Grünen-Wahlsieg in Baden-Württemberg: Wie die Watchblog-Leser als Homöopathie-Gemeinschaft politische Antworten von allen grünen Spitzenpolitikern bekam

Kurzfassung für Schnellleser

Die Grünen haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März mit 30,2 Prozent gewonnen. Spitzenkandidat Cem Özdemir wird damit voraussichtlich neuer Ministerpräsident und Nachfolger von Winfried Kretschmann.
Für die Homöopathie-Gemeinschaft ist diese Wahl auch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Seit 9. Februar haben Leser des Homoeopathiewatchblog im Rahmen der Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie mehrere führende Grünen-Politiker in BW öffentlich zu Homöopathie und Heilpraktikern befragt. Da bei den Grünen ein Generationswechsel in BW stattfindet, ist die Einstellung der neuen Führungskräfte wichtig für die Homöopathie. Der Watchblog hatte dazu eine Strategie kombiniert: einen offenen Brief an Özdemir, Fragen auf Abgeordnetenwatch an ihn selbst sowie ergänzende Fragen an weitere Führungskräfte der Grünen in Baden-Württemberg inkl. mehrerer Musteranfragen plus Erläuterungen.
   Ergebnis: Mehrere mögliche zukünftige Regierungsmitglieder der Grünen mussten erstmals öffentlich Position zur Homöopathie und Heilpraktikern beziehen.
Die Antworten zeigen ein differenziertes Bild innerhalb der Partei in Baden-Württemberg– von skeptischen Positionen bis zu einer eher tolerierenden Haltung gegenüber komplementären Verfahren. Alle Antworten von sieben Grünen-Politikerinnen auf Führungsebenen aus BW – mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Funktionen derzeit – können Sie in diesem Artikel (weiter unten) lesen.

So entstand durch den Homoeopathiewatchblog und seine Leser erstmals ein dokumentiertes Bild davon, wie mögliche zukünftige Regierungsmitglieder zur Homöopathie stehen – noch bevor über die Ressortverteilung entschieden ist.

Und genau darin liegt der eigentliche Effekt der Aktion: Politische Positionen werden sichtbar, bevor politische Entscheidungen fallen.

Die Antworten zeigen innerhalb der Grünen drei Strömungen in BW:

1. Duldungslinie auf Leitungsebene

Özdemir (zukünftiger Ministerpräsident)
Walker (Wahrscheinlichkeit für weiteres Ministeramt hoch)
Aras (derzeitige Landtagspräsidentin, Wahrscheinlichkeit für Ministeramt mittel bis hoch)

→ persönliche Akzeptanz komplementärer Verfahren – ohne auf politischer Eben konkret zu werden

2. Balance-Position

Schwarz (Wahrscheinlichkeit für Ministeramt hoch)
Resch 
Erikli

→ Wahlfreiheit, aber keine klare gesundheitspolitische Unterstützung

3. skeptische Linie

Veits

→ eher auf Linie des Grünen-Parteitagsbeschlusses

Welche politische Wirkung konnten Watchblog-Leser in drei Monaten erzielen?

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg markiert einen politischen Einschnitt. Nach über einem Jahrzehnt im Amt scheidet Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus der aktiven Politik aus. Auch der langjährige Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (der sich mehrfach öffentlich für die Homöopathie eingesetz hatte, z.B. für die Zusatzbezeichnung für Ärzte) wird aus Altersgründen nicht mehr Teil der neuen Regierung sein. Für die Grünen in BW beginnt damit ein personeller Generationswechsel.

Für die Homöopathie-Gemeinschaft ist diese Situation von besonderer Bedeutung. Denn mit neuen politischen Akteuren stellt sich auch die Frage neu: Welche Haltung vertreten mögliche künftige Minister zur Homöopathie und zum Heilpraktikerberuf?

Genau diese Frage hat der Homoeopathiewatchblog in den vergangenen Monaten mit seinen Lesern öffentlich gestellt.

Die Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie hat bereits in ihren ersten drei Monaten mehrere politische Reaktionen ausgelöst.

Im Januar brachte der Watchblog den Kanzleramtsminister Thorsten Frei dazu, seine neue Position der CDU zur Zukunft von Zusatzleistungen wie Homöopathie öffentlich zu erläutern.

Im Februar führte eine Programmbeschwerde-Initiative aus der Watchblog-Community dazu, dass das ZDF ein Verfahren gegen die Böhmermann-Sendung zum Heilpraktikerberuf einleitete. Das Verfahren findet am 13. März statt.

Und ebenfalls im Februar reagierte schließlich der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir öffentlich auf eine Frage zur Homöopathie mit einem offenen Brief der Watchblog-Leser, der von über 360 Homöopathie-Freunden unterzeichnet wurde. Auch weitere grüne Führungskräfte aus BW antworteten auf die Fragen der Watchblog-Leser. Ihre Antworten können Sie in diesem Artikel lesen.

 


(Transparenzhinweis: Diese Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie erhält keine sachliche oder materielle Unterstützung von Verbänden der Homöopathie oder Heilpraktiker. Allein die drei Heilpraktikerinnen von Dimensions of Homeopathy (Gabi Schörk, Andra Dattler, Erika Rau) haben öffentlich deutlich gemacht, dass sie den Watchblog mit seinen Aktivitäten für Homöopathie und Heilpraktiker empfehlen (Link). Die Mitmachkampagne baut auf dem Engagement und Kompetenz des Homoeopathiewatchblog, dem Engagement seiner Leser und ein wenig auf den Kaffeespenden der Watchblog-Leser und Club-Mitglieder auf, mit denen der Blog gegen Angriffe von Skeptikern und anderen Gegnern durch einen Anwalt und IT-Experten verteidigt werden kann.)


 

 

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Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018 mit dem
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Der Homoeopathiewatchblog verfolgte in Baden-Württemberg eine bewusst kombinierte öffentliche Strategie

Erstens wurde ein offener Brief direkt an Cem Özdemir gestartet, den über 360 Unterstützer aus der Homöopathie-Gemeinschaft unterzeichneten.
Zweitens wurde Özdemir zusätzlich öffentlich über Abgeordnetenwatch befragt.
Drittens wurden weitere führende Grünen-Politiker in Baden-Württemberg ebenfalls öffentlich zu ihrer Position befragt.

Ziel war nicht nur eine einzelne Antwort, sondern ein politisches Lagebild: Wie positionieren sich mögliche künftige grüne Regierungsmitglieder zur Homöopathie und zum Heilpraktikerberuf?

Cem Özdemir: persönliche Offenheit, aber keine Parteikorrektur

Der zukünftige Ministerpräsident Cem Özdemir antwortete auf Abgeordnetenwatch am 18.2. auf die Frage eines Watchblog-Lesers vom 15.2..

Özdemir schrieb: „Wenn Menschen komplementäre Behandlungsmethoden bevorzugen oder ergänzend nutzen möchten, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.“

Die Formulierung signalisiert eine persönliche Offenheit gegenüber komplementären Verfahren. Gleichzeitig vermeidet Özdemir jede direkte Stellungnahme zum Grünen-Parteitagsbeschluss vom November 2025, der eine Einschränkung der Rolle der Homöopathie im Gesundheitssystem vorsieht.

Gesundheitspolitisch bedeutet diese Antwort: individuelle Toleranz, aber keine erkennbare Abweichung von der Parteilinie.

Für die Homöopathie-Gemeinschaft war dennoch entscheidend, dass erstmals eine zitierbare Position des späteren Ministerpräsidenten vorliegt- hervorgerufen durch zwei Anfragen der Watchblog-Leser an Özdemir.

Thekla Walker: ähnliche Linie wie Özdemir

Auch die Grünen-Ministerin (derzeit Ressort Umwelt) und mögliches Regierungsmitglied Thekla Walker antwortete am 24.2. auf die Frage eines Watchblog-Lesers am 11.2. .

Ihre Formulierung entspricht nahezu wörtlich der Aussage Özdemirs: „Wenn Menschen komplementäre Behandlungsmethoden bevorzugen oder ergänzend nutzen möchten, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.“

Politisch deutet dies auf eine ähnliche Linie hin: persönliche Akzeptanz, ohne gesundheitspolitische Detailfestlegung.

Ihre Antwort als derzeitige Umwelministerin und Mitglied des Führungszirkels der Grünen in BW auf Abgeordnetenwatch ist politisch interessant, weil sie Özdemirs moderaten Ton nahezu identisch übernimmt („Wenn Menschen komplementäre Behandlungsmethoden nutzen möchten, spricht nichts dagegen“).

Das deutet auf eine pragmatische Duldungslinie innerhalb der Landesregierung hin.

Muhterem Aras: persönliche Unterstützung für Homöopathie

Deutlich persönlicher äußerte sich am 2.3. die Landtagspräsidentin Muhterem Aras auf die Frage eines Watchblog-Lesers am 11.2. .

Sie schrieb: „Die Entscheidung zur Homöopathie auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover im November 2025 bedaure ich persönlich sehr.“

Und weiter:„Ich selbst stehe dem homöopathischen Ansatz grundsätzlich positiv gegenüber.“ Aras verwies dabei auch auf eigene Erfahrungen: „Meine beiden inzwischen erwachsenen Kinder wurden über viele Jahre von einem anthroposophisch orientierten Arzt begleitet.“

Diese Antwort ist innerhalb der Grünen bemerkenswert, weil sie den Parteitagsbeschluss ausdrücklich kritisch bewertet.

Nese Erikli: Fokus auf Wahlfreiheit

Die Landtagsabgeordnete Nese Erikli wählte am 17.2. einen anderen Ansatz. Sie verwies zunächst auf die Zuständigkeitsebene nach einer Frage eines Watchblog-Lesers am 11.2.:

„Die Entscheidung, Homöopathie als Zusatzleistung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen liegt auf Bundesebene.“ Gleichzeitig betonte sie: „Darüber hinaus stehe ich zur Arzt- und Therapie-Wahlfreiheit.“

Damit positioniert sie sich weniger inhaltlich zur Methode selbst, sondern betont das Prinzip individueller Entscheidung.

Yannick Veits: klar skeptische Position

Am deutlichsten kritisch äußerte sich der Grünen-Politiker Yannick Veits (Kandidat, kein MdL) am 14.2. auf die Frage eines Watchblog-Lesers am 9.2..

Er erklärte: „Grundlage für politische Entscheidungen ist für mich wissenschaftliche Evidenz.“ Homöopathische Mittel sollten aus seiner Sicht nicht verpflichtend von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Zugleich bezeichnete er den Arzneimittelstatus der Homöopathie als „politisches Relikt“.

Beim Heilpraktikerberuf plädierte er für strengere Ausbildungs- und Qualitätsstandards.

Clara Resch: innerparteiliche Debatte sichtbar

Die Grünen-Politikerin und Landtagsabgeordnete Clara Resch beschrieb am 19.2 in ihrer Antwort offen die Spannungen innerhalb der Partei auf die Frage eines Watchblog-Lesers am 16.2..

Sie schrieb: „Zu diesem Thema gibt es auch innerhalb unserer Partei unterschiedliche Auffassungen.“

Während einige klare gesundheitspolitische Leitlinien forderten, betonten andere die Wahlfreiheit der Patienten. Resch relativierte zugleich die wirtschaftliche Dimension der Debatte „Homöopathische Arzneimittel machen nur einen sehr geringen Anteil der Gesamtausgaben der Krankenkassen aus.“

Andreas Schwarz: Balance zwischen Evidenz und Tradition

Fraktionschef Andreas Schwarz versuchte am 12.2. beide Positionen zu verbinden – auf eine Frage eines Watchblog-Lesers am 11.2. hin.

Er schrieb: „Zum Einen gibt es stichhaltige Argumente für den klar evidenzbasierten Ansatz der Schulmedizin. Zum anderen ist die Homöopathie eine alt hergebrachte Heilmethode, die ihre Berechtigung hat.“

Diese Antwort steht für eine pragmatische Balance zwischen wissenschaftlichem Anspruch und gesellschaftlicher Nutzung.

Warum diese Antworten politisch relevant sind

Mit dem Wahlsieg der Grünen wird Baden-Württemberg nun von einer neuen Generation politischer Führung geprägt.

Winfried Kretschmann scheidet aus dem Amt, ebenso Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha. Damit öffnen sich zentrale Ressorts für neue Akteure. Genau deshalb war es strategisch sinnvoll, mögliche zukünftige Regierungsmitglieder bereits vor der Wahl öffentlich zu ihrer Haltung zu befragen.

Der Homoeopathiewatchblog hat diese Aufgabe zusammen mit seinen Lesern übernommen.

Fazit: politische Antworten durch öffentliche Fragen der Watchblog-Leser

Die Antworten zeigen ein klares Bild. Innerhalb der Grünen existiert keine einheitliche Linie zur Homöopathie. Die Positionen reichen von skeptischen Ansätzen bis zu persönlicher Unterstützung.

Für die Homöopathie-Gemeinschaft ist diese Transparenz politisch wertvoll. Denn erstmals vor einer Landtagswahl liegen dokumentierte Aussagen mehrerer möglicher Regierungsmitglieder vor.

Und sie sind nicht durch Verbände entstanden.

Sondern durch Fragen von Lesern des Homoeopathiewatchblog als Teil der Homöopathie-Gemeinschaft und der Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie.

 


 

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