Start einer neuen Serie: „Stimmen aus der Praxis – die im Watchblog Gehör finden“
In den vergangenen Wochen haben vor allem Journalisten Fragen an Verbände der Heilpraktikerschaft und der Homöopathie gestellt: nach Sichtbarkeit, nach politischer Wirksamkeit, nach öffentlicher Kommunikation.
Nun beginnen auch Heilpraktiker selbst, diese Fragen öffentlich zu formulieren – und sie nutzen dafür Watchblog und Newsblog als Plattform.
Der folgende Text von Ralf Massanés Evers, Heilpraktiker aus Burghausen in Bayern, steht aus meiner Sicht exemplarisch für eine wachsende Zahl von Heilpraktikern, die nicht mehr nur intern diskutieren, sondern öffentlich fragen, wer in ihrem Namen spricht – und wie.
Der Text ist kein Kampagnenbeitrag, keine Abrechnung und kein Aufruf. Er ist die Stimme eines erfahrenen Heilpraktikers aus der Praxis, der beschreibt, was viele im Berufsstand seit Jahren wahrnehmen: eine wachsende Kluft zwischen den Erwartungen der Mitglieder und der öffentlichen Rolle ihrer Verbände.
Ich veröffentliche diesen Beitrag bewusst ausführlich und ohne inhaltliche Kommentierung. Ich hebe ihn aus der Kommentarspalte in einen eigenen Artikel, damit er mehr Leser erreicht, als dies im Kommentarbereich möglich wäre.
Und ich möchte Heilpraktikern, Ärzten für Homöopathie und Patienten Mut machen: „Öffentlich fragen ist erlaubt.“
Der Text macht deutlich: Die Debatte über Verantwortung, Öffentlichkeit und politische Präsenz wird nicht von außen aufgezwungen. Sie entsteht aus dem Inneren des Berufsstands selbst.
Dieser Beitrag markiert den Beginn einer neuen Serie „Stimmen aus der Praxis“.
In dieser Reihe im Watchblog und Newsblog (Reichweite: 1 Million Seitenaufrufe pro Jahr) schildern Heilpraktiker, Ärzte und andere Akteure ihre Perspektiven auf Öffentlichkeit, PR und politische Kommunikation – und darauf, was sie von Verbänden erwarten und wo sie Lücken wahrnehmen.
Interessierte können sich gern bei mir melden. Weitere Beispiele sind bereits erschienen, etwa der internationale Weckruf der Ärztin für Homöopathie Dr. Yogita Loya an die deutsche Homöopathie-Gemeinschaft (Link).
Gastbeitrag (aus einem Kommentar) von Ralf Massanés Evers, Heilpraktiker, 31.01.2026, Homoeopathiewatchblog
Zur Person

Ralf Massanés Evers (Jahrgang 1963) studierte Pädagogik (Köln), Rechtswissenschaften (Heidelberg) und Biologie (Diplom, Autonome Universität Barcelona).
Er arbeitete mehrere Jahre feldbiologisch auf vier Kontinenten und leitete internationale Umweltstiftungen.
Nach einer Ausbildung zum Heilpraktiker absolvierte er die klassische Homöopathie an der Akademie für Homöopathie in Gauting.
Er ist European Homeopathic Degree-zertifiziert (EUH) und seit vielen Jahren kontinuierlich fortgebildet.
Seit 2010 führt er eine Praxis für klassische Homöopathie und ist langjährig im Kompetenzzentrum für Homöopathie in Traunstein engagiert, unter anderem im Arbeitskreis klassische Homöopathie und in der Tumorkonferenz. (Quelle: Website von Herrn Massanés Evers)
Sein Kommentar und seine Fragen an die Verbände:
1. Enttäuschung über die Rolle der Verbände
„Ich arbeite seit vielen Jahren als klassischer Homöopath und bin sehr enttäuscht, dass in einer Zeit (die schon sehr lange vorherrscht), in der die Homöopathie massiv angegriffen und deskreditiert wird (alle Medien steigen auf, aber niemand recherchiert sauber, um nicht immer die einseitigen und fehlerhaften Aussagen zu verbreiten, die GWUP und andere Gruppierungen ihnen vorgeben, was ein Armutszeugnis der journalistischen Arbeit ist und es geht durch alle Medien – das kann man schon seit sehr langer Zeit beobachten, leider nicht nur in der Berichterstattung über Homöopathie), die Verbände, welche uns vertreten und politisch aktiv sein und als Lobbyisten unsere Interessen auf der politischen Ebene vortragen und verteidigen sollten, sich nur auf ihren Lorbeeren ausruhen und kein Interesse haben, sich zu vereinen und ihre Stärke nutzen, um sich für unseren Beruf stark zu machen, in der Öffentlichkeit und bei den Parteien, die momentan eine Richtung einschlagen, die sie nur aufgrund von einseitiger Information und Bearbeitung vorgezeigt bekommen, ohne durch unsere Verbände eine Richtigstellung und Weichenstellung als Alternative zu erhalten.“
2. Drei konkrete Fragen an die Verbände
„Sind die Verbände einfach nur zu gemütlich geworden?
Warum stellen sie keine ungemütlichen Fragen?
Wieso sind sie nicht in Kontakt mit allen politischen Parteien, damit unsere Therapieformen weiterhin die Stellung einnehmen, die sie verdienen?“
3. Internationale Vergleiche und fehlender Rückhalt in Deutschland
„In anderen Ländern ist klassische Homöopathie Teil der GKV und genießt eine große Anerkennung durch die Bevölkerung, wird verteidigt und durch Volksentscheide legitimiert und in Deutschland, dem Land, in dem die Homöopathie von Samuel Hahnemann begründet wurde, gibt es keinen Rückhalt, nicht einmal durch die Verbände, die sich „klassische Homöopathie“ in ihre Namen schreiben und genügend Ressourcen hätten, um ihre Lobbyarbeit durchzuführen.
Wir sind diejenigen, die sie finanzieren und erwarten deshalb, dass sie unsere Beiträge dafür nutzen, um für uns zu kämpfen, damit wir weiterhin unsere hochwirksamen Medikamente als solche verschreiben können und damit unsere Patienten weiterhin mit Sicherheit uns aufsuchen, weil wir einen großen Teil der medizinischen Versorgung dieses Landes darstellen und uns nicht weigern, mit unseren Kollegen aus der Schulmedizin zu kooperieren, wenn es erforderlich ist, um den Patientinnen und Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben.“
4. Öffentlichkeit als letzte verbleibende Option
„Ich bin enttäuscht, aber das ist schon lange so, und ich freue mich, dass es Journalisten wie Christian Becker gibt, die sich für unsere Arbeit, unsere Medikamente und unsere Therapien einsetzt, der analysiert, der kommentiert und der Klarheit verschafft über das, was gerade auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen passiert, um unsere hochwertige medizinische Arbeit auf sehr empfindlicher Ebene zu schaden.
Der Prozess, wie schon erwähnt, hat vor vielen Jahren begonnen, aber mittlerweile steht unser Beruf auf der Kippe, die ärztlichen Kollegen haben die Möglichkeit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ schon in fast allen Bundesländern verloren, unwiderruflich, und keiner hat dagegen gekämpft, jetzt geht es weiter mit der Diskreditierung der Heilpraktiker durch Akteure wie Böhmermann und keiner schreit, nur wenige der Betroffenen werden aktiv und schreiben Politikern und anderen gesellschaftlich relevanten Personen, um Einfluss zu nehmen und die Unwahrheiten zu widerlegen, die durch ewige Wiederholung wie Gebetsmühlen zum vorherrschenden Narrativ geworden sind.
Aber es sind Lügen und nur durch unsere Öffentlichkeitsarbeit können wir erreichen, dass die Wahrheit wieder hergestellt wird. Wir sind ca. 50.000 Heilpraktiker (ich auch), wir versorgen ca. 29.000.000 Patientinnen und Patienten jährlich, wir sind ein großer Teil unseres Gesundheitswesen, wir sind fachlich kompetent und kooperieren mit unseren ärztlichen Kollegen immer, wenn es notwendig ist und so soll es auch weiterhin sein. Hand in Hand für unsere Patientinnen und Patienten arbeiten und ihnen die bestmöglichen medizinischen Optionen geben, die sie freiwillig und ohne Einschränkungen wählen können.“
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Vielen Dank für Ihren Rückhalt.
Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger
Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018
mit dem Heilpraktiker-Newblog und dem
Homoeopathiewatchblog.de – Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie und Heilpraktiker
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