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Ärzte stärken Homöopathie mit 10-Jahres-Strategie: Fallbeispiel aus Brasilien zeigt gezielte berufspolitische Arbeit

homöopathie

Nach dem GKV-Aus stellt sich die Frage, wie die Homöopathie in Deutschland langfristig gestärkt werden kann. Der Homoeopathiewatchblog recherchiert deshalb gezielt, mit welchen Strategien Ärzte und Organisationen auch in anderen Ländern die Homöopathie stärken und welche Ergebnisse sie damit erzielen.

Ein aufschlussreiches Beispiel liefert Brasilien. Dort arbeiten Ärzte für Homöopathie seit fast zehn Jahren daran, ihre Fachrichtung innerhalb der Medizin zu stärken. Sie bringen Forschung in die Ärzteschaft, suchen den direkten Zugang zu medizinischen Institutionen und fördern den Nachwuchs. Mit ersten greifbaren Ergebnissen: 2025 wurde beim nationalen Ärzterat eine eigene Fachkommission für Homöopathie eingerichtet. Ein berufspolitischer Ansatz, der auch für Deutschland interessant sein könnte.

Die Strategie: Forschung in medizinische Institutionen bringen

Homöopathie ist in Brasilien seit 1980 als ärztliche Fachrichtung anerkannt. Für ihre Stellung innerhalb der Medizin und die Ausbildung des Nachwuchses engagieren sich brasilianische Ärzte für Homöopathie seit vielen Jahren. An vielen medizinischen Fakultäten wird Homöopathie nicht gelehrt.

Der Arzt und Wissenschaftler Prof. Marcus Zulian Teixeira von der Universität São Paulo gehört zu den treibenden Kräften dieser Arbeit. Im September 2026 beschrieb er in der Fachzeitschrift Clinics die Strategie, mit der brasilianische Ärzte für Homöopathie ihre Stellung innerhalb der Medizin stärken. Zunächst sammeln die Beteiligten Forschungsergebnisse und bereiten sie in Übersichtsarbeiten auf. Diese Unterlagen bringen sie anschließend zu Ärztekammern, Fachgesellschaften und Universitäten. Vorträge auf allgemeinen Ärztekongressen sollen Kollegen anderer Fachrichtungen erreichen. Auch Selbstverwaltung und Ausbildung gehören dazu.

Die Ärzte verfolgen diese Ziele seit fast zehn Jahren und bauen dabei Kontakte zu medizinischen Institutionen auf.

Schritt 1: Forschung bündeln – Dossiers für Ärzte

2017 erstellte die homöopathische Fachkommission der regionalen Ärztekammer São Paulo (CREMESP) ein Dossier mit neun Übersichtsarbeiten, unter anderem zu Grundlagenforschung und klinischen Untersuchungen. Die Veröffentlichungen erschienen auf Portugiesisch, Englisch und Spanisch. Sie sollten auch andere Ärzte erreichen.

2023 und 2024 folgte ein umfangreicheres, ebenfalls mehrsprachiges Forschungskompendium mit 13 Kapiteln. Es entstand mit Unterstützung der Brasilianischen Ärztevereinigung (AMB) und behandelt experimentelle Forschung, klinische Studien, Übersichtsarbeiten und Fragen der Sicherheit.

Die Autoren bewerten die vorliegenden Studien als wissenschaftliche Argumente für Homöopathie. Mit den Dossiers verfügen die Ärzte über eine gemeinsame wissenschaftliche Grundlage für Gespräche mit medizinischen Institutionen.

Schritt 2: Raus aus dem eigenen Fachkreis – allgemeine Ärztekongresse

Prof. Teixeira sucht ausdrücklich den Austausch mit Ärzten anderer Fachrichtungen. Im Juli 2024 hielt er beim zweiten Kongress für Allgemeinmedizin der Brasilianischen Ärztevereinigung einen Vortrag über evidenzbasierte Homöopathie. Das Thema stand neben anderen medizinischen Fachgebieten.

Die Unterstützung der Ärztevereinigung beim Forschungskompendium und der Kongressauftritt sind zwei konkrete Beispiele dafür, wie brasilianische Ärzte für Homöopathie ihre Themen in die allgemeine ärztliche Fachöffentlichkeit tragen.

Schritt 3: Die Homöopathie in der ärztlichen Selbstverwaltung verankern

Besonders deutlich wird die institutionelle Dimension beim Conselho Federal de Medicina (CFM), dem brasilianischen Bundesärzterat. Der CFM ist mit der deutschen Bundesärztekammer vergleichbar, verfügt jedoch über weiterreichende gesetzliche Befugnisse. Anfang 2025 wurde dort eine homöopathische Fachkommission eingerichtet. Im November desselben Jahres organisierte der CFM erstmals ein öffentliches wissenschaftliches Webinar zur Homöopathie. Prof. Teixeira gehörte zu den Referenten. Diskutiert wurden Grundlagenforschung, klinische Untersuchungen, Übersichtsarbeiten und die universitäre Ausbildung.

Der damalige kommissarische CFM-Präsident Emmanuel Fortes betonte die Anerkennung der Homöopathie als ärztliche Fachrichtung und sprach sich für ihren Erhalt innerhalb der Medizin aus. Francisco Cardoso, Koordinator der Fachkommission, kündigte weitere Veranstaltungen an.

Damit hat die Homöopathie beim nationalen Bundesärzterat eine eigene Fachkommission und wurde zum Thema einer offiziellen wissenschaftlichen Veranstaltung. Für die beteiligten Ärzte ist das ein sichtbarer institutioneller Fortschritt.

Schritt 4: Die ärztliche Ausbildung stärken

Zur Strategie gehört auch die medizinische Ausbildung. Prof. Teixeira will Informationen über Homöopathieforschung für Medizinstudenten und angehende Ärzte zugänglich machen. An einigen brasilianischen Hochschulen bestehen bereits Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekte oder Ambulanzen.

Anfang 2026 richtete die staatliche Bundesuniversität Goiás am Universitätsklinikum Hospital das Clínicas eine zweijährige ärztliche Weiterbildung in Homöopathie ein. Nach Angaben der Universität gibt es damit landesweit fünf solche Weiterbildungsprogramme. Rund 2.800 Ärzte besitzen eine entsprechende Facharztqualifikation. Das neue Programm in Goiás zeigt, dass die ärztliche Weiterbildung in Homöopathie an einzelnen Hochschulen weiter ausgebaut wird.

Erste Ergebnisse der Strategie nach fast zehn Jahren

Seit 2017 verfolgen brasilianische Ärzte für Homöopathie das Ziel, ihre Fachrichtung innerhalb der Medizin zu stärken. Fast zehn Jahre später können sie auf mehrere konkrete Ergebnisse verweisen.

2017 veröffentlichte die regionale Ärztekammer São Paulo ein wissenschaftliches Dossier mit neun Übersichtsarbeiten. 2023/2024 entstand mit Unterstützung der Brasilianischen Ärztevereinigung ein weiteres Kompendium mit 13 Kapiteln. 2024 konnte Prof. Teixeira die Homöopathie auf einem allgemeinen Ärztekongress vorstellen.

Der bislang wichtigste berufspolitische Fortschritt folgte 2025: Beim nationalen Bundesärzterat wurde eine eigene Fachkommission für Homöopathie eingerichtet. Im November veranstaltete der Bundesärzterat erstmals ein wissenschaftliches Webinar zur Homöopathie. Der damalige kommissarische Präsident bekräftigte dabei die Anerkennung der Homöopathie als ärztliche Fachrichtung.

Damit hat die Homöopathie Zugang zu mehreren wichtigen Einrichtungen der brasilianischen Ärzteschaft gewonnen. Ihre Vertreter können Forschungsergebnisse auf allgemeinen Ärztekongressen vorstellen und ihre Themen über eine eigene Fachkommission beim Bundesärzterat einbringen.

Die einzelnen Entwicklungen sind das Ergebnis der fast zehnjährigen Aktivitäten: Die Homöopathie hat zusätzliche Möglichkeiten erhalten, innerhalb der etablierten ärztlichen Institutionen präsent zu sein und ihre Interessen zu vertreten.

Ein interessantes Fallbeispiel für Deutschland

Nach dem GKV-Aus und dem Rückzug der Zusatzweiterbildung aus zahlreichen Ärztekammern stellt sich die Frage, wie die ärztliche Homöopathie in Deutschland langfristig gestärkt werden kann.

Auch hier engagieren sich Ärzte, Wissenschaftler und Verbände seit vielen Jahren. Das brasilianische Beispiel zeigt, welchen Stellenwert eine gemeinsame, langfristige berufspolitische Strategie haben kann, die Forschung, Kontakte zu medizinischen Institutionen und Nachwuchsförderung systematisch miteinander verbindet.

Zwischen dem ersten wissenschaftlichen Dossier und dem Webinar des nationalen Ärzterates liegen fast zehn Jahre. Die entscheidende Anregung für Deutschland liegt in dieser Ausdauer: Einzelne Aktionen können Aufmerksamkeit schaffen. Eine über Jahre verfolgte Strategie kann helfen, dauerhafte Kontakte, institutionelle Strukturen und neue Einflussmöglichkeiten aufzubauen.

Quellen zum Weiterlesen

  1. Marcus Zulian Teixeira (2026), Clinics: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42705014/
  2. Conselho Federal de Medicina (2025), Bericht zum Homöopathie-Webinar: https://portal.cfm.org.br/noticias/cfm-debate-evidencias-cientificas-da-homeopatia/
  3. Conselho Federal de Medicina (2025), Bericht zu Lehre und Forschung: https://portal.cfm.org.br/noticias/especialistas-debatem-sobre-ensino-pesquisa-e-pratica-clinica
  4. Universidade Federal de Goiás (2026), neues Weiterbildungsprogramm: https://medicina.ufg.br/n/203027-professores-da-residencia-medica-em-homeopatia-se-reunem-com-a-diretoria-da-fm-para-falar-sobre-o-programa-recem-criado-no-hospital-das-clinicas

Foto: Manfred Richter, Pixabay

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