Wenn Verbände schweigen und Mitglieder fragen
Seit Wochen erreichen mich täglich Mails von Heilpraktikerinnen, Heilpraktikern sowie Ärztinnen und Ärzten. Viele schreiben mir zum ersten Mal. Und fast alle stellen dieselbe Frage: Warum sind unsere Verbände so still?
Gemeint sind vor allem zwei Entwicklungen, die die Gemeinschaft tief verunsichern: die mediale Kampagne rund um das ZDF-Magazin Royale von Jan Böhmermann und die neue gesundheitspolitische Linie aus dem Kanzleramt von Kanzleramtschef Thorsten Frei gegen Homöopathie. Viele empfinden diese Angriffe als die massivsten seit Jahrzehnten. Und sie fragen sich, warum ihre Verbände öffentlich kaum sichtbar Position beziehen.
In den Zuschriften ist von Enttäuschung die Rede, von Ratlosigkeit und wachsendem Misstrauen. Viele fühlen sich bei dem größten medialen Angriff auf ihren Berufsstand seit Jahrzehnten von ihren Standesvertretungen im Stich gelassen.
Hier ein beispielhafter Kommentar von heute im Heilpraktiker-Newsblog. Er steht stellvertretend für Hunderte ähnlicher Mails und Kommentare an mich:
Die stille Strategie in einer lauten Medienwelt
Immer wieder höre ich dieselbe Frage: Wo sind die Ergebnisse der Strategie „wir regeln das still im Hintergrund“ – gerade jetzt, wo mediale Kampagnen der Einstieg in politische Prozesse sind?
Viele Leser benennen einen klaren Widerspruch: Während Verbände mit großen Mitgliederzahlen und hohen Budgets öffentlich kaum auftreten, organisiert ein Blog mit seinen Leserinnen und Lesern Programmbeschwerden, offene Briefe und politische Debatten.
Eigentlich wäre das Aufgabe der Verbände.
Warum der Watchblog jetzt eine Presseanfrage stellt
Diese Diskrepanz lässt sich nicht mehr übergehen. Öffentlichkeit ist heute politische Realität. Wer Medienwirkung unterschätzt, versteht moderne Politik nicht.
Deshalb habe ich heute eine offizielle Presseanfrage an die Vorstände von DZVhÄ, VKHD und BDH gestellt. Nicht aus Lust an Konfrontation, sondern weil mir täglich Menschen schreiben, die Antworten wollen. Da die drei Verbände nicht auf meine Presseanfragen per E-Mail reagieren, stelle ich Ihnen diese Presseanfrage öffentlich im Watchblog und Newsblog im Sinne der Transparenz.
Heilpraktiker und Ärzte fragen: Wer spricht für uns, wenn es ernst wird?
Ich werde die Antworten – oder auch eine Nicht-Antwort – transparent dokumentieren.
Der Watchblog ist kein Verbandsersatz. Aber wenn Verbände in entscheidenden Momenten schweigen, entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum füllen Watchblog und Newsblog mit ihren Lesern:
Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie.
Presseanfrage: Medienarbeit und politische Kommunikation Ihrer Verbände zu Böhmermann und Kanzleramt
Sehr geehrte Vorstände des DZVhÄ,
sehr geehrte Vorstände des VKHD,
sehr geehrte Vorstände des BDH,
ich wende mich heute an Sie als Gesundheitsjournalist und Redakteur des Homoeopathiewatchblog sowie des Heilpraktiker-Newsblog.
Mich erreichen seit Wochen täglich und immer mehr Zuschriften von Heilpraktikerinnen, Heilpraktikern sowie Ärztinnen und Ärzten, die sich mit großer Sorge an mich wenden. In diesen Mails wird sehr konkret gefragt, warum die Berufs- und Fachverbände aus Sicht vieler Mitglieder in zentralen medialen und politischen Auseinandersetzungen kaum sichtbar auftreten. Beispielhafte Mails habe ich hier veröffentlicht: Link.
Die Zuschriften eint ein wiederkehrendes Muster:
Viele Leserinnen und Leser empfinden die aktuellen Angriffe auf Homöopathie und Heilpraktiker als die massivsten seit Jahrzehnten. Sie nennen insbesondere zwei Entwicklungen:
– die mediale Kampagne rund um das ZDF-Magazin Royale von Jan Böhmermann
– die neue gesundheitspolitische Linie aus dem Kanzleramt gegen Homöopathie
In beiden Fällen wird mir von Mitgliedern Ihrer Verbände geschildert, dass sie sich von ihren Standesvertretungen nicht ausreichend unterstützt fühlen. Es wird gefragt, warum Verbände mit teils sehr großen Mitgliederzahlen und erheblichen Jahresbudgets (BDH und DZVHAE mit jeweils über 1 Million Euro Einnahmem jährlich – öffentlich einsehbar auf der Website des Bundestages: Link BDH, Link DZVHAE) öffentlich kaum sichtbar Stellung beziehen, während Watchblog und Newsblog gemeinsam mit seinen Leserinnen und Lesern Programmbeschwerden organisiert (Link Böhmermann), politische Debatten aufgreift und öffentliche Aufmerksamkeit (Link Kanzleramt) herstellt.
Viele Heilpraktiker und Ärzte für Homöopathie formulieren es sehr deutlich:
Sie fühlen sich bei dem größten medialen Angriff auf den Berufsstand seit Jahrzehnten von ihren Verbänden BDH, VKDH und DZVHAE im Stich gelassen. Explizit diese drei Verbände nennen mir Leser.
Andere fragen, wo die Ergebnisse der seit Jahren kommunizierten Verbands-Strategie „wir regeln das still im Hintergrund“ heute sichtbar werden – gerade in einer Situation, in der mediale Kampagnen offensichtlich der Einstieg in politische Prozesse gegen Homöopathie und Heilpraktiker sind.
Vor diesem Hintergrund gebe ich die Fragen meiner Leserinnen und Leser hiermit gebündelt an Sie als Vorstände der in den Lesermails immer wieder genannten drei Berufsverbände weiter.
Fragen an den VKHD und den BDH
- Wie unterstützen Sie Ihre Mitglieder konkret, die sich durch die Berichterstattung und Darstellung im ZDF-Magazin Royale von Jan Böhmermann öffentlich angegriffen fühlen?
- Welche Schritte haben Sie in diesem Zusammenhang unternommen? Welche Schritte planen Sie?
- Warum haben Ihre Verbände – aus Sicht vieler Mitglieder – nicht öffentlich zu dieser Sendung Stellung genommen?
- Wie bewerten Sie die Rolle medialer Kampagnen als Einstieg in politische Prozesse gegen den Berufsstand?
- Welche Strategie verfolgen Sie, um Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in einer zunehmend kritischen Medienlandschaft sichtbar und wirksam zu vertreten?
Fragen an den DZVhÄ
- Wie unterstützen Sie Ihre Mitglieder, die sich durch die neue gesundheitspolitische Linie aus dem Kanzleramt zur Homöopathie verunsichert sehen?
- Welche Aktivitäten im Bereich Medienarbeit und politische Kommunikation verfolgen Sie aktuell konkret?
- Welche Ergebnisse hat Ihre langjährige Strategie der „stillen Hintergrundarbeit“ in der aktuellen politischen Lage hervorgebracht?
- Wo positioniert sich der DZVhÄ öffentlich, wenn zentrale politische Weichenstellungen zur Homöopathie erfolgen?
- Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitglieder sich in dieser Phase politisch vertreten fühlen?
Viele Leserinnen und Leser stellen zudem die grundsätzliche Frage, warum Verbände mit Jahresbudgets im Bereich von rund einer Million Euro (BDH – und DZVHAE) öffentlich kaum sichtbar erklären, warum Homöopathie und Heilpraktiker Teil der medizinischen Vielfalt sind und warum sie politisch schützenswert sind.
Als Journalist sehe ich es als meine Aufgabe, diese Fragen der Leser transparent an Sie weiterzugeben.
Ich werde Ihre Antworten – oder auch eine Nicht-Antwort – im Homoeopathiewatchblog und im Heilpraktiker-Newsblog dokumentieren.
Die Leser des Watchblog und Newsblog freuen sich auf Ihre Antwort bis zum 25.1.2026, 12 Uhr.
Mit freundlichen Grüßen
Christian J. Becker
Dipl. oec. troph.
Gesundheitsjournalist
Redakteur Homoeopathiewatchblog.de
Redakteur Heilpraktiker-Newsblog.de
Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie

