Seit Weihnachten läuft in der Gesundheitspolitik ein Experiment, das bislang kaum jemand offen benennt. Nur der Homoeopathiewatchblog. Die CDU testet durch den Kanzleramtschef Thorsten Frei an der Homöopathie, wie weit sich Leistungskürzungen bei Krankenkassen politisch durchsetzen lassen.
Neu ist: Die CSU hält dagegen. Auf der einen Seite Kanzleramtschef Thorsten Frei (Jurist), der den Staat aus der Verantwortung ziehen will. Auf der anderen Seite der CSU-Gesundheitspolitiker und Arzt Dr. Stephan Pilsinger, der Therapiefreiheit, Versorgungsvielfalt und politische Verantwortung verteidigt. Was hier aufeinanderprallt, ist kein Fachstreit über Globuli, sondern ein ordnungspolitisches Duell zwischen CSU und CDU über den Charakter des Sozialstaats im Gesundheitswesen.
Homöopathie als Testlabor der CDU
Der Watchblog hat diese Linie sichtbar gemacht, die Etappen verbunden und den politischen Kern offengelegt: erst Wirtschaftsweise Schnitzer mit der symbolischen Nennung der Homöopathie, dann Frei mit der Ankündigung von Leistungskürzungen, schließlich seine Abgeordnetenwatch-Antwort vom 30. Dezember 2025, in der er erklärt, es sei nicht Aufgabe des Staates, den Krankenkassen Vorgaben zu ihren Zusatzleistungen zu machen. Die Kassen sollen selbst entscheiden, wofür sie Geld ausgeben. Politische Leitplanken lehnt er ab. Das ist keine technische Beschreibung von Selbstverwaltung, sondern eine ordnungspolitische Positionsbestimmung.
Ökonomisch wäre es nicht nötig gewesen, Homöopathie überhaupt zu nennen. Wer ernsthaft sparen will, spricht über Arzneimittelpreise, Klinikstrukturen oder Vergütungssysteme. Homöopathie liegt im Promillebereich des GKV-Budgets. Dass sie trotzdem öffentlich zum Thema gemacht wird, ist kein Zufall. Sie ist symbolisch aufgeladen, finanziell marginal und politisch gut geeignet, Widerstand zu testen.
Genau deshalb eignet sie sich als Testlabor für Leistungskürzungen. Man prüft, ob Protest entsteht, ob er politisch trägt – und ob er durchschlägt.
Der Watchblog hat diese Versuchsanordnung benannt und gezeigt, wie ökonomischer Druck aufgebaut, Sparnotwendigkeit normalisiert und politische Verantwortung verschoben wird, bis am Ende nicht mehr die Politik entscheidet, sondern „das System“.
CDU – Frei: Rückzug des Staates, Vorfahrt für die Kassenbilanz
Thorsten Freis Kernaussage als Kanzleramstminister ist eindeutig. Der Staat soll sich inhaltlich nicht mehr einmischen. Zusatzleistungen sind Sache der Kassen. Maßstab ist die Kassenlage. Politische Leitplanken treten in den Hintergrund. Damit verlagert sich Verantwortung aus dem Parlament in die Verwaltungsräte.
Versorgung wird nicht mehr politisch gestaltet, sondern betriebswirtschaftlich organisiert. Was heute noch erstattet wird, kann morgen gestrichen sein – nicht, weil der Gesetzgeber es will, sondern weil die Bilanz es nahelegt.
Das ist der ordnungspolitische Bruch. Und er fällt in eine Phase massiver Sparzwänge, steigender Beitragssätze und offener Debatten über Leistungskürzungen. Freis Linie liefert den Rahmen: Erst sparen, dann reden wir über Inhalte.
CSU – Pilsinger: Gegenrede aus der Praxis
Nur wenige Tage später veröffentlicht der DZVhÄ ein Interview mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten und Arzt Dr. Stephan Pilsinger. Und dieses Interview (Link https://www.dzvhae.de/dzvhae-interview-mit-mdb-dr-pilsinger-ueber-homoeopathie-und-wichtige-reformen/) liest sich wie die direkte Gegenrede zum Kanzleramt. Pilsinger argumentiert nicht mit der Kassenbilanz, sondern mit der Versorgungsrealität. Er spricht von Patientennachfrage, von ärztlicher Therapiefreiheit, von Verantwortung für den Alltag in den Praxen. Reformen ja, aber nicht auf dem Rücken der Patienten. Versorgung darf nicht vom Taschenrechner aus gedacht werden.
Das ist klassische CSU-Gesundheitspolitik. Der Staat setzt Leitplanken. Er verbindet Therapiefreiheit, Versorgungsvielfalt und soziale Absicherung. Zusatzleistungen sind kein beliebiger Kostenfaktor, sondern Teil eines politischen Versorgungsverständnisses.
Duell in der Union zwischen CSU gegen CDU wegen Homöopathie als Testlabor für Leistungskürzungen der Kassen
Damit ist die Frontlinie klar. Die CSU denkt Versorgung politisch. Das CDU-Kanzleramt denkt Versorgung betriebswirtschaftlich. Und Homöopathie ist der Prüfstein, an dem dieser Konflikt sichtbar wird.
Wenn ein Kanzleramtschef eine solche Linie formuliert, spricht er nicht als Privatperson. Er setzt politische Leitplanken. Wenn ein Koalitionspartner diese Leitplanken öffentlich infrage stellt, entsteht Erklärungsbedarf. Genau dieser Erklärungsbedarf ist jetzt da.
Denn auf die Nachfrage an Frei, ob seine Linie ausdrücklich auch für Leistungen wie Homöopathie gilt und ob es politisch gewollt ist, dass Krankenkassen solche Angebote künftig aus Kostengründen streichen, gibt es bislang keine Antwort. Schweigen ist in Berlin selten Zufall. Es ist Teil politischer Taktik.
Gleichzeitig positioniert sich die CSU über Pilsinger. Und genau darin liegt die Dynamik. Die Union tritt gern geschlossen auf. Doch hier prallen zwei Schulen aufeinander. Die eine will Verantwortung delegieren. Die andere will Verantwortung tragen.
Der Watchblog hat die CDU-Linie entlarvt
Dass dieser Konflikt bislang kaum öffentlich geführt wird, liegt auch an der Art seiner Entstehung. Freis Positionsbestimmung fiel nicht in einer Regierungserklärung, nicht in einem Interview, nicht in einem Gesetzespapier, sondern auf einer Bürgerplattform. Der Watchblog hat diese beiläufig formulierte Weichenstellung herausgezogen, politisch eingeordnet und in den Zusammenhang der Sparagenda gestellt. Er hat die Etappen verbunden. Und er hat die Versuchsanordnung benannt: Homöopathie als Testlabor.
Damit wird aus einer kulturellen Symboldebatte eine politische Richtungsentscheidung. Nicht die Kassen entscheiden, wie Versorgung aussehen soll. Das ist Aufgabe der Politik. Genau darum geht es.
Gut gegen Böse? Verantwortung der CSU gegen Rückzug der CDU
Man kann diesen Konflikt schlicht so beschreiben: Hier die Linie Frei, die den Staat aus der Verantwortung zieht und Versorgung zur Verfügungsmasse der Kassenbilanz macht. Dort die Linie Pilsinger, die Therapiefreiheit, Versorgungsvielfalt und politische Verantwortung verteidigt. Hier der ordnungspolitische Rückzug. Dort das sozialstaatliche Versprechen.
Homöopathie ist dabei nicht das Thema. Sie ist das Testfeld. Wer hier schweigt, akzeptiert, dass morgen größere Posten folgen.
Dieser Streit gehört in die Öffentlichkeit. Er gehört in den Bundestag. Und er gehört in die politische Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU. Denn hier wird entschieden, wie der Sozialstaat im Gesundheitswesen künftig aussehen soll.
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