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Osteopathieverband VOD bezeichnet Osteopathie bei Heilpraktikern als „Billig-Ausbildung“

heilpraktiker

Viele homöopathisch tätige Heilpraktiker arbeiten nicht ausschließlich mit Homöopathie, sondern kombinieren ihre Praxis mit weiteren Verfahren – besonders häufig mit Osteopathie. Deshalb betrifft die Diskussion über ein mögliches Osteopathie-Berufsgesetz auch zahlreiche homöopathische Praxen direkt. Daher berichte ich auch im Watchblog darüber. Wenn Osteopathie künftig als eigenständiger Gesundheitsberuf organisiert wird, verändert sich damit der komplementärmedizinische Markt, in dem viele Homöopathen heute arbeiten. Entwicklungen in der Osteopathie sind daher auch für Homöopathen wichtig, weil sie die Struktur der komplementären Medizin bei Kassen und bei Patienten insgesamt verschieben können. (Weitere Details)

Kurzfassung für Schnellleser

Die Tonlage vom osteopathischen Berufsverband VOD gegenüber Heilpraktikern wird deutlich schärfer. In einer Pressemitteilung vom März (veröffentlicht auf Verbaende.com) warnt der Verband der Osteopathen Deutschland VOD vor „Billig-Ausbildungen“ und „verkürzten Lehrgängen“ in der Osteopathie. Gemeint sind damit in der Praxis häufig Fortbildungsmodelle im Heilpraktikerbereich. Die Erklärung fällt in eine Phase, in der sich Hinweise verdichten, dass politisch an einem Osteopathie-Berufsgesetz gearbeitet wird. Aussagen der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Simone Borchardt, deuten darauf hin, dass Gespräche über eine gesetzliche Regelung bereits laufen und der VOD involviert ist. Die Pressemitteilung des VOD liefert genau die Argumente, die für ein solches Gesetz typischerweise gebraucht werden: Patientenschutz, Qualitätsstandards und Regulierung.

Die Tonlage des VOD gegenüber Heilpraktikern wird rauer

Die Diskussion über ein mögliches Osteopathie-Berufsgesetz bekommt eine neue Schärfe. In einer aktuellen Pressemitteilung zum Weltverbrauchertag erklärt der Verband der Osteopathen Deutschland, fehlende Regulierung öffne „die Tür für Billig-Ausbildungen“ und „verkürzte Lehrgänge“.

Solche Formulierungen sind ungewöhnlich deutlich. Sie richten sich nicht nur allgemein gegen angebliche Qualitätsprobleme im Ausbildungsmarkt. In der Praxis zielen sie vor allem auf Strukturen, in denen Osteopathie als Zusatzqualifikation vermittelt wird – ein Modell, das im Heilpraktikerbereich weit verbreitet ist.

Die osteopathischen Berufsverbände wie der VOD oder der Dachverband BAO verfolgen seit Jahren ein anderes Ziel: einen eigenständigen Osteopathieberuf ohne Heilpraktikererlaubnis.

Kritik des VOD an Osteopathie-Fortbildungen im Heilpraktikerbereich

Wenn der Verband VOD von „verkürzten Lehrgängen“ spricht, richtet sich die Kritik faktisch gegen das Fortbildungsmodell vieler Heilpraktiker-Ausbildungen. Osteopathie wird dort häufig berufsbegleitend als Zusatzqualifikation angeboten.

Der Verband stellt diesem Modell ein anderes Ausbildungssystem gegenüber: mehrjährige Programme mit internationalem Standard und stark akademischer Ausrichtung. In der Pressemitteilung wird betont, Qualität brauche Zeit – und könne nicht durch kurze Lehrgänge erreicht werden.

Damit wird ein grundlegender Gegensatz sichtbar: Auf der einen Seite ein Fortbildungssystem im Heilpraktikerbereich, auf der anderen Seite ein Modell, das Osteopathie als eigenständigen Gesundheitsberuf versteht.

Angriff auch auf den fragmentierten Ausbildungsmarkt

Die Kritik richtet sich zudem gegen kleinere Ausbildungsanbieter im Osteopathie-Markt. Der Verband beschreibt eine Situation, in der immer mehr Schulen und Lehrgänge entstehen, während Ausbildungsstandards stark variieren.

Tatsächlich ist der Markt für Osteopathie-Ausbildungen seit Jahren gewachsen und zugleich sehr heterogen. Ein staatlich geregelter Beruf würde diesen Markt grundlegend verändern – und vermutlich stark konzentrieren.

Eine politische Argumentation

Die Pressemitteilung des VOD folgt einer bekannten Struktur aus der Berufspolitik. Zunächst wird ein Problem beschrieben: Osteopathie boomt, der Ausbildungsmarkt wächst und es entstehen Lehrgänge mit unterschiedlichen Qualitätsstandards. Daraus wird ein Risiko für Patienten abgeleitet. Die implizite Schlussfolgerung lautet: Wenn Ausbildung uneinheitlich ist und Qualitätsunterschiede bestehen, braucht es staatliche Regulierung.

Genau diese Regulierung fordert der Verband seit Jahren in Form eines eigenständigen Osteopathieberufs.

Warum die Debatte jetzt intensiver wird

Der Zeitpunkt der VOD-Pressemitteilung fällt in eine Phase, in der sich politische Signale für eine gesetzliche Regelung verdichten. Im Koalitionsvertrag wird erstmals eine berufsgesetzliche Regelung der Osteopathie erwähnt. Gleichzeitig erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Simone Borchardt, auf der Plattform Abgeordnetenwatch, dass Gespräche über eine gesetzliche Regelung stattfinden. Und ein VOD-Mitarbeiter erklärt auf seiner Website, dass er an einen Berufsgesetz arbeitet.

Wenn an einem Berufsgesetz gearbeitet wird, beginnt üblicherweise eine Phase, in der Verbände ihre Argumente öffentlich platzieren. Qualitätsprobleme im Markt werden hervorgehoben, Patientenschutz wird betont und die Notwendigkeit staatlicher Regulierung unterstrichen.

Genau diese Argumentationslinie findet sich in der aktuellen Erklärung des Osteopathie-Verbands.

Die eigentliche Botschaft

Der zentrale Satz der VOD-Pressemitteilung lautet sinngemäß: Fehlende Regulierung öffne die Tür für unzureichende Ausbildung.

Damit wird ein politisches Narrativ aufgebaut. Die Logik ist klar: Osteopathie wächst stark, die Ausbildungslandschaft ist uneinheitlich, Patientenschutz ist durch Ausbildungen von Heilpraktikern in Osteopathie gefährdet – deshalb braucht es ein Berufsgesetz.

Solche Argumentationsmuster sind in gesundheitspolitischen Debatten typisch. Sie liefern die Begründung, mit der ein Ministerium eine neue Berufsregelung später öffentlich erklären kann.

Mehr als nur eine Qualitätsdebatte

Die Erklärung des Osteopathie-Verbands VOD ist daher mehr als eine Warnung vor angeblich schlechten Ausbildungsangeboten. Sie ist Teil einer größeren strategischen Diskussion über die Zukunft der Osteopathie im deutschen Gesundheitssystem.

Ein staatlich geregelter Osteopathieberuf würde nicht nur Ausbildung und Berufsstruktur verändern. Er würde auch das bisherige System in Frage stellen, in dem Osteopathie häufig von Heilpraktikern oder in heterogenen Ausbildungsmodellen praktiziert wird.

Die aktuelle Pressemitteilung zeigt deshalb vor allem eines: Die osteopathischen Verbände positionieren sich zunehmend offensiv in einer Debatte, die weitreichende Folgen für den Heilpraktikerbereich haben könnte.

Wie Heilpraktikerverbände reagieren könnten

Die Pressemitteilung des Osteopathie-Verbands VOD ist nicht nur eine interne Qualitätsdebatte. Sie ist ein politisches Signal. Wenn ein Berufsverband öffentlich von „Billig-Ausbildungen“ spricht und fehlende Regulierung als Risiko für Patienten darstellt, liefert er damit genau die Argumente, die später in politischen Begründungen für ein Berufsgesetz auftauchen können.

Für Heilpraktikerverbände stellt sich deshalb eine strategische Frage: Wie reagieren sie auf eine solche Darstellung?

Eine rein interne Diskussion oder das Abwarten eines Referentenentwurfs würde in dieser Situation kaum ausreichen. Denn die entscheidenden politischen Narrative entstehen häufig bereits lange vor einem offiziellen Gesetzentwurf – in Gesprächen zwischen Politikern, Ministerien und Berufsverbänden.

Wenn in dieser Phase nur eine Seite ihre Argumente öffentlich formuliert, prägt sie automatisch die politische Wahrnehmung des Themas.

Für Heilpraktikerverbände würde das bedeuten, deutlich aktiver zu werden. Dazu gehören zwei Ebenen: öffentliche Kommunikation und direkte politische Ansprache.

Öffentlich müssten Heilpraktikerverbände klar darstellen, welche Rolle osteopathisch tätige Heilpraktiker seit Jahren in der Versorgung spielen, welche Ausbildungsstandards tatsächlich existieren und warum pauschale Begriffe wie „Billig-Ausbildung“ der Realität vieler Ausbildungsprogramme nicht gerecht werden.

Parallel dazu wäre eine direkte politische Kommunikation notwendig. Wenn in Berlin über ein mögliches Osteopathie-Berufsgesetz gesprochen wird, müssten auch die Positionen der Heilpraktikerverbände in diesen Gesprächen präsent sein. Dazu gehören Gespräche mit gesundheitspolitischen Sprechern der Fraktionen, Stellungnahmen gegenüber Ministerien und eine sichtbare Positionierung in der gesundheitspolitischen Debatte.

Denn eines zeigt die aktuelle Pressemitteilung des Osteopathie-Verbands deutlich: Die Auseinandersetzung über die Zukunft der Osteopathie hat längst begonnen – und sie wird zunehmend öffentlich geführt.


Quellen:

Pressemitteilung VOD Pressemitteilung (Link https://www.verbaende.com/news/pressemitteilung/keine-abkuerzung-zur-osteopathie-qualitaet-braucht-zeit-vod-fehlende-regulierung-oeffnet-tuer-fuer-billig-ausbildungen-weltverbrauchertag-15-maerz-171503/), Positionspapiere der gesundheitspolitischen Sprechererin der Unionsfraktion Simone Borchardt auf Abgeordnetenwatch, Website eines VOD-Mitarbeiters.

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