homöopathie

FOCUS schreibt heute: Warum Thorsten Frei im Kanzleramt zum Risiko wird / Was der Fall Homöopathie über Kontrollverlust verrät / de Maizière wäre das nicht passiert

Es geht um Homöopathie. Und es geht um Macht. Beides zusammen ergibt derzeit einen der interessantesten Vorgänge im politischen Berlin. Der Focus greift mit einem Artikel am 20. Januar ein. Er vergleicht Frei mit Thomas de Maizière, dem Kanzleamtsminister für Merkel. Diesem wäre ein Fehler wie bei Abgeordnetenwatch nicht passiert, so meine Einschätzung. Hier die Einordnung dieses Politkrimis für die Leser des Homoeopathiewatchblog:

Am 30. Dezember 2025 erklärte Kanzleramtschef Thorsten Frei auf der Plattform Abgeordnetenwatch, es sei „nicht Aufgabe des Staates, den gesetzlichen Krankenkassen Vorgaben zu ihren Zusatzleistungen zu machen“. Die Krankenkassen müssten selbst entscheiden, wofür sie Geld ausgeben. Politische Steuerung lehnte er ausdrücklich ab.

Was auf den ersten Blick nach einer technischen Zuständigkeitsfrage klang, entpuppte sich als ordnungspolitische Grundsatzentscheidung: Der Staat zieht sich aus der inhaltlichen Verantwortung für einen Teil der Gesundheitsversorgung zurück. Entscheidungen über Zusatzleistungen wie Homöopathie, erweiterte Vorsorgeprogramme oder Präventionsangebote sollen künftig allein bei der Selbstverwaltung der Krankenkassen liegen.

Nur: Diese neue Linie war weder parlamentarisch beraten noch politisch abgestimmt. Sie erschien beiläufig, zwischen den Jahren, auf einer Dialogplattform.

Und genau dieser Vorgang ist es, der dem aktuellen FOCUS-Artikel vom 20.1. über Thorsten Frei eine neue politische Dimension gibt.

Ein Kanzleramt zwischen Homöopathie und Kontrollverlust

Focus Online zeichnet in dieser Woche ein Bild von Thorsten Frei, das in Berlin aufhorchen lässt. Frei sei, so ein früheres Regierungsmitglied, „lieber in der Öffentlichkeit als sich dem notwendigen Aktenstudium zu widmen“. Im Kanzleramt höre man immer wieder, „dass dem Kanzleramt wieder mal was durchgerutscht sei. Durchgerutscht! Und das bei einer Bundesregierung!“

Der Insider zieht den Vergleich zu Angela Merkels Kanzleramtsminister Thomas de Maizière. Der habe „jahrelang kein Interview gegeben“, habe sich „komplett im Maschinenraum aufgehalten“ und, wenn es brannte, „Leute angerufen und die Dinge geklärt“. So habe man verhindert, dass politisch nicht abgestimmte Linien nach außen dringen.

Der Fall Homöopathie passt erschreckend gut zu dieser Beschreibung.

Denn hier ist nicht irgendeine Formulierung durchgerutscht, sondern eine ordnungspolitische Weichenstellung mit Systemwirkung. Erst der Homoeopathiewatchblog machte das Theme durch seine journalistische Wachsamkeit sichtbar und erläuterte die Tragweite des Satzes. Erst eine Presseanfrage an den GKV-Spitzenverband des Watchblog führte zu einer institutionellen Bestätigung dieser neuen Kanzleramtslinie. Und erst danach begann die politische Debatte.

Aus Sicht des Kanzleramts ist das ein klassischer Fall von Kontrollverlust.

Ein Satz, der ein System verschiebt

Die neue Linie bedeutet: Zusatzleistungen gelten künftig nicht mehr als politisch mitgestalteter Teil der Versorgung, sondern als reine Wettbewerbsangebote der Krankenkassen. Der Staat setzt nur noch den formalen Rahmen. Die Verantwortung für Kürzungen, Streichungen und Prioritäten liegt bei der Selbstverwaltung.

Homöopathie ist dabei das sichtbarste Testfeld. Sie ist politisch umstritten, rechtlich Satzungsleistung und finanziell klein, aber gesellschaftlich relevant. Genau deshalb eignet sie sich als erstes Feld für einen solchen Rückzug des Staates.

Dass diese Linie ausgerechnet auf Abgeordnetenwatch veröffentlicht wurde, ohne Kabinettsbeschluss, ohne Parlamentsdebatte, ohne politische Einordnung, ist aus Sicht klassischer Kanzleramtslogik ein Tabubruch.

Was Thomas de Maizière verhindert hätte

Der Focus-Vergleich macht deutlich, worum es hier eigentlich geht: um Regierungsführung.

De Maizière war der Prototyp des Kanzleramtsministers alter Schule. Keine Nebenbühnen. Keine politischen Soli. Keine Grundsatzlinien ohne politische Einbettung. Ein ordnungspolitischer Systemwechsel per Dialogplattform wäre in diesem Kanzleramt undenkbar gewesen.

Nicht, weil Homöopathie politisch geschützt worden wäre, sondern weil das Kanzleramt genau dafür da ist, solche Prozesse zu kontrollieren.

Wenn im Kanzleramt heute Dinge „durchrutschen“, dann ist das kein kommunikativer Lapsus, sondern ein Führungsproblem.

Ein Kanzleramt unter Beobachtung

Focus spekuliert inzwischen offen über einen möglichen Wechsel Freis auf den Posten des Fraktionschefs. Ein Schritt, der „gut möglich“ sei. Auch das ist kein Zufall. Wer im Kanzleramt als zu politisch, zu wenig prozesssicher und zu wenig kontrollorientiert wahrgenommen wird, verliert Rückhalt in genau jenem Apparat, der von Kontrolle lebt.

Der Vorgang um die neue gesundheitspolitische Linie ist damit mehr als eine Debatte über Zusatzleistungen. Er ist ein Lehrstück darüber, wie Macht im Kanzleramt funktioniert – oder eben nicht mehr funktioniert.

Fazit

Der Focus-Vergleich mit Thomas de Maizière ist kein beiläufiger Seitenhieb. Er ist eine fundamentale Kritik an der Arbeitsweise des Kanzleramts unter Thorsten Frei.

Der Fall Homöopathie zeigt, was damit gemeint ist. Ein Satz mit Systemwirkung. Eine Linie ohne parlamentarische Einbindung. Eine Bestätigung durch den GKV-Spitzenverband. Und erst ein Watchblog macht den Vorgang öffentlich sichtbar.

Wenn im Kanzleramt tatsächlich Dinge „durchrutschen“, dann ist das kein Randthema. Dann ist es ein Machtproblem.

Und genau darüber wird in Berlin jetzt gesprochen. Der Politkrimi geht weiter. Aber die Homöopathie weiß sich zu wehren, damit sie nicht zwischen die Stühle der Politiker gerät.


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