Kurzfassung für Schnellleser:
Die älteste Apotheke Deutschlands von 1241, die älteste Apotheke der Schweiz von 1571 und die älteste Apotheke Österreichs von 1320 haben eines gemeinsam – sie führen Homöopathie bis heute. Alle drei Apotheken gab es schon, als Samuel Hahnemann wirkte. Zusammen stehen sie für fast 2000 Jahre Apothekengeschichte. Während politisch über die Abschaffung homöopathischer Leistungen gestritten wird, verschwinden Apotheken real aus der Fläche – 20 Prozent weniger Apotheken in wenigen Jahren. Für Patienten ebenso wie für Heilpraktiker und Ärzte zeigt sich aber: Homöopathie ist kein nostalgisches Relikt, sondern ein stabiler Bestandteil der Selbstmedikation und der ambulanten Versorgung. Homöopathie ist dabei kein Randphänomen, sondern ein relevanter Teil der Selbstmedikation, eng mit der Beratungsleistung der Apotheken verbunden – und für viele Standorte wirtschaftlich überlebensrelevant.
Drei Apotheken, drei Länder, historisches Gewicht
Homöopathie wird von Politik und Medien oft so behandelt, als sei sie ein kurzfristiger Irrweg, den man nun endlich hinter sich lassen müsse. Wer diese These vertritt, sollte einen Blick auf die reale Apothekenlandschaft werfen, nicht auf Talkshows. Homöopathie gibt es seit über 200 Jahren und seit 200 Jahren ist sie Teil der Gesundheitsversorgung, begründet wurde die Therapie durch Samuel Hahnemann, geboren in Meißen im Jahr 1775. 1810 hat er das Organon als Grundlage der Therapie veröffentlicht. Sie ist damit auch Teil der beruflichen Praxis vieler Heilpraktiker und Ärzte, die Homöopathie bis heute anwenden.
In Deutschland gilt die Löwen-Apotheke Trier als älteste Apotheke des Landes. Erstmals 1241 urkundlich erwähnt, existiert sie seit 775 Jahren als Apotheke. Auf ihrer heutigen Beratungsseite gehört Homöopathie selbstverständlich zum Angebot, eingebettet in ein breites Spektrum von Selbstmedikation und pharmazeutischer Beratung. Diese Beratungsrealität betrifft nicht nur Apotheker, sondern auch Heilpraktiker und Ärzte, die täglich mit denselben Patienten arbeiten.
In der Schweiz blickt die TopPharm Rathaus Apotheke Bern auf rund 450 Jahre Geschichte zurück. Gegründet 1571, befindet sie sich bis heute am selben Standort in der Berner Altstadt. Auch hier gehört Homöopathie zum Sortiment einer modernen Beratungsapotheke. Sie ist Teil eines Versorgungskreislaufs, in dem Apotheken und Heilpraktiker sowie Ärzte faktisch zusammenwirken.
Und in Österreich zählt die Alte Feldapotheke Wien zu den traditionsreichsten Apotheken des Landes. Ihre Geschichte reicht bis etwa ins Jahr 1320 zurück. Sie steht mit 705 Jahren Geschichte exemplarisch für die lange Kontinuität der Arzneimittelversorgung im deutschsprachigen Raum.
Zusammengenommen stehen diese Apotheken für fast 2000 Jahre Apothekengeschichte. Sie haben Kriege, Seuchen, politische Umbrüche und medizinische Paradigmenwechsel überlebt. Und sie führen Homöopathie bis heute. Damit sichern sie zugleich die materielle Basis für ärztliche und heilpraktische Homöopathie.
Apotheken sind der reale Ort der Homöopathie und der Patienten – neben den Praxen
Die öffentliche Debatte konzentriert sich gern auf Krankenkassen und Erstattungsfragen. Der Alltag der Homöopathie spielt sich jedoch woanders ab: in der Apotheke. Dort entscheidet sich, ob ein Mittel verfügbar ist, ob Beratung stattfindet und ob Patienten überhaupt Zugang haben. Für viele Heilpraktiker und Ärzte ist genau diese Verfügbarkeit Voraussetzung ihrer Arbeit.
Homöopathische Arzneimittel sind apothekenpflichtig. Diese Pflicht ist kein Zufall, sondern Ausdruck des Anspruchs, dass Beratung stattfindet. Apotheker sollen einordnen, erklären, abgrenzen. Genau darin liegt der Kern des Systems, nicht im Rezeptblock. Heilpraktiker sind Teil dieses Systems – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung.
Das spiegelt sich auch im Markt. Der deutsche Selbstmedikationsmarkt in Apotheken und Versand liegt bei knapp sieben Milliarden Euro. Homöopathische Arzneimittel kommen dabei auf rund acht Prozent Umsatzanteil. Dieser Markt existiert auch, weil Patienten ihn aktiv nachfragen – in Apotheken wie in Heilpraktiker- und Arztpraxen.
Apothekensterben: Während man streitet, verschwindet die Infrastruktur
Parallel zur Homöopathie-Debatte schrumpft die Apothekenlandschaft dramatisch: 2013 gab es noch 20.600 Apotheken, Ende 2025 nur noch 16.601. Seit 2013 haben somit etwa 20 Prozent der Apotheken geschlossen.
Besonders betroffen sind kleine Apotheken und Standorte im ländlichen Raum. Die Gründe sind bekannt: steigende Kosten, Personalmangel, Bürokratie, wirtschaftlicher Druck. Diese Entwicklung trifft auch Heilpraktiker und Ärzte, deren Patienten auf wohnortnahe Apotheken angewiesen sind.
In dieser Situation sind Segmente wie die Selbstmedikation mit Homöopathie nicht ideologisch, sondern existenziell. Apotheken, die Beratung ernst nehmen und ein klares Profil entwickeln, erhöhen ihre Überlebenschancen. Davon profitieren auch Heilpraktiker und Ärzte, deren Arbeit ohne funktionierende Apotheken nicht denkbar ist. Die historischen Apotheken in Trier, Bern und Wien sind keine statistischen Beweise, aber starke Symbole für genau diesen Zusammenhang.
Beratung ist Kernaufgabe der Apotheke
Homöopathie ist in Apotheken kein Streitpunkt, sondern Teil des normalen Beratungsalltags. Apotheker beraten zu Auswahl, Anwendung und Einordnung der Mittel – genau dafür ist die Apotheke da. Diese Beratung ergänzt die therapeutische Arbeit von Heilpraktikern und Ärzten im Alltag.
Die Apothekenpflicht homöopathischer Arzneimittel folgt dieser Logik. Sie stellt sicher, dass Beratung stattfindet und Patienten Orientierung bekommen. Ohne Apotheke gäbe es nicht bessere, sondern keine Beratung.
Dass gerade traditionsreiche Apotheken Homöopathie bis heute führen, zeigt: Beratung ist hier kein politisches Argument, sondern gelebte Praxis. Und diese Praxis verbindet Apotheker, Heilpraktiker, Ärzte und Patienten.
Meine Meinung: Ein stilles, aber starkes Argument
Die politische Debatte wird jedoch schief geführt, wenn ausgerechnet die Homöopathie zum Symbol eines vermeintlich überholten Systems erklärt wird. Wer Apotheken stärken will, sollte verstehen, wie ihr Alltag funktioniert – und wie eng dieser mit der Arbeit von Heilpraktikern und Ärzten verbunden ist.
Die älteste Apotheke Deutschlands existiert seit 1241. Die älteste Apotheke der Schweiz seit 1571. Und eine der traditionsreichsten Apotheken Österreichs reicht bis 1320 zurück. Zusammen stehen sie für fast 2000 Jahre Kontinuität. Alle führen Homöopathie bis heute. Während Apotheken reihenweise schließen, ist das kein lautes Argument – aber ein belastbares. Es betrifft Apotheker, Heilpraktiker, Ärzte und Patienten gleichermaßen.
Man muss es nur sehen wollen.
Ein Transparenzhinweis gehört dazu. Ich war Pressesprecher der Versandapotheke DocMorris. Für mich ist jedoch klar: Beide Systeme werden gebraucht. Die Apotheke vor Ort ist unersetzlich für Beratung, Akutfälle und persönliche Ansprache, auch bei Homöopathie. Versandapotheken sind für chronisch kranke Patienten mit hohen Medikamentenkosten oft eine notwendige Entlastung. Für Patienten, Heilpraktiker und Ärzte bleibt die Apotheke vor Ort dennoch der zentrale Partner.
Unterstützen Sie diese Arbeit mit einem Kaffee ☕
Was Sie hier gelesen haben, entsteht durch Zeit, Recherche – und durch Leserinnen und Leser, die diese Arbeit möglich machen.
Der Homoeopathiewatchblog ist ein unabhängiges Informations- und Analyseangebot, das ich neben meinem Beruf als Gesundheitsjournalist betreibe. Er schaut genau hin, ordnet ein und regt zu Aktionen an.
Mit einer kleinen Kaffeespende unterstützen Sie diese Arbeit ganz konkret. Mit den Spenden ist es mir möglich, den Blog technisch und anwaltlich gegen Angriffe der Homöopathie-Gegner abzusichern.
👉 Ein Kaffee kostet 5 Euro, gern auch mehrere.
Über den QR-Code gelangen Sie direkt zur PayPal-Spendenseite.
Und hier der Direktlink zur Paypal-Spendenseite: Link.
Wenn Sie eine andere Spendenmöglichkeit bevorzugen, schreiben Sie mir gern:
redaktion(at)homoeopathiewatchblog.de
Vielen Dank für Ihren Rückhalt.
Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger
Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018
mit dem Heilpraktiker-Newblog und dem
Homoeopathiewatchblog.de – Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie und Heilpraktiker
Entdecke mehr von HomoeopathieWatchblog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


