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Wohlfühlwelt oder Wirkung? Zwei Strategien im Vergleich, die sich ergänzen – Verbände und Watchblog in der Homöopathie-Debatte

homöopathie

Ein Gesundheitsjournalist und ein Heilpraktiker arbeiten oft ähnlicher, als man zunächst denkt, beide arbeiten mit Strategien. Ein Heilpraktiker beginnt mit der Anamnese – wie ein Journalist die Lage in Medien, Politik und Öffentlichkeit analysiert. Darauf folgt die Diagnose – wie ein Journalist aus Beobachtungen Schlussfolgerungen zieht. Und schließlich die Therapie – wie ein Journalist entscheidet, welche Schritte nötig sind, um auf eine politische oder mediale Entwicklung zu reagieren, etwa auf eine Attacke wie die von Jan Böhmermann.

In diesem medizinischen Dreiklang aus Anamnese, Diagnose und Therapie sind Heilpraktiker bestens ausgebildet und erfahren. Doch die Welt von Politik und Medien folgt eigenen Regeln. Hier setzt journalistische Analyse an. Im Watchblog und Newsblog versuche ich, für Heilpraktiker, Ärzte und Patienten verständlich zu machen, wie dieser Dreiklang in der politischen Öffentlichkeit funktioniert. Denn politische Strategien, Narrative und Kommunikationswege haben direkte Auswirkungen auf Heilpraktiker, Ärzte und Patienten – auch dann, wenn sie zunächst unsichtbar bleiben.

Wer die Debatten der letzten Monate verfolgt, merkt: In der Homöopathie- und Heilpraktikerlandschaft verschiebt sich etwas. Nicht in den Therapien. Nicht in den Praxen. Sondern in der Art, wie über Politik gesprochen wird.

Zwei Strategien – zwei Logiken

Lange Zeit lief politische und mediale Kommunikation vor allem über Verbände. Sie ordnen Entwicklungen aus ihrer Sicht ein, führen – nach eigener Darstellung – Gespräche im Hintergrund und informieren ihre Mitglieder. Dieses Modell ist auf Stabilität, Mitgliederbetreuung und interne Abstimmung ausgelegt. Es vermittelt Sicherheit: Der Verband kümmert sich, die Praxis kann sich auf den Alltag konzentrieren.

Parallel dazu ist mit Homoeopathiewatchblog und Heilpraktiker-Newsblog seit 2018 ein zweiter Kommunikationsweg entstanden. Einer, der stärker auf Öffentlichkeit setzt und politische und mediale Fragen direkt adressiert. Als Gesundheitsjournalist, PR-Berater und Public Affairs-Berater mit Ausbildung und 30 Jahren Erfahrung in politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – etwa als Pressesprecher der Versandapotheke DocMorris oder in der Branchen-PR für die Hörakustik oder Leiter PR für einen Flughafen – nutze ich auch bewusst moderne Instrumente, die außerhalb klassischer Verbandsarbeit liegen. Beispielsweise der Watchblog: Mit ihm umgehe ich die homöopathiekritischen Medien und schaffe eine neue Öffentlichkeit (mit 1 Million Seitenaufrufen in 2025, das hat die Größenordnung einer regionalen Tageszeitung).

Der Watchblog verfolgt eine Strategie der sichtbaren politischen Kommunikation, z.B. mit der Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie. Fragen an Politiker werden öffentlich gestellt (wie an Kanzleramtsminister), Entwicklungen in Parteien wie Grünen-Parteitag und Medien wie Böhmermann früh benannt und konkrete Ansprechpartner wie aktuell Özdemir adressiert. Damit werden Politik und Medien nicht nur still im Hintergrund kommentiert, sondern sichtbar gemacht und beeinflusst – getragen vom Watchblog als Motor und von seinen Lesern als engagierte Mitmacher, die Aktionen nicht nur lesen, sondern aktiv mittragen.

Diese unterschiedliche Logik zeigt sich an konkreten Beispielen der letzten Monate.

Drei Beispiele mit Wirkung: Direkte politische Ansprache statt Hintergrundkommunikation

Beim Grünen-Parteitag im November 2025 wurde erstmals öffentlich ein Mitmach-Brief zum Download gestartet, der politische Positionierungen einforderte. Der Watchblog initiierte diese Aktion gemeinsam mit dem Verband FDH, stellte den Brief bereit und machte ihn öffentlich zugänglich. Leser verbreiteten ihn aktiv weiter. Dadurch wurde sichtbar, dass es nicht nur Einzelmeinungen gibt, sondern eine breitere Betroffenheit innerhalb der Therapieszene.

Ähnlich verhielt es sich nach der Böhmermann-Sendung. Statt die Sendung still zu kommentieren oder zu ignorieren (wie alle Verbände), wurde ein formelles Programmbeschwerdeverfahren angestoßen und öffentlich begleitet. Der Watchblog machte dieses Instrument bekannt, stellte Materialien bereit und motivierte Leser zur Beteiligung. Dass der Fernsehrat am 13. März darüber verhandelt, zeigt, dass solche Schritte politische Wirkung entfalten können.

Auch der offene Brief an den grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir zur Wahl am 8. März folgt dieser Logik. Der Watchblog brachte den Brief in die Öffentlichkeit, sammelte Unterschriften (345, Stand 19.2., hier können Sie noch unterschreiben) und dokumentierte die Aktion sichtbar. Dass Özdemir bereits vor Abschluss der Aktion reagierte (er hat sich auf Druck des Watchblog erstmals zur Homöopathie öffentlich positioniert), zeigt: Wenn Öffentlichkeit entsteht und Leser sichtbar werden, verändert sich politische Kommunikation.

Unterschied in Strategie, Maßnahmen und Wirkung

Der Unterschied zwischen beiden Modellen liegt im unterschiedlichen Ziel, dem unterschiedlichen Weg und der unterschiedlichen Wirkung.

Verbände arbeiten vor allem über institutionelle Prozesse von oben nach unten (Vorstand sagt, Mitglieder lesen). Ihre Stärke liegt in Gremien, interner Abstimmung und Mitgliederorganisation. Sie schaffen gefühlte Stabilität und Kontinuität. Verbände sind auch eine Art Wohlfühlwelt mit Fortbildungen in einer sich ständig wandelnden Umwelt.

Der Watchblog arbeitet über Mitmach-Öffentlichkeit, er arbeitet von unten nach oben. Die Leser schlagen vor und machen mit, der Watchblog setzt dann mit Lesern um. Seine Stärke liegt darin, politische Entwicklungen sichtbar zu machen, konkrete Ansprechpartner zu benennen und Leser aktiv einzubeziehen – sodass politische Kommunikation nicht nur beobachtet, sondern gemeinsam getragen wird. Im Watchblog gibt es keine gefärbte Wohlfühlwelt, im Watchblog gibt es die Realitität, die der Watchblog zusammen mit seine Leser gestalten möchte, damit es der Homöopathie- und Heilpraktiker-Gemeinschaft besser geht.

Für viele Heilpraktiker ist dieser Unterschied neu. Politische und mediale Kommunikation wurde lange als etwas verstanden, das in Gremien der Verbände stattfindet. Erst in den letzten Monaten wird deutlicher, dass Öffentlichkeit selbst zu einem politischen Instrument geworden ist, das jeder mit wenig Aufwand mit bewegen und verändern kann (wenn er es möchte).

Was das für Heilpraktiker, Ärzte und Patienten bedeutet

Für die Praxis bedeutet das nicht, sich zwischen Modellen entscheiden zu müssen.Es bedeutet nur, dass politische Kommunikation heute auf mehreren Ebenen stattfindet.

Wohlfühlwelt der Verbände und Wirkung des Watchblog mit seinen Lesern können nebeneinander existieren, ohne sich zu stören. 

Ein Teil geschieht weiterhin in Verbänden und Organisationen. Ein anderer Teil entsteht öffentlich – dort, wo Leser, Patienten und Therapeuten selbst sichtbar werden. Plattformen wie der Watchblog und Newsblog und einzelne Verbände (wie der FDH) zeigen, dass Öffentlichkeit heute Teil politischer Kommunikation sein kann, wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen.

Diese Entwicklung verändert nicht sofort Gesetze. Aber sie verändert, wie politische Themen wahrgenommen werden.

Und Wahrnehmung ist oft der erste Schritt zu politischen Entscheidungen.

Vielleicht zeigt sich gerade jetzt: Politische Kommunikation beginnt nicht erst dort, wo Gremien entscheiden – sondern dort, wo Menschen sichtbar werden und Verantwortung übernehmen.

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