Der Homoeopathiewatchblog gibt Ärztinnen und Ärzten für Homöopathie aus der Praxis eine Stimme – in einer Zeit, in der die Politik plant, die Homöopathie endgültig aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zu streichen.
Parallel dazu hat der Watchblog bereits Patientinnen zum gleichen Thema zu Wort kommen lassen: Link.
Während die Finanzkommission Gesundheit den Weg für die Streichung bereits frei gemacht hat und das Ende der freiwilligen Satzungsleistung vom Gesundheitsministerium bis zur Sommerpause 2026 (10. Juli entscheidet Bundestag) vorbereitet wird, melden sich nun Ärztinnen und Ärzte für Homöopathie via Watchblog zu Wort, die Homöopathie in der täglichen Arbeit anwenden. Sie warnen vor einem Rückschritt in der medizinischen Versorgung und vor einer weiteren Verarmung ärztlicher Therapiefreiheit.
„Heilen ist eine Kunst, kein Verfahren“
„Heilen ist für mich eine Kunst, nicht nur ein Verfahren,“ sagt Frau Ursula A., Ärztin für Homöopathie aus Berlin, im Gespräch mit dem Homoeopathiewatchblog.
Sie versteht Medizin als Heilkunst, in der nicht nur Technik, sondern Vertrauen und individuelle Begleitung zählen. „Viele meiner Patientinnen und Patienten vertrauen der Homöopathie, weil sie den Menschen in seiner Ganzheit anspricht.“
Mit Blick auf die geplante Streichung mahnt sie: „Das Nicht-Stoffliche bekommt einen höheren Stellenwert – dieses System entzieht sich aber einem Kontrollapparat. Wenn gestrichen wird, wird es voraussichtlich von privaten Kassen wieder benutzt, um Zusatzgebühren zu erheben.“
Ihre Sorge: Die GKV-Streichung könnte vor allem einkommensschwächere Patientinnen und Patienten treffen, die sich homöopathische Behandlungen künftig kaum noch leisten könnten.
„Homöopathie wirkt“
Auch Dr. Sophia S., Ärztin für Homöopathie und Schmerztherapeutin mit Kassenzulassung aus Berlin, erlebt täglich, dass homöopathische Behandlungen ihren Patientinnen und Patienten helfen. „Ich habe Methoden gesucht, die wirklich etwas bringen, effektiv sind und womöglich heilen können. Als ich schließlich die passende homöopathische Methode fand, war die Wirkung eindeutig – wenn das Simile gefunden ist, wirkt es wie ein Wunder“, berichtet sie im Gespräch mit dem Homoeopathiewatchblog.
Dr. S. berichtet, dass viele Patientinnen und Patienten die Möglichkeit schätzen, homöopathische Leistungen über die Kasse in Anspruch zu nehmen: „Das Prozedere mit den Selektivverträgen ist zwar bürokratisch, aber viele sind eher bereit, sich darauf einzulassen, als wenn sie extra bezahlen müssten.“
Wenn die Leistungen gestrichen würden, befürchtet sie, „dass sich noch weniger Patienten für Homöopathie entscheiden.“
Zwischen Glaubenskrieg und Praxisrealität
Das gesellschaftliche Klima bereitet der Ärztin Dr. S. zusätzliche Sorgen. „Sich darüber zu äußern, dass man homöopathisch arbeitet, ist inzwischen fast ein Outing. Man macht sich quasi lächerlich. Dabei wissen wir aus Erfahrung: Homöopathie wirkt.“ Dr. S. spricht von einem „Glaubenskrieg“ zwischen Befürwortern und Skeptikern – statt eines offenen Austauschs über reale Therapieerfahrungen.
Medizin mit Menschlichkeit statt Einheitsmedizin
Beide Ärztinnen für Homöopathie eint im Gespräch mit dem Homoeopathiewatchblogt die Sorge, dass mit der Streichung der Homöopathie aus der GKV die Vielfalt ärztlicher Therapiekultur verloren geht. „Ärztinnen und Ärzte, die Homöopathie anwenden, stehen nicht im Gegensatz zur Schulmedizin – sie ergänzen sie menschlich,“ betont Frau A.
Für beide Medizinerinnen ist klar: Eine moderne Gesundheitsversorgung braucht beides – wissenschaftliche Standards und Raum für individuelle Heilkunst.
Hintergrund: Wie die Finanzkommission das GKV-Aus der Homöopathie plant
Die vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Finanzkommission der GKV hat am 30. März empfohlen, die Homöopathie sowie vergleichbare „nicht evidenzbasierte Satzungsleistungen“ aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen.
Laut Ministerium sollen das Gesetzespaket mit GKV-Aus der Homöopathie spätestens bis zum Beginn der Sommerpause 2026 vom Bundestag ratifiziert wird.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will damit – so heißt es – „finanzielle Mittel für evidenzbasierte Leistungen“ bündeln.
Die Krankenkassen erhalten eine kurze Übergangsfrist bis Ende 2026, um bestehende Selektivverträge mit homöopathischen Ärztinnen und Ärzten auslaufen zu lassen. Patientinnen und Patienten, die aktuelle Verträge nutzen, müssen sich auf ein Ende der Kostenerstattung ab 1.1.2027 einstellen.

