Wie kommen Menschen eigentlich zur Homöopathie? Über Freunde und Familie, über die Apotheke, eine Heilpraktikerin oder einen homöopathischen Arzt – und über viele weiter Zugänge. Bei meinen Recherchen bin ich auf einen weiteren Weg gestoßen, der bisher wenig beachtet wird: die Volkshochschulen (VHS).
Ich wollte deshalb wissen, welche Rolle Homöopathie an der VHS tatsächlich spielt, und habe als Stichprobe die Programme von 100 Volkshochschulen untersucht. Das war aufwendiger als gedacht. Die zentrale VHS-Suche erwies sich als unvollständig. Mehrfach fanden sich Veranstaltungen erst bei der Durchsicht der örtlichen Internetseiten und Programme. Für die Stichprobe habe ich 100 Volkshochschulen aus unterschiedlichen Bundesländern sowie aus Großstädten, mittleren und kleineren Orten ausgewählt und deren Programme für 2026 einzeln geprüft.
Das Ergebnis: Bei nahezu jeder fünften Volkshochschule gab es 2026 mindestens eine Veranstaltung, in der Homöopathie Hauptthema oder ausdrücklich Bestandteil des Angebots war. Auffällig ist aber: Die Angebote finden sich keineswegs nur in Großstädten. Unter den Treffern sind viele Volkshochschulen in kleineren und mittleren Orten. Und es geht nicht nur um einzelne Vortragsabende. Manche Angebote laufen über mehrere Termine, einzelne Kurse sogar über fünf Veranstaltungstage.
Homöopathie an VHS kennenlernen
Das Interessante an diesen Kursen ist auch die Zahl der Menschen, die damit erreicht werden. Viele lernen Homöopathie kennen, weil sie mit Beschwerden einen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen und dort Erfahrungen mit der Behandlung machen. An der VHS kommt eine andere Gruppe hinzu: Menschen, die sich zunächst aus Interesse mit Homöopathie beschäftigen und mehr darüber wissen möchten.
Bei der Auswertung der Kursinhalte fällt vor allem die praktische Ausrichtung auf. Häufig geht es um Selbsthilfe und die Anwendung bei alltäglichen Beschwerden. Die Angebote reichen von Einführungen in die klassische Homöopathie über Kurse zur Haus- und Reiseapotheke bis zu Veranstaltungen über bestimmte Beschwerden und Anwendungsbereiche. Auch Homöopathie bei Kindern und Tieren findet sich in den Programmen.
Die Volkshochschulen vermitteln damit nicht nur Grundlagen. In vielen Kursen geht es ganz konkret darum, wie Homöopathie im Alltag genutzt werden kann. Ärzte und Heilpraktiker können dieses Wissen vertiefen, individuell beraten und behandeln. Die Angebote ergänzen sich und können aufeinander aufbauen.
Interessant war deshalb auch die Frage, wer diese Kurse gibt. Nicht jede VHS macht dazu genaue Angaben. Bei der Analyse zeigte sich aber, dass Heilpraktiker unter den Kursleitern stark vertreten sind. Sie bringen damit Wissen und Erfahrungen aus ihrer Praxis in die Erwachsenenbildung und erreichen dort auch Menschen, die sich zunächst nur über Homöopathie informieren möchten.
Homöopathie als Teil der Erwachsenenbildung
Homöopathie an Volkshochschulen sorgt immer wieder für Kritik. Skeptiker haben in der Vergangenheit einzelne VHS wegen solcher Angebote angegriffen und teilweise gefordert, Homöopathie ganz aus den Programmen zu streichen.
Umso interessanter ist, dass Volkshochschulen Homöopathie weiterhin in ihre Programme aufnehmen. Das passt zu ihrem Verständnis von Erwachsenenbildung. Der Deutsche Volkshochschul-Verband beschreibt es als eine Aufgabe der VHS, Menschen zum „kritischen Denken und eigenverantwortlichen Handeln“ zu befähigen und Raum für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen und auch kontroversen Themen zu schaffen.
Homöopathiekurse lassen sich genau in diesem Sinne verstehen. Die Volkshochschule gibt ihren Teilnehmern die Möglichkeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen, Grundlagen und Anwendungen kennenzulernen, Fragen zu stellen und das erworbene Wissen einzuordnen. Dass Homöopathie trotz der öffentlichen Kontroversen in den von mir untersuchten VHS-Programmen ihren Platz hat, ist deshalb auch ein Ausdruck dieses Bildungsverständnisses: Erwachsene werden als mündige Teilnehmer ernst genommen, die sich informieren und eigenverantwortlich handeln können.
Warum die Homöopathie die Volkshochschulen noch mehr beachten könnte
Nach den vielen schwierigen Nachrichten der vergangenen Monate eröffnet diese Recherche noch eine andere Perspektive. Das GKV-Aus ab 2027 wird die ärztliche Homöopathie und ihre Patienten treffen. Im Watchblog habe ich deshalb zuletzt häufig darüber geschrieben, wie sich die politischen Bedingungen verändern und welche Folgen das für die Homöopathie haben könnte.
Umso wichtiger wird die Frage, wo Menschen künftig überhaupt noch mit Homöopathie in Berührung kommen und wo Wissen darüber vermittelt wird. Die Volkshochschulen könnten dabei stärker in den Blick rücken. Die Recherche zeigt jedenfalls, dass es dort ein Umfeld für solche Angebote gibt, auch außerhalb der Großstädte.
Das ist zugleich eine Chance für homöopathische Ärzte und Heilpraktiker. Warum nicht häufiger selbst einen Kurs an der örtlichen VHS anbieten? Gerade Heilpraktiker tun das, wie die Auswertung zeigt, bereits heute. Sie können dort Grundlagen vermitteln, über Möglichkeiten und Grenzen der Selbsthilfe informieren und Menschen erreichen, die nicht wegen einer Erkrankung kommen, sondern weil sie sich für Homöopathie interessieren.
Für die Homöopathie könnte dieser Weg künftig wichtiger werden. Wenn andere Strukturen unter Druck geraten, gewinnt die Weitergabe von Wissen an Bedeutung. Volkshochschulen bieten dafür etwas, das Ärzte, Heilpraktiker und Verbände nicht erst neu schaffen müssen: Räume, Programme und vor allem einen direkten Zugang zu Menschen vor Ort.
Vielleicht sollte die Homöopathie diese Möglichkeit stärker nutzen.
Ihre Erfahrungen mit Homöopathie an der VHS sind gefragt
Mich würde interessieren, welche Erfahrungen Sie mit Homöopathie an Volkshochschulen gemacht haben. Geben Sie selbst als Arzt oder Heilpraktiker einen solchen Kurs? Oder haben Sie als Teilnehmer schon einmal einen Homöopathiekurs an einer VHS besucht? Wie haben Sie den Kurs erlebt, wie war die Resonanz und was haben Sie daraus mitgenommen? Schreiben Sie gerne unten einen Kommentar. Ihre Erfahrungen können für andere Leser interessant sein – besonders für diejenigen, die selbst überlegen, einen Homöopathiekurs anzubieten oder zu besuchen.

