Kurzfassung für Schnellleser
– Der ZDF-Fernsehrat hat einen Heilpraktiker als Leitbeschwerdeführer im Verfahren gegen die Böhmermann-Sendung bestimmt.
– Der weitere Verlauf hängt maßgeblich von einem ausführlichen Beschwerdebrief ab, der derzeit erarbeitet wird.
– Unten dokumentieren wir den aktuellen Stand dieses Beschwerdebriefs (derzeit rund 20 Seiten).
– Sachliche Hinweise können in den Kommentaren ergänzt werden.
– Es handelt sich um Transparenz, nicht um Mobilisierung.
Worum geht es?
Im laufenden Programmbeschwerdeverfahren zur Böhmermann-Sendung hat der ZDF-Fernsehrat einen Heilpraktiker aus Hessen per Los als Leitbeschwerdeführer bestimmt. Für alle anderen, die ebenfalls Programmbeschwerden eingereicht haben, gilt: Sie müssen aktuell nichts tun. Das Verfahren läuft.
Der Leitbeschwerdeführer ist kein Medienprofi, kein Jurist und kein Verbandsvertreter, sondern steht im Praxisalltag. Er wird bei der Texterstellung von mir als Journalist und Co-Beschwerdeführer (sowie durch meine Anwalt für die formal saubere Beschwerdeführung unterstützt).
Aktuell erstellt der ZDF-Intendant im Auftrag des Fernsehrats seine Stellungnahme zur Sendung. Danach entscheidet allein der Leitbeschwerdeführer, ob diese Erwiderung ausreicht oder ob eine ausführliche Gegendarstellung eingereicht wird. Dieser Beschwerdebrief ist die zentrale Arbeitsgrundlage für die spätere Entscheidung des Fernsehrats, ob die Sendung weiter verfügbar bleibt oder nicht.
Warum dieser Beschwerdebrief entscheidend ist
Mit der Einleitung des Verfahrens beginnt die eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung. Sie findet schriftlich, strukturiert und prüfbar statt. Der Beschwerdebrief muss problematische Aussagen der Sendung benennen, ihre Wirkung auf den Berufsstand der Heilpraktiker einordnen und sie am öffentlich-rechtlichen Programmauftrag messen. Genau deshalb ist der Text umfangreich.
Hinweis zum Verfahren:
Wie der ZDF-Fernsehrat selbst auf seiner Website darlegt (Link), ist die förmliche Programmbeschwerde nach § 21 der ZDF-Satzung der einzige medienrechtlich vorgesehene Weg, um Sendungen prüfen zu lassen und eine Befassung des Fernsehrats zu erzwingen.
Schreiben an Redaktion oder Intendanz – gleich ob von Einzelpersonen oder Verbänden – entfalten demgegenüber keine formale Wirkung im Programmbeschwerdeverfahren. Sie können Meinungen artikulieren, führen aber nicht zu einer medienrechtlichen Prüfung durch den Fernsehrat.
Was Leser, Heilpraktiker und Patienten tun können
Der Beschwerdebrief richtet sich an den ZDF-Fernsehrat. Interessierte können den Text lesen und prüfen, ob sie sich in der Darstellung wiederfinden oder ob aus ihrer Sicht wichtige Aspekte fehlen. Sachliche Hinweise können freiwillig in den Kommentaren ergänzt werden. Der Beschwerdebrief selbst steht unabhängig davon für sich.
Der Aufwand hinter dem Beschwerdebrief: bisher 70 Stunden
Was häufig unterschätzt wird: Ein solcher Beschwerdebrief entsteht nicht „nebenbei“.
Allein die systematische Auswertung des Sendungstranskripts, die Auswahl und Einordnung relevanter Passagen, die Trennung von Satire, Wertung und Tatsachenbehauptung sowie die saubere sprachliche Formulierung für ein Gremium wie den Fernsehrat bedeuten einen erheblichen Arbeitsaufwand.
Aktuell bis heute beträgt der zeitliche Aufwand für mich und meinen Anwalt etwa 70 Arbeitsstunden – verteilt auf journalistische Analyse, rechtliche Einordnung und redaktionelle Abstimmung. Bei marktüblichen Stundensätzen eines Journalisten und eines unterstützenden Anwalts entspricht das, konservativ gerechnet, einem Gegenwert von rund 10.000 Euro.
Der Transparenz halber sei erwähnt: Für diese Arbeit erhalte ich keine Unterstützung durch Heilpraktikerverbände, die sich zur Böhmermann-Sendung bislang öffentlich nicht positioniert haben. Der Beschwerdebrief entsteht durch die Arbeit eines einzelnen Gesundheitsjournalisten (der selbst eine Programmbeschwerde eingereicht hat) sowie anwaltlicher Beratung, die beide den Heilpraktiker als Leitbeschwerdeführer unterstützen, der kein Medienprofi ist.
Diese Einordnung ist keine Anklage, sondern eine nüchterne Feststellung.
Die Vertretung der Interessen der 47.000 Heilpraktiker und ihrer Patienten mit Blick auf eine Erwiderung auf Böhmermann wird damit – wieder einmal – von einzelnen Personen geleistet, die sich für die Heilpraktiker engagieren.
Der vollständige Beschwerdebrief (Link)
Unterhalb dieses Artikels finden Sie den vollständigen Beschwerdebrief mit einem Umfang von rund 20 Seiten derzeit. Er wird noch ergänzt mit einem Anhang von ca. 15 Seiten (der derzeit erarbeitet wird). Er bildet die Grundlage für die weitere Entscheidung des ZDF-Fernsehrats.
Link zum ausführlichen Beschwerdebrief, 20 Seiten.
Und hier zum Einlesen die ersten Zeilen des Beschwerdebriefs:
Erwiderung auf die Stellungnahme des ZDF-Intendanten
zur Programmbeschwerde gegen die Sendung
„ZDF Magazin Royale“ vom 19.12.2025
1. Ausgangspunkt und Gegenstand der Erwiderung
Diese Erwiderung knüpft unmittelbar an meine Programmbeschwerde gegen
die Sendung „ZDF Magazin Royale“ vom 19.12.2025 an. Gegenstand meiner
Beschwerde war und ist die Darstellung der Themen Heilpraktiker,
Homöopathie und Anthroposophie in der genannten Sendung sowie in der
begleitenden Social-Media-Kommunikation.
Ich erhebe diese Programmbeschwerde als praktizierender Heilpraktiker und
damit als Angehöriger des in der Sendung dargestellten Berufsstands. Der
ZDF-Fernsehrat hat mich per Los als Leitbeschwerdeführer ausgewählt.
Als Heilpraktiker bin ich es aus meinem beruflichen Alltag nicht gewohnt,
medienrechtliche oder journalistische Fragestellungen in dieser Form zu
bearbeiten. Aus Gründen der Transparenz möchte ich daher offenlegen, dass
ich bei der Ausarbeitung dieses Textes Unterstützung durch den
Gesundheitsjournalisten Christian J. Becker erhalten habe. Herr Becker hat
selbst eine Programmbeschwerde gegen die Sendung eingereicht, unter
anderem aus der Perspektive eines Patienten, der heilpraktische Leistungen
in Anspruch nimmt. Ich halte diese Offenlegung für sachgerecht und
notwendig.
Zugleich möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich als
Leitbeschwerdeführer nicht für alle Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker
sprechen kann. In Deutschland sind rund 47.000 Heilpraktiker beruflich tätig,
die nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit auf Grundlage
des in 2025 veröffentlichten Empirischer Gutachtens zum Heilpraktikerberuf
jährlich etwa 29 Millionen Patientinnen und Patienten behandeln. Meine
Beschwerde erhebt nicht den Anspruch, eine repräsentative oder
stellvertretende Position für diesen gesamten Berufsstand einzunehmen.
Aus meinem kollegialen Umfeld weiß ich jedoch, dass zahlreiche
praktizierende Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sowie deren Patientinnen
und Patienten ebenfalls Programmbeschwerden gegen die Sendung
eingereicht haben. Gleichzeitig ist festzustellen, dass sich die
Heilpraktikerverbände – von denen es bundesweit über 30 gibt – bislang nicht
öffentlich kritisch zur Sendung geäußert haben.
Im Sinne größtmöglicher Transparenz möchte ich den Fernsehrat darüber
informieren, dass das Thema „Böhmermann“ innerhalb der
Heilpraktikerschaft unterschiedlich bewertet wird. Während viele
Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker, die im Praxisalltag stehen, die in der
Sendung dargestellten Inhalte als relevant und potenziell berufsschädigend
wahrnehmen, messen die Verbände der Heilpraktikerschaft der Sendung
bislang offenbar keine vergleichbare Bedeutung für den Berufsstand
insgesamt bei. Diese unterschiedliche Wahrnehmung halte ich für einen
relevanten Kontext, über den der Fernsehrat informiert sein sollte. Diese
Einordnung soll dem Fernsehrat ausschließlich der besseren
Kontextualisierung dienen.
Nach meiner Auffassung bestehen erhebliche Zweifel, ob die Art der
Darstellung den Anforderungen des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags
genügt. Die Stellungnahme des Intendanten vermag diese Zweifel nicht
auszuräumen, da sie den Kern der Beanstandung – die pauschalisierende
und diffamierende Darstellung eines gesamten Berufsstands und naturnaher
Heilverfahren – nicht inhaltlich adressiert, sondern im Wesentlichen auf den
Verweis auf Satirefreiheit ausweicht.
Die Programmbeschwerde richtet sich ausdrücklich nicht gegen Satire als
solche, sondern gegen die Art und Weise, wie in der Sendung
Tatsachenbehauptungen, wertende Zuschreibungen und satirische
Zuspitzung miteinander vermischt werden, ohne dies für das Publikum
ausreichend kenntlich zu machen.
(Fortsetzung im ausführlichen Beschwerdebrief, Link).
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Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger
Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018
mit dem Heilpraktiker-Newblog und dem
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