Kurzfassung für Schnellleser
– Der ZDF-Fernsehrat bestätigt offiziell: Am 13. März 2026 wird in einer öffentlichen Sitzung über die Programmbeschwerden gegen Jan Böhmermann beraten und entschieden.
– Ein Heilpraktiker, per Los als Leitbeschwerdeführer bestimmt, hat die Verteidigung des ZDF-Intendanten ausdrücklich nicht akzeptiert.
– Damit ist ein formelles Prüfverfahren eröffnet, das nicht mehr gestoppt werden kann.
– Grundlage der Entscheidung sind zahlreiche Programmbeschwerden, die Stellungnahme des Intendanten und ein ausführliches Erwiderungsschreiben des Heilpraktikers.
– Der Fall liegt nun vollständig in der Verantwortung des ZDF-Fernsehrats.
– Möglich wurde dieses Verfahren nicht durch Institutionen der Heilpraktikerschaft, sondern weil Einzelne Verantwortung übernommen haben.
Der formelle Durchbruch: Der 13. März steht als Verhandlungstermin gegen Böhmermann fest
Die Gemeinschaft von Homöopathie und Heilpraktikern hat einen ersten, entscheidenden Erfolg erreicht: Die pauschale Abwertung von Heilpraktikern und Homöopathie in der Sendung ZDF Magazin Royale vom 19. Dezember 2025 versandet nicht, sondern landet vor der internen Gerichtsbarkeit des ZDF. Möglich wurde das durch Programmbeschwerden der Leser des Homoeopathiewatchblog und Heilpraktiker-Newsblog.
Der ZDF-Fernsehrat hat bestätigt, dass am 13. März 2026 in seiner regulären Sitzung über die Programmbeschwerden gegen Jan Böhmermann beraten und entschieden wird.
Die Vorsitzende des Fernsehrats, Gerda Hasselfeldt (CSU, ehemalige Bundesgesundheitsministerin, derzeit Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes), hat dies in einem Schreiben am 6.2. an den Leitbeschwerdeführer mitgeteilt, das dem Homoeopathiewatchblog vorliegt.
Die Sitzung ist auf mehrere Stunden angesetzt. Ein Tagesordnungspunkt neben weiteren lautet ausdrücklich:
„Programmbeschwerden gegen Jan Böhmermann“.
Die Sitzung ist öffentlich und wird per Livestream übertragen.
Der Fernsehrat entscheidet dabei nicht politisch, sondern programmrechtlich. Geprüft wird, ob die Sendung mit den Statuten des ZDF vereinbar ist – auf Basis der eingegangenen Programmbeschwerden, der Stellungnahme des ZDF-Intendanten und der Erwiderung des Leitbeschwerdeführers.
Ausgangspunkt: Viele Programmbeschwerden
Startpunkt für das Verfahren waren zahlreiche Programmbeschwerden von Lesern des Homoeopathiewatchblog und des Heilpraktiker-Newsblog seit der Sendung am 19.12.2025.
Auf dieser Grundlage hat der Fernsehrat das Verfahren eröffnet. Der ZDF-Intendant musste Stellung nehmen.
Norbert Himmler stellte sich darin ausdrücklich hinter die Sendung von Jan Böhmermann und erklärte die pauschale Abwertung des Berufsstands der Heilpraktiker zur durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschützten Freiheit der Satire.
Diese Stellungnahme wurde dem vom ZDF per Los bestimmten Leitbeschwerdeführer vorgelegt – einem praktizierenden Heilpraktiker aus Hessen – mit der Frage, ob er sie akzeptiere oder seine Programmbeschwerde aufrechterhalte.
Die wichtigste Entscheidung: Der Heilpraktiker sagt Nein
Der Heilpraktiker hat am 5. Februar 2026 schriftlich erklärt, dass er die Stellungnahme des ZDF-Intendanten nicht akzeptiert und seine Programmbeschwerde ausdrücklich aufrechterhält.
Dieser Schritt ist zentral.
Denn damit endet die interne Klärungsebene mit dem Intendanten. Ab diesem Moment ist das Verfahren nicht mehr politisch oder kommunikativ lösbar, sondern wird formal, inhaltlich und verbindlich durch den Fernsehrat geprüft.
Der vollständige Briefwechsel liegt mir vor, da ich in engem Kontakt mit dem Leitbeschwerdeführer stehe.
Der offizielle Fahrplan des ZDF-Fernsehrats
Der Fernsehrat hat folgenden Ablauf bestätigt:
– bis 13. Februar 2026: Einreichung einer ausführlichen schriftlichen Erwiderung durch den Leitbeschwerdeführer – mit meiner Unterstützung
– 5. März 2026: Vorberatung im zuständigen Programmausschuss
– 13. März 2026: Beratung und Entscheidung im Plenum (öffentlich, für jeden zugänglich, per Stream oder vor Ort) des ZDF-Fernsehrats
Ab diesem Punkt trägt der Fernsehrat die volle Verantwortung für die Bewertung der Sendung.
Warum dieses Verfahren existiert
Dieses Verfahren existiert nicht, weil „der Watchblog laut war“.
Es existiert, weil Einzelne gehandelt haben.
– ein Heilpraktiker, zufällig vom ZDF ausgewählt, der bereit war, diese Rolle neben seiner normalen Arbeit zu übernehmen
– viele einzelne Programmbeschwerdeführer: Heilpraktiker, Ärzte und Patienten, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Programmbeschwerde eingereicht haben
– ein Watchblog, der unmittelbar nach der Sendung gewarnt, die Idee der Programmbeschwerde öffentlich gemacht und einen Entwurf veröffentlicht hat, dem viele gefolgt sind
– ein Watchblog, der nun unterstützend für den Leitbeschwerdeführer ein ausführliches Erwiderungsschreiben für den ZDF-Fernsehrat recherchiert und verfasst hat
So entsteht Öffentlichkeit: nicht durch Institutionen, sondern durch konkrete Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Wo die Gemeinschaft gescheitert ist
Was mich in den letzten Wochen besonders beschäftigt hat, ist der Kontrast zwischen individuellem Engagement vieler Heilpraktiker und Homöopathie-Freunde und institutioneller Passivität.
Ich habe intensiv versucht, Verbände und Hersteller für das Thema Böhmermann zu aktivieren. Das Ergebnis war ernüchternd:
– ein kostenloses – öffentlich im Watchblog zugängliches – PR-Paket für Verbände direkt nach der Sendung: keine Reaktion
– Anschreiben an rund 40 Verbände mit dem Hinweis auf mögliche Anfragen des Fernsehrats: eine Reaktion (VDH)
– Bitten um öffentliche Stellungnahmen: Ablehnung oder Schweigen
– Kontaktaufnahme mit Herstellern und Verbänden: keine Aktivität
In der Sendung wurden mit Logos und Produkten gezeigt oder genannt:
FDH, VDH, DHU, Wala.
Besonders absurd war für mich ein zufälliges Gespräch mit einer Key Account Managerin (einer Oecotrophologin wie ich) des größten deutschen Homöopathie-Herstellers mit Sitz in Baden-Württemberg. Dort wurde mir vor Zeugen erklärt, man habe die Produkt-PR eingestellt und setze vor allem auf den Vertrieb über Heilpraktiker – während genau diese Heilpraktiker öffentlich angegriffen werden. Auch darauf folgte: Schweigen aus der Fächerstadt.
Bei keinem Hersteller, bei keinem Herstellerverband (Pharma Deutschland, BPI) und bei keinem Heilpraktikerverband (rund 40) findet sich bislang ein Text zur Böhmermann-Sendung oder ein Aufruf, sich an den Programmbeschwerden zu beteiligen.
Wer keine Verantwortung übernimmt
Es ist absurd, dass ich als Patient von Heilpraktikern und Journalist Verbände und Hersteller anbetteln muss – nicht finanziell, sondern politisch –, ihre eigenen Kunden, die Heilpraktiker, gegen den größten medialen Angriff der letzten Jahrzehnte zu verteidigen.
Realistisch betrachtet bin ich bei der Aktivierung der Verbände und Hersteller gescheitert. Das ist keine Bewertung, sondern eine Beschreibung. Umso deutlicher zeigt dieser Fall, wo Engagement tatsächlich entsteht – und wo nicht.
Ich sage das nüchtern, nicht polemisch:
Ein solches Versagen einzelner Verbände und Hersteller habe ich in über 30 Jahren als Journalist und PR-Berater in keiner anderen Branche erlebt, wenn der wichtigste Kunde – der Heilpraktiker – mit dem intensivsten Angriff seit Jahrzehnten konfrontiert ist und Hilfe braucht.
Ich sehe das auch ganz praktisch:
Ich bin nicht nur Journalist, sondern auch Patient. Als Patient von Heilpraktikern finanziere ich über Beiträge die Verbände mit. Als Käufer homöopathischer Arzneimittel finanziere ich die Hersteller mit.
Deshalb werde ich als Patient und Journalist nicht Ruhe geben. Es steht zu viel auf dem Spiel für Homöopathie und Heilpraktiker, als dass Passivität und Schweigen akzeptiert werden kann:
Einzelne verteidigen Einzelne
Faktisch ist die Lage derzeit klar:
Einzelne Menschen übernehmen Verantwortung und verteidigen Homöopathie und Heilpraktiker – für einzelne Menschen.
– Einzelne Menschen übernehmen Verantwortung, indem sie eine Programmbeschwerde einreichen.
– Einzelne Menschen übernehmen Verantwortung, indem sie als Leitbeschwerdeführer – zufällig vom ZDF ausgewählt – nicht sagen: „Ich habe genug zu tun“, sondern sagen: „Ich übernehme Verantwortung.“
– Einzelne Menschen übernehmen Verantwortung, indem sie als Patient von Heilpraktikern und Journalist das Thema Programmbeschwerde für alle zugänglich machen.
Warum dieses Verfahren wichtig ist
Dieses Verfahren zeigt, was möglich ist – und wo die Grenzen liegen.
Es zeigt, dass Mut nicht abstrakt ist. Er besteht aus einzelnen Entscheidungen: eine Beschwerde schreiben, eine Rolle übernehmen, nicht zurückweichen, wenn es unbequem wird.
Und es zeigt auch, warum der Watchblog und der Newsblog existieren und von vielen Menschen besucht und genutzt werden (daher 1 Million Seitenaufrufe in 2025):
als Schutzraum, als Plattform, als Ort, an dem sich Einzelne nicht allein fühlen müssen.
Der Ausgang des Verfahrens ist offen.
Dass es stattfindet, ist es nicht. Und das ist Einzelen zu verdanken, die sich für die Gemeinschaft einsetzen.
Foto: ZDF-Fernsehrat/Torsten Silz

