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Wir lösen die nicht vorhandenen Probleme still im Hintergrund, sagt der DZVHAE im neuesten Newsletter – Eine Analyse / plus Mail von mir an alle DZVHAE-Verantwortlichen

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Warum dieser Text – und warum schon wieder ein Verbandsnewsletter?

Demnächst halte ich vor jungen Gesundheitsjournalisten in der Ausbildung einen Vortrag, wie Verbände und zu welchen Themen sie kommunizieren. Ich werde den DZVHAE-Newsletter vom 22.1. als Beispiel verwenden. Als Fallstudie: Was sind die Probleme und wie kommuniziert ein Verband Lösungen in seinem Newsletter. Unten finden Sie meinen ersten Entwurf als Rohtext in langer Powerpoint-Version.

In den vergangenen Monaten ist die Homöopathie politisch und medial massiv unter Druck geraten. Kanzleramt, CDU-Schwenk, Binnenkonsens, Arzneimittelstatus, GKV-Leistungen, Böhmermann, Grünen-Parteitag, SPD-Parteitag, Landtagswahl am 8. März – selten stand so viel gleichzeitig auf dem Spiel. Der Einbruch der Zahl der Ärzte im Homöopathie-Kassenvertrag um 66 Prozent ist kein Randthema. Immer mehr Ärzte für Homöopathie verlassen Deutschland und gehen in die Schweiz. Das sind einige Alarmsignale für die ärztliche Homöopathie in Deutschland. Gleichzeitig stehen zentrale Weichenstellungen im Raum, die über die Zukunft der Homöopathie als Arzneimittel und als Kassenleistung entscheiden können.

Gleichzeitig gibt es auch gute Nachrichten. Die WissHom hat sich per Brief an die Politik gewandt und diese zu einem Fachdialog eingeladen. Das sollte für den DZVHAE ein relevantes Thema sein.

Gleichzeitig zahlen Ärzte Jahr für Jahr rund eine Million Euro Mitgliedsbeiträge an ihren Verband: an den DZVhÄ. Seine Ärzte zahlen 250 Euro aufwärts im Jahr als Mitgliedsbeitrag. Und doch stellt sich eine einfache, unbequeme Frage: Was bekommen die Mitglieder für dieses Geld zurück, wenn es politisch und medial wirklich brennt? Löst der Verband Probleme, kommuniziert er diese Lösungen an seine Mitglieder?

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, genau hinzusehen, womit sich die Verbände in ihren Newslettern beschäftigen. Nicht, um zu polemisieren. Sondern um nüchtern zu analysieren, wie politische Interessenvertretung heute aussieht – und wie sie nicht aussieht.

Womit beschäftigen sich Verbandsnewsletter in dieser Woche?

Das Hauptthema des DZVHAE-Newsletter ist der Homoeopathiewatchblog. Das Haupthema des letzten VKHD-Newsletters war der Homoeopathiewatchblog. Das Hauptthema des letzten BDH-Newsletters war der Homoeopathiewatchblog.
Ich schäme mich fremd, was für diese Verbände relevant ist. Als Mitglied würde ich die Verbände fragen, ob sie damit von den eigentlichen Problemen und den Nicht-Lösungen der Verbände ablenken wollen.


Analyse des DZVHAE-Newletters Bayern vom 22.1., verantwortlich ist der Stv. Vorsitzende des Verbandes auf Bundesebene.

Was dieser Newsletter wirklich ist: Selbstrechtfertigung nach innen

Der Newsletter ist keine politische Kommunikation nach außen. Er ist kein Beitrag zur öffentlichen Debatte. Er ist kein politisches Positionspapier.

Er ist ein klassischer Binnen-Text zur Stabilisierung der Mitgliedschaft.

Schon der Einstieg ist bezeichnend. Dort heißt es sinngemäß, man höre immer wieder, der Verband sei nicht präsent oder „laut“ genug, und man wolle nicht „wie der Watchblog“ agieren.

Das ist kein Zufall.

Der Vorstand reagiert hier nicht auf Politik. Er reagiert auf Druck aus der eigenen Basis, der durch die öffentliche Arbeit des Watchblogs sichtbar geworden ist.

Der Text ist ein Rechtfertigungsdokument. Er beantwortet nicht die politische Lage. Er beantwortet die Frage, warum der Verband nicht so agiert, wie es viele Mitglieder inzwischen erwarten.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Der Subtext: Abgrenzung statt Auseinandersetzung

Die zentrale Passage lautet sinngemäß, man lasse sich nicht vom Watchblog beeinflussen, der in der Vergangenheit durch Polarisierungen und Spaltversuche aufgefallen sei.

Das ist eine klare Kampfansage auf der Deutungsebene.

Der Verband versucht hier drei Dinge gleichzeitig:

Er delegitimiert den Watchblog, indem er ihn als polarisierend und spaltend rahmt.

Er immunisiert sich gegen Kritik, indem Leserinnen und Leser des Watchblogs implizit als emotionalisiert dargestellt werden.

Und er zieht sich auf das klassische Verbandsnarrativ zurück: Wir sind die Seriösen, die im Hintergrund arbeiten.

Das ist klassische Machtkommunikation. Nicht auf Argumente eingehen, sondern den Absender problematisieren.

Die Maschinenraum-Erzählung: Beschäftigt, aber nicht wirksam

Der Newsletter listet seitenlang interne Aktivitäten auf. Schatzmeisterarbeit. Fusion von Landesverbänden. Wanderausstellung. UNESCO-Idee. Veranstaltungskalender. Pressearbeit als „One-Man-Show“. Interne Abstimmungen. Netzwerkpflege. Maschinenraum. Kohle schaufeln. Dampf im Kessel.

Das wirkt nach innen fleißig. Nach außen ist es politisch irrelevant.

Kein Wort zu Kanzleramt. Kein Wort zum CDU-Schwenk. Kein Wort zum Binnenkonsens. Kein Wort zur GKV-Debatte. Kein Wort zum Arzneimittelstatus. Kein Wort zu Böhmermann. Kein Wort zu Grünen, SPD-Parteitag, Koalitionsdynamik oder Landtagswahl.

Stattdessen Binnenrhetorik für Funktionäre.

Das ist keine politische Kommunikation. Das ist Verbandsverwaltung.

Die Schutzbehauptung: Wir entscheiden differenziert, wann wir laut sind

Der entscheidende Satz lautet sinngemäß, man entscheide sehr differenziert, wann Lautsein hilfreich sei und wann man lieber im Hintergrund Politkontakte aufbaue.

Das ist das klassische Verbandsmantra.

Übersetzt heißt das: Man reagiert nicht auf öffentliche Dynamiken. Man glaubt, Politik funktioniere noch wie vor zwanzig Jahren. Man glaubt, Medien seien ein Nebenschauplatz.

Genau das Gegenteil dessen, was moderne Politik heute ausmacht.

Und genau deshalb entsteht das politische Vakuum, das derzeit sichtbar wird.

Das Weil’s-hilft-Narrativ: Rückgriff auf alte Legitimation

Als einziges öffentliches Erfolgsbeispiel wird die Unterstützung einer Bürgerplattform genannt, deren Bundestagspetition vor Jahren erfolgreich war.

Das ist der Versuch, sich über vergangene Erfolge zu legitimieren.

Das Problem ist nur: Diese Petition liegt politisch in einer anderen Zeit. Die heutige Lage ist eine völlig andere. Die Fronten haben sich verschoben. Die Angriffe sind struktureller geworden. Die politischen Mehrheiten haben sich verändert.

Mit Argumenten von gestern lassen sich die Entscheidungen von morgen nicht verhindern.

Die eigentliche Botschaft an die Mitglieder

Wenn man den Text nüchtern liest, sagt er den Mitgliedern vor allem eines:

Wir arbeiten.
Wir sind fleißig.
Wir sind gut vernetzt.
Wir sind seriös.
Wir lassen uns nicht treiben.
Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.
Wir bleiben bei unserem Kurs.

Was er nicht erwähnt:
Die Aktivitäten der WissHom mit dem Brief an politische Persönlichkeiten.
In Bayern ist im März Kommunalwahl. Das wird, obwohl für einen bayr. Verband wichtig, nicht erwähnt

Was er nicht sagt:

Wir haben einen Plan gegen das Kanzleramt.
Wir haben eine Strategie zum Binnenkonsens.
Wir haben eine Medienkampagne.
Wir führen politische Gespräche auf Spitzenebene.
Wir sind Teil der aktuellen Debatte.

All das bleibt offen.

Einordnung im Machtgefüge 2026

Im Kontext der aktuellen politischen Lage wirkt dieser Newsletter wie ein Verteidigungsreflex.

Der Verband spürt, dass Themen von außen gesetzt werden. Dass Mitglieder Fragen stellen. Dass Vergleiche gezogen werden. Dass das eigene Kommunikationsmodell an Wirkung verliert.

Der Newsletter ist keine Offensive. Er ist ein Abwehrtext.

Fazit: Was dieser Newsletter über den Zustand des Verbandes sagt

Der Newsletter zeigt sehr deutlich, wo der Verband kommunikativ steht.

Der DZVHAE steckt im Jahr 2005. Die politische Realität ist 2026.

Der Verband glaubt noch an stille Hintergrundarbeit, kontrollierte Kommunikationskanäle, Deutungshoheit über Mitglieder und Loyalität durch Struktur.

Die politische Öffentlichkeit funktioniert heute anders. Sie funktioniert über Sichtbarkeit, Geschwindigkeit, Framing, Mobilisierung und Medienlogik.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme.

Warum diese Analyse wichtig ist

Als Mitglied eines Verbandes würde man sich fragen: Warum zahle ich 250 Euro Jahresbeitrag, wenn mein Verband sich in einer existenziellen politischen Krise an einem Blog abarbeitet, statt die wirklichen Probleme zu lösen? Warum wird Energie in Abgrenzung investiert, statt in politische Wirksamkeit? Warum wird das größte mediale und politische Feuer seit Jahrzehnten mit Maschinenraum-Rhetorik beantwortet?

Der Newsletter ist kein politisches Signal. Er ist keine Antwort auf die Lage. Er ist keine Strategie. Er ist keine Positionierung.

Er ist ein internes Beruhigungsdokument. Eine Abgrenzung gegenüber dem Watchblog. Eine Verteidigung des eigenen Systems. Und ein Ausdruck struktureller Überforderung.

Kurz gesagt: Der Verband erklärt, warum er so ist, wie er ist. Die politische Realität zeigt, warum das nicht mehr reicht.

Und genau darin liegt der Kern des Konflikts.


 

Wie geht der DZVHAE mit den Homoeopathiewatchblog um?

Dazu habe ich dem Verband eine Mail geschrieben. Der Transparenz halber veröffentliche ich sie hier:

 

 

Anfang der weitergeleiteten Nachricht:
Von: „christian.j.becker.redaktion@homoeopathiewatchblog.de“ <christian.j.becker.redaktion@homoeopathiewatchblog.de>
Betreff: Aufforderung zur Unterlassung persönlich diffamierender Zuschreibungen gegenüber meiner Person und dem Homoeopathiewatchblog
Datum: 21. Januar 2026 um 06:07:29 MEZ
An: geschaeftsstelle@dzvhae.de
Kopie: 1.vorsitz.bawue@dzvhae.de, 2.vorsitz.bawue@dzvhae.de, lv.by@dzvhae.de, 1.vorsitz.bb@dzvhae.de, 2.vorsitz.bb@dzvhae.de, lv.hrps@dzvhae.de, 1.vorsitz.ndsb@dzvhae.de, 2.vorsitz.ndsb@dzvhae.de, lv.nrw@dzvhae.de, 1.vorsitz.sachsen@dzvhae.de, 2.vorsitz.sachsen@dzvhae.de, lv.shh@dzvhae.de, 1.vorsitz.mv@dzvhae.de, 2.vorsitz.mv@dzvhae.de, 1.vorsitz.th@dzvhae.de, 2.vorsitz.th@dzvhae.de

 

Sehr geehrte Damen und Herren des Bundesvorstands des DZVHAE,

mir liegt inzwischen mehrfach die Information vor (u.a. E-Mails des Verbandes), dass der Homoeopathiewatchblog sowie meine Person aus dem Verbandsumfeld als sogenanntes „U-Boot der Skeptiker“ bezeichnet und in diesem Zusammenhang der Vorwurf erhoben wird, ich würde gezielt gegen die Homöopathie arbeiten. Ein ehemaliger langjähriger DZHVAE-Vorstand, mit dem ich mich regelmäßig austausche, schrieb mir schon in einer E-Mail am 5.2.2019: „So wie sich die Situation jetzt zugespitzt hat, gibt es im Umfeld des DZVhÄ-Vorstandes inzwischen sogar Leute, die Sie als U-Boot der Skeptiker verdächtigen.“

Diese Darstellung ist unzutreffend, ehrenrührig und geeignet, meine journalistische Tätigkeit sowie meinen Ruf nachhaltig zu schädigen.

Ich stelle klar:

Der Homoeopathiewatchblog ist ein journalistisches Medium im Sinne des Presserechts. Er berichtet, analysiert und kommentiert politische und gesundheitspolitische Entwicklungen rund um die Homöopathie. Die Unterstellung, es handele sich um ein Instrument oder Vehikel homöopathiekritischer Akteure, ist eine persönliche Diffamierung und entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Ich weise zudem darauf hin, dass ich den Umgang mit homöopathiekritischen Akteuren sowie deren anwaltlichen Vertretern transparent dokumentiert habe. Auch diese Auseinandersetzungen sind öffentlich nachvollziehbar. Wie ich mit den Skeptikern und ihren Anwälten umgehe und wie die Anwälte der Skeptiker mit mir umgehen, können Sie beispielsweise in diesem Artikel lesen: Link

Die wiederholte Verbreitung dieser Unterstellung erfüllt aus meiner Sicht und der Sicht meines Anwalts den Tatbestand der Rufschädigung und der gezielten Delegitimierung meiner journalistischen Arbeit.

Ich fordere Sie hiermit auf,

  1. sich dafür einzusetzen, dass die Verbreitung dieser Zuschreibung unverzüglich zu unterlassen ist,

  2. innerhalb Ihres Verbandes klarzustellen, dass diese Darstellung unzutreffend ist. Dies bezieht sich auf auf Ihren Presseverantwortlichen Christoph Trapp.

Sollte ich weitere Aktivitäten im Zusammenhang mit dem beschriebenen Sachverhalt feststellen, behalte ich mir ausdrücklich vor, rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen im Verband sowie gegen Herrn Trapp zu prüfen.

Ich bevorzuge eine sachliche und professionelle Klärung. Dies schließt ausdrücklich die Einleitung gerichtlicher Schritte ein, sollte eine außergerichtliche Klärung nicht möglich sein. Über entsprechende Verfahren werde ich im Rahmen meiner journalistischen Berichterstattung transparent informieren.

Meine Bereitschaft, persönlich diffamierende Angriffe von Vertretern Ihres Verbandes sowie von Herrn Trapp weiterhin hinzunehmen, ist hiermit beendet.

Aus Gründen der Transparenz setze ich die Landesverbände über diesen Vorgang in Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen

Christian J. Becker
Herausgeber Homoeopathiewatchblog
Redaktion Heilpraktiker-Newsblog
Journalist


 

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