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Böhmermann: Wenn ein Blog mit seinen Lesern den Berufsstand verteidigt – und die Heilpraktiker-Verbände zur größten Attacke seit Jahrzehnten schweigen

heilpraktiker

Was derzeit rund um das ZDF und das Neo Magazin Royal passiert, ist kein Medienereignis. Es ist der größte öffentliche Angriff auf den Heilpraktikerberuf seit Jahrzehnten. Mit maximaler Reichweite, mit der Autorität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und mit einer klaren politischen Stoßrichtung.

Wer diese Sendung nur als Satire liest, verkennt ihre Wirkung. Wer sie nur als Unterhaltung abtut, unterschätzt ihre politische Funktion. Denn hier geht es nicht um Humor. Es geht um Deutungshoheit. Es geht um die öffentliche Legitimation eines Berufsstandes. Und es geht um die Frage, ob Heilpraktiker in Deutschland künftig noch als Teil der Gesundheitsversorgung wahrgenommen werden oder als Relikt, das man politisch entsorgen kann.

Genau deshalb ist dieser Vorgang politisch so brisant.

Wenn öffentlich-rechtliche Medien Politik machen

Das ZDF ist kein privater Sender. Es ist eine staatsvertraglich legitimierte Institution, finanziert aus Gebühren, kontrolliert durch Gremien, verpflichtet zu Ausgewogenheit und Sorgfalt. Formate wie das Neo Magazin Royal sind keine Randerscheinung, sondern Teil der öffentlichen Meinungsbildung.

Wenn ein solches Format einen gesamten Berufsstand pauschal diskreditiert, dann ist das kein Ausrutscher. Dann ist es Agenda-Setting. Dann wird ein Narrativ gesetzt, das in Politik, Ministerien, Krankenkassen und Leitmedien weitergetragen wird.

Genau so entstehen politische Mehrheiten. Genau so werden Berufsstände delegitimiert.
Genau so werden Entscheidungen vorbereitet.

Die Verbände ziehen sich aus der Auseinandersetzung zurück

Umso erschütternder ist das Verhalten der Heilpraktikerverbände.

Während ein gebührenfinanzierter Sender den Berufsstand frontal angreift, relativieren die zuständigen Interessenvertretungen den Vorgang als „typische Zuspitzung eines Satireformats“. Sie verweisen auf Meinungsfreiheit, auf frühere gescheiterte Beschwerden, auf die Gefahr zusätzlicher Aufmerksamkeit. Kurz gesagt: Sie erklären den Angriff zum Medienproblem und entpolitisieren ihn.

Das ist nicht nur defensiv. Das ist politisch naiv.

Denn wer im öffentlich-rechtlichen Raum nicht widerspricht, akzeptiert die gesetzte Erzählung. Wer keine Verfahren anstößt, überlässt die Deutungshoheit der Gegenseite. Wer den Fernsehrat nicht adressiert, verzichtet freiwillig auf das einzige institutionelle Kontrollinstrument, das Bürger und Berufsstände überhaupt haben.

Die Basis versteht die Lage besser als ihre Verbände

Besonders bitter ist, dass ausgerechnet die Basis die politische Tragweite sehr viel klarer erkennt als ihre eigenen Verbände.

Ein Beispiel: Eine Heilpraktikerin mit 23 Jahren Berufserfahrung schreibt an ihren Verband und fragt, ob man offiziell reagiert habe. Sie spricht von Reichweite, vom öffentlichen Bild des Berufs und von den konkreten Folgen für den Praxisalltag. Sie hat selbst bereits Beschwerde eingelegt und erwartet, dass ihr Verband diese Auseinandersetzung auf eine institutionelle Ebene hebt.

Sie handelt als Bürgerin.
Ihr Verband antwortet wie eine Pressestelle.

Hier prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite Berufsangehörige, die spüren, dass hier nicht nur gelästert, sondern politisch markiert wird. Auf der anderen Seite Verbände, die den Angriff in die Kategorie „Medienaufreger“ verschieben und zur Zurückhaltung raten.

Wenn ein Blog leistet, was Verbände verweigern

Das Ergebnis ist ein Machtvakuum.

Und genau dieses Vakuum füllt jetzt ein unabhängiger Watchblog.

Ohne Mitgliedsbeiträge.
Ohne Funktionärsapparate.
Ohne hauptamtliche Geschäftsstellen. Mit Kaffeespenden.

Aber mit Analyse, mit Einordnung, mit institutionellem Denken. Mit Programmbeschwerden mit Anleitung. Mit Fernsehrat. Mit öffentlicher Dokumentation. Mit politischer Eskalation.

Plötzlich erleben Heilpraktiker, dass ein Blog das leistet, was ihre eigenen Verbände verweigern. Dass er informiert, mobilisiert, juristisch denkt und politisch handelt. Und jeden Heilpraktiker unterstützt. Dass er dort ansetzt, wo es weh tut. Bei den Gremien. Bei den Verfahren. Bei der Verantwortung.

Dagegen: Ein Verband wie der BDH mit einem Budget von über 1 Million Euro pro Jahr. Was leistet er zum Thema Böhmermann? Dieser Verband ist nur ein Beispiel.

Die Frage nach dem Sinn der Verbände

Damit stellt sich eine Frage, die für viele inzwischen unausweichlich ist. Diese Frage stellen mir Heilpraktiker in Mails:

Welchen Sinn haben Verbände, wenn sie im größten Angriff auf den Berufsstand seit Jahrzehnten nicht handlungsfähig sind? Wofür zahlt man Mitgliedsbeiträge, wenn politische Interessenvertretung im Ernstfall ausfällt? Warum organisiert ein Blog den Widerstand, während die offiziellen Vertreter zur Zurückhaltung raten?

Das ist kein Imageschaden für die Verbände. Das ist ein Legitimationsproblem.

Denn wer den Berufsstand nicht verteidigt, wenn er angegriffen wird, verliert seine Existenzberechtigung. Und wer in einer politischen Auseinandersetzung auf Schweigen setzt, überlässt anderen das Feld.

Wer sich nicht wehrt, wird abgeschrieben

Der Angriff ist real. Die Wirkung ist real. Die politische Dynamik ist real.

Was fehlt, ist eine organisierte Interessenvertretung, die diese Realität anerkennt.

Und genau deshalb handeln jetzt nicht die Verbände, sondern die Betroffenen selbst. Über den Watchblog. Über Programmbeschwerden. Über den Fernsehrat. Über Öffentlichkeit.

Nicht aus Empörung.
Sondern aus Notwendigkeit.

Denn wer sich nicht wehrt, wird abgeschrieben.

Wenn Sie die Programmbeschwerde einreichen möchten, hier ist der Link und die Anleitung.

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