Homöopathie macron

Macron entscheidet sich für „Globexit“: Verbot der Erstattung von Homöopathie/ Hintergründe und Zeitplan der Anti-Hom-Kampagne/ Reaktionen in Deutschland in Politik und Ärzteschaft deuten Ähnliches an

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat den „Globexit“ entschieden, aber verkünden durfte es die Gesundheitsministerin in einem Zeitungsinterview am 10. Juli: ab 1.1.2021 verbietet die Regierung Krankenkassen, Homöopathie zu erstatten. Ab 1.1.2020 senkt die Regierung des Erstattungssatz von aktuell 30 % auf zunächst 15 %, bevor er ab 2021 auf 0 % heruntergefahren wird.

Die politische Kampagne der Anti-Homöopathie-Lobby hat sich mit Macrons Beschluss durchgesetzt. Das Entstehen dieser Entscheidung Macrons lässt sich zeitlich zurückverfolgen. Denn es hat genau 16 Monate gedauert, bis sich die Anti-Globuli-Lobby durchgesetzt hat.
– Am 28. März 2018 forderte eine ärztliche Gruppe, die der Rossdorfer Anti-Homöopathie-Lobby ähnelt, in der Zeitung Le Figaro, dass Krankenkassen die Erstattung beenden.
– Am  9. Juli 2018 traf sich Präsident Emmanuel Macron mit dem Club Dolder, einer geheimen Vereinigung der weltweit größten Pharmakonzerne, wie die Nachrichtenagentur AFP enthüllt hat.
– Am 1. August 2018 verkündete das Gesundheitsministerium, dass es die Wirksamkeit und Erstattung von Homöopathie überprüfen lassen werde.
– Am 28. Juni 2019 veröffentlichte die Gesundheitsbehörde HAS, dass sie ein Ende der Erstattung empfiehlt.
– Am 10. Juli 2019 meldet die Gesundheitsministerin, dass Präsident Emmanuel Macron das Verbot der Erstattung von Homöopathie ab 2021 entschieden habe.

Politiker und konventionelle Ärzteschaft in Deutschland nutzen die französische Entscheidung, um den politischen Druck auf die Homöopathie zu erhöhen. So fordert der oberste Arzt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV, Andreas Gassen, Krankenkassen auf, die Erstattung zu beenden (Link). Das Pikante: Kassenärztliche Vereinigung haben selbst mit Krankenkassen IV-Verträge zur Homöopathie abgeschlossen und verdienen daran.

Die Grünen stellen den Antrag auf ihrem Parteitag im November, die Erstattung in D zu beenden:

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Auch die FDP will die Erstattung beenden, so z.b. Andrew Ullman, FDP-Obmann in Gesundheitsausschuss des Bundestages:

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Und:

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Grüne und FDP schicken zunächst ihre Jugendorganisationen vor, um die Stimmung in der Partei in die Richtung gegen Homöopathie zu steuern.

Der „heimliche“ Gesundheitsminister Karl Lauterbach, SPD, sagt nach Frankreichs Entscheidung an, dass er die Erstattung beenden wolle und darüber mit Jens Spahn sprechen werde (Bericht).

Und der Bundesgesundheitsminister? Jens Spahn nutzt die öffentliche Aufmerksamkeit für die politische Kampagne gegen Homöopathie, um heimlich im Hintergrund im GSAV-Gesetz eine der wichtigsten Therapien von Heilpraktikern, die Eigenbluttherapie (eine Alternative zu Cortison und Antibiotika), per Gesetz stark einzuschränken (Bericht im Heilpraktiker-Newsblog). Für Spahns Vorstoss und gegen die Heilpraktiker haben im Bundestag FDP, Grüne und SPD etc. gestimmt.

Nicht nur gegen Heilpraktiker geht Spahn vor: Der Gesundheitspolitiker möchte sich Homöopathie sparen (wie er mit Abschaffung der Wahltarife gezeigt hat), aber dafür Apps von Kassen erstatten lassen, zeigt diese Meldung des Branchendienstes turi2.de:

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(Screenshot: Turi.2-Newsletter)

Warum gibt es eine Lobby und Kampagne gegen Homöopathie?

Für konventionelle Pharmakonzerne bedeuten Homöopathika Umsatzeinbußen: die Globuli haben in Deutschland einen Marktanteil von ca. 10 Prozent des OTC-Marktes. Auch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind Homöopathika unliebsame Konkurrenz für die Produkte der internationalen konventionellen Pharmakonzerne. So berichtet der homöopathische Arzt Dr. Heinrich Hümmer in einem Interview mit dem Homoeopathiewatchblog über Ergebnisse von Homöopathika bei einem bösartigen Tumor (Interview). Und in der Schweiz summiert eine Krankenkasse die Ersparnisse beim Verbrauch von Antibiotika auf 53 % durch Homöopathika ein (Bericht).

Mit Sorge scheinen die Pharmakonzerne in die Schweiz zu schauen, wo günstige Homöopathika die hochpreisigen konventionellen Medikamente verstärkt ersetzen, seitdem 2017 die Schweizer in einer Volksabstimmung für die gleichrangige Erstattung durch Kassen gesorgt haben. Mit Sorge sehen die Pharmakonzerne auch nach Indien, wo die Homöopathie 650 Millionen Euro umsetzt. Und 62 % der Globuli-User haben noch nie ein konventionelles Medikament benutzt, berichtet Dr. Manish Bhatia im Interview (Link).

Wie sehen wir Patienten die Kampagne gegen Globuli?

Öffentliche Äußerungen von prominenten Homöopathie-Befürwortern wie Olympiasiegerin Kira Walkenhorst sind ein gutes Beispiel als Reaktion auf den momentan stattfindenden Kulturkampf von Politik und Pharmakonzernen mit ihren Lobbys gegen Patienten, in dem Patienten nicht mehr länger schweigen. Während Patienten Homöopathie lieben, wie die Olympiasiegerin beispielhaft zeigt, wollen Politik und Pharmakonzerne mit Lobbys ihre Schulmedizin durchsetzen und den Patienten die Therapie und Alternativmedizin entziehen – aus rein pekuniären Gründen, da Homöopathie die Umsätze von Pharmakonzernen mit Schulmedizin schmälert (Globuli machen beispielsweise immerhin 10 Prozent des OTC-Marktes aus). Da Lobbygruppen der Pharmakonzerne uns Patienten die Anwendung von Globuli über ihre Medienarbeit nicht abspenstig machen können – wie Umfragen zeigen – , setzen sie bei der Politik an, um den Patienten über veränderte regulatorische Rahmenbedingungen (Verbot bei Kassen wie aktuell in Frankreich oder in Deutschland mit Wahltarifen, raus aus Apotheken, Verlust Arzneimittelstatus) die Globuli zu entziehen.

Das Ringen um die Homöopathie ist ein Kulturkampf: Politik und Pharmakonzerne möchten die teure Schulmedizin als alleinige Therapie durchsetzen und Homöopathie und Heilpraktiker vom Markt verdrängen, die Patienten möchten die Homöopathie und Therapeuten wie die Heilpraktiker*innen bewahren. Der Homoeopathiewatchblog sowie einzelne Patientenvereine wie BPH, Hahnemannia oder Homöopathische Vereine (z.B. HV-Dettingen.de oder HV Ansbach) und Patienten wie Kira Walkenhorst oder Prinz Charles und viele Patienten von Heilpraktikern (hier einige Stimmen von ihnen für ihre HPs) sind ein gutes Beispiel, dass sich Patienten diesen Kulturkampf von Politik und Pharma mit ihrer Lobby gegen Patienteninteressen nicht mehr widerstandslos gefallen lassen.

 

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