Wenn ein Homöopathie-Newsletter journalistisch arbeitet – Besprechung des Newsletters „Informationsdienst Homöopathie“ des BPH

In den vergangenen Wochen habe ich mehrere Newsletter aus dem Umfeld der Homöopathie-Verbände analysiert. Die Newsletter des DZVHAE, VKHD und BDH sind erkennbar von Nicht-Journalisten geschrieben. Das Bild war oft ähnlich: viel Beruhigung, wenig politische Einordnung, kaum erkennbare Strategie, viel Rechtfertigung, viel Bewertung anderer Akteure. Zusammengefasst: Wenig Fakten, wenig Relevanz, viel Schein.

Umso auffälliger ist ein Akteur, der sich davon handwerklich absetzt: der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH). Die Newsletter des BPH „Informationsdienst Homöopathie“, verantwortet vom Journalisten Christoph Trapp, sind sichtbar journalistisch gearbeitet. Und genau deshalb verdienen sie eine Betrachtung.

Sauberes Handwerk, klare Texte

Die Texte sind klar strukturiert, politische Entwicklungen werden erklärt, Akteure benannt, Zusammenhänge hergestellt. Der Ton ist sachlich, manchmal zugespitzt, aber nie vernebelnd. Leserinnen und Leser bekommen das Gefühl, ernst genommen zu werden. Das ist im Umfeld der organisierten Homöopathie keine Selbstverständlichkeit.

Während andere Verbandsnewsletter Konflikte umschiffen oder in internen Formeln verschwinden lassen, erfüllt der BPH-Newsletter klassische journalistische Kriterien: Relevanz, Kontext, Verständlichkeit. Man kann das gut finden oder kritisch sehen – handwerklich ist es solide.

Eine wichtige, aber begrenzte Funktion

Gerade weil der Newsletter journalistisch funktioniert, entfaltet er eine Wirkung, die man verstehen muss. Seine Texte erfüllen mindestens drei Funktionen.

Zunächst wirken sie nach innen beruhigend. Die Leser sollen das Gefühl bekommen, dass etwas passiert, dass jemand die Lage beobachtet, einordnet, erklärt. In einer verunsicherten Szene ist das psychologisch wichtig. Politisch verändert es jedoch noch nichts.

Zugleich entlastet diese Kommunikation andere Akteure wie DZVHAE, VKHD und BDH. Solange der BPH sichtbar informiert und einordnet, können sich ärztliche und heilpraktische Verbände im Hintergrund halten. Die Botschaft lautet unausgesprochen: Andere kümmern sich ja. Das nimmt Druck von Entscheidungsträgern, selbst öffentlich Stellung zu beziehen oder in die Offensive zu gehen.

Und schließlich stabilisiert diese Form der Kommunikation das bestehende System. Sie hält den Diskurs in Bewegung, ohne ihn zuzuspitzen. Sie informiert, ohne zu konfrontieren. Auch das ist eine legitime Entscheidung – aber eine mit Folgen.

Warum das als Maßstab taugt

Der BPH-Newsletter widerlegt ein Argument, das mir in den vergangenen Monaten häufig begegnet ist: Man könne derzeit nicht klarer kommunizieren, ohne zu schaden. Doch, man kann. Der BPH zeigt das. Auch ohne Eskalation. Auch ohne PR-Sprech.

Gerade deshalb wird sichtbar, dass die Zurückhaltung anderer Verbände keine Notwendigkeit ist, sondern eine bewusste Strategie.

Die Grenze des Modells

Was der BPH-Newsletter nicht leistet (weil das erkennbar nicht seine Aufgabe ist), ist öffentlicher Druck und politische Relevanz. Er erklärt politische Prozesse, ohne sie aktiv zuzuspitzen. Er benennt Probleme, ohne sie zum Konflikt zu machen. Das ist journalistisch korrekt – aber es bleibt folgenlos, wenn politische Entscheidungen anstehen.

Ein nüchterner Befund

Der BPH-Newsletter „Informationsdienst Homöopathie“ ist gut gemachter Fachjournalismus. Denn er zeigt: Klarheit ist möglich. Journalistische Einordnung ist möglich. Und genau deshalb ist die Passivität anderer Akteure wie DZVHAE, VKHD und BDH keine Frage der Umstände, sondern des Willens.


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