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Homöopathen auf Musikfestivals: Ungewöhnliche Wege, um Menschen für Homöopathie zu interessieren / Auch Ihre Erfahrungen sind gefragt

Wie bringen Homöopathen Menschen ihre Therapie außerhalb der Praxis nahe? Dieses Thema recherchiere ich weltweit. Im Oktober habe ich im Homoeopathiewatchblog gezeigt, welche Rolle dabei manche Volkshochschulen in Deutschland spielen können. Dort vermitteln Homöopathen Wissen und beantworten Fragen. In Brasilien habe ich untersucht, wie homöopathische Ärzte ihre Therapie durch Forschung und Kontakte zu medizinischen Institutionen bekannter machen.

In Großbritannien bin ich nun auf einen besonders ungewöhnlichen Weg gestoßen: Dort bieten einige Homöopathen ihre Sprechstunde auf Musikfestivals an.

Beim schottischen Open-air-Festival „Back Doune the Rabbit Hole“ war im Juli die Homöopathin Luci Joan Lawless dabei. Das Musikwochenende bot vom 17. bis 19. Juli Konzerte von Rock bis Pop, Camping und ein Familienprogramm. Für Homeopathy UK betreute Lawless dort eine Anlaufstelle mitten zwischen den Marktständen. Die gemeinnützige britische Organisation setzt sich für den Zugang zur Homöopathie ein und betreibt Sprechstunden mit kostenlosen oder vergünstigten Behandlungen. Wer vorbeikam, konnte Fragen stellen oder sich bei Beschwerden behandeln lassen. (Link zu Bericht mit Fotos von der Sprechstunde der Homöopathin)

Zwischen zwei Konzerten zur Homöopathin

Homeopathy UK berichtet von drei gut besuchten Tagen, nachdem Lawless zunächst mit einem ruhigen Beginn gerechnet hatte. Am Samstag entdeckten Besucher den Stand und die Organisation erstmals. Am Sonntag kamen manche zurück, um genauer nachzufragen oder eine Behandlung in Anspruch zu nehmen.

Die Homöopathin nennt unter anderem Insektenstiche, Sonnenbrand und Rückenschmerzen als Behandlungsanlässe. Die Rückmeldungen zeigen auch, wie sich Besucher über die Begegnungen freuten. „Ich freue mich sehr, Homöopathie hier öffentlich zu sehen. Sie ist viel zu wenig präsent“, heißt es in einer der Stimmen. Jemand anderes bedankte sich ausdrücklich für die persönliche Zuwendung: „Danke, dass Sie sich Zeit genommen und mit mir gesprochen haben. Ich weiß nicht, was Sie gemacht haben, aber ich fühle mich jetzt schon besser!“ Manche fanden am Stand Antworten auf Fragen, die sie bereits beschäftigten: „Ich orientiere mich schon länger in eine natürlichere Richtung. Genau diese Informationen habe ich gebraucht.“ Andere entdeckten etwas völlig Unerwartetes: „Was, auch für Haustiere und Pflanzen? Erstaunlich!“

Lawless leitet sonst eine gemeinnützige Homöopathiesprechstunde in Galashiels, einer Stadt im Süden Schottlands. Dort können Patienten zu vergünstigten Preisen Termine vereinbaren. Auf dem Festival verlegt sie ihre Arbeit für ein Wochenende dorthin, wo Menschen Musik hören, Freunde treffen und zwischen den Konzerten über das Gelände schlendern.

Wer dort stehen bleibt, muss noch gar nicht entschieden haben, ob eine homöopathische Behandlung für ihn infrage kommt. Vielleicht möchte er erst einmal wissen, was die Homöopathin eigentlich macht. Solche Fragen aufzugreifen und sich auf ein Publikum einzulassen, das vor allem wegen der Musik gekommen ist, braucht Mut. Lawless macht sich mit ihrem Stand ansprechbar. Dass Besucher später zurückkommen, um mehr zu erfahren, ist nach dem Bericht von Homeopathy UK eine der erfreulichen Erfahrungen dieses Wochenendes.

Seit Jahrzehnten mit der Sprechstunde auf Festivals unterwegs

Mit solchen Einsätzen haben britische Homöopathen schon lange Erfahrung. Das Travelling Homoeopaths Collective organisiert nach eigenen Angaben seit 1990 mobile Homöopathiesprechstunden bei Festivals und anderen Veranstaltungen. Die unabhängige Initiative, deren Name sich etwa mit „Gemeinschaft reisender Homöopathen“ übersetzen lässt, arbeitet ebenfalls mit ehrenamtlichen Behandlern. Behandlungen werden gegen Spenden oder kostenlos angeboten.

Für Glastonbury kündigte das Collective ebenfalls eine Sprechstunde an. Glastonbury ist eines der bekanntesten britischen Musikfestivals und findet im südwestenglischen Somerset statt. Eine Anmeldung war nicht nötig. Besucher konnten einfach vorbeikommen, die Gespräche sollten ungefähr 20 Minuten dauern. Von Donnerstag bis Sonntag war das Angebot täglich von acht Uhr morgens bis Mitternacht vorgesehen.

Wie viel Einsatz dahintersteckt, zeigt ein älterer Erfahrungsbericht vom Larmer Tree Festival. Der Homöopath Luke Norland schilderte 2019 seine Ankunft im strömenden Regen und den anschließenden Dienst im Behandlungszelt. Zwei Teams mit jeweils vier Personen wechselten sich ab, um von neun bis 22 Uhr ansprechbar zu sein. Neben Behandlungen gab es Gespräche mit Menschen, die mehr über Homöopathie erfahren wollten.

Ein Gespräch kann der Anfang für die Homöopathie sein

Die Berichte zeigen, wie Homöopathen außerhalb ihrer Praxen Kontakte knüpfen. Bei Lawless freuen sich Besucher darüber, Homöopathie auf dem Festival anzutreffen; beim Collective gehören solche Begegnungen seit Jahrzehnten zur Arbeit. Dafür nehmen die Beteiligten lange Tage und auch einmal einen verregneten Aufbau in Kauf.

Wie an der Volkshochschule können Menschen hier zunächst ihre Fragen loswerden und einen Homöopathen persönlich kennenlernen. Auf dem Festival ergibt sich diese Gelegenheit beim Vorbeischlendern. Die britischen Homöopathen zeigen, dass sich der Versuch lohnen kann, mit der eigenen Arbeit auch einmal an einen Ort zu gehen, an dem die Besucher sie kaum erwarten.

Ihre Erfahrungen sind gefragt: Wo begegnet Ihnen Homöopathie außerhalb der Praxis?

Haben Sie als Therapeut Homöopathie schon einmal an einem ungewöhnlichen Ort vorgestellt? Oder haben Sie als Patient oder Interessierter die Therapie außerhalb einer Praxis kennengelernt? Erzählen Sie gern in den Kommentaren, wie es dazu kam und was Ihnen von dieser Begegnung in Erinnerung geblieben ist.

Foto: Pixabay/westphotoandvideo Symbolbild


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Ein Kommentar

  1. Danke für den Bericht aus UK. Leider ist so eine Aktion in Deutschland nicht möglich zumindest nicht für mich als Heilpraktikerin. Das „Ausüben der Heilkunde im umherziehen“ ist bei uns verboten.

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