft, Abrechnungsstelle, Stiftung). Diese Abgabelast und Bürokratie lohnt sich nur bei entsprechend hohen Umsätzen. Und Kassenärztliche Vereinigungen bieten ebenfalls Selektivverträge Homöopathie an, z. B. mit IKK Classic und einigen BKKen. Es stellt sich die Frage, mit welchen Nachwuchsförderprogrammen homöopathische Arztverbände diesen „homöopathischen Braindrain“ stoppen wollen und können.

Alternativen: Ärzte wählen zwischen Homöopathie und Akupunktur

Lange Jahre ist die Zahl der homöopathischen Ärzte gestiegen. Doch: erstmals in 2017 ist sie gesunken, auf 6.898, meldete die Bundesärztekammer (Link).

Eine andere Entwicklung zeigt die Zahl der Ärzte, die Akupunktur anbieten. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr. Sie erlebte ein Hoch von 14.425 Ärzten in 2017.

Die Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Akupunktur zeigen demnach gegenläufige Entwicklungen. Immer weniger GKV-Ärzte bieten Homöopathie an, immer mehr Akupunktur. Diese Entwicklung findet man auch in Fördergesellschaften für CAM-Therapien wieder, beispielsweise hat die Carstens-Stiftung die personelle Unterstützung für junge homöopathische Ärzte kürzlich eingestellt (Bericht), wogegen z. B. der Homöopathie-Prof. Harald Walach protestiert. Im Gegenzug dazu kommuniziert die Stiftung verstärkt über andere CAM-Methoden wie Akupunktur.

Dies läuft unter dem kommunikativen Dach des Begriffs „Integrative Medizin“, ein Begriff, den der Vorstand des Arztvereins DZVHAE auch seit einigen Monaten verstärkt in seiner Öffentlichkeitsarbeit benutzt. Es wird der Eindruck erweckt, dass damit auch Homöopathie gemeint sei. Doch real wird unter dem Kommunikations-Dach Integrative Medizin die Homöopathie immer weiter zurückgefahren, die anderen CAM-Methoden ausgebaut (Beispiel neue Lehrstühle für CAM/Integrative Medizin). Diesen offensichtlichen Strategiewechsel hat die DZVHAE-Vorständin Dr. Michaela Geiger im letzten Jahr in Stuttgart bei der Geburtstagsfeier des Patientenverbandes Hahnemannia erstmals öffentlich angedeutet, als sie vor Ärzten sagte, unter ihr werde deutlich, dass Ärzte des DZVHAE neben Homöopathie noch viele andere Therapien im  „Portfolio“ hätten.

Alternativen für Patienten

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen für Patienten, wenn die Zahl der homöopathischen Ärzte sinkt. Sie müssen sich Alternativen für ihre homöopathische Betreuung jenseits der GKV-Ärzte suchen.

 


Quellen:

Zahlen 2014 – Ärzte-Liste des DZVHAE vom 1.9.14, verfügbar über Krankenkasse BKK-da.de

Zahlen 2017 – Ärzte-Liste des DZVHAE vom 1.12.17, verfügbar über Krankenkasse BKK-provita.de

Zahlen 2018 – Ärzte-Liste des DZVHAE vom 1.11.18, liegt Watchblog vor

Zahlen 2019 – Ärzte-Liste des DZVHAE vom 1.4., veröffentlicht auf Website ZV

 

 


 

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