In der aktuellen Debatte um Homöopathie, politische Wirksamkeit und öffentliche Sichtbarkeit wird häufig darüber gesprochen, wer spricht und wer nicht. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie Öffentlichkeit organisiert wird – und ob unterschiedliche Positionen nebeneinander stehen dürfen. Ein Beispiel für eine andere Praxis findet sich derzeit auf der Facebookseite einer Ärztin für Homöopathie, die in der ärztlichen Selbstverwaltung aktiv war. Dort werden unterschiedliche Stimmen aus der Homöopathie-Szene parallel sichtbar gemacht: Beiträge des Homoeopathiewatchblogs ebenso wie Inhalte aus dem Umfeld des ärztlichen Verbandes. Nicht zur Bewertung, nicht zur Einordnung, sondern als Angebot an Leser, sich selbst ein Bild zu machen.
Dieses Projekt einer verbandsnahen Ärztin ist auch für Heilpraktiker mit Blick auf deren Verbände interessant („Wie Öffentlichkeitsarbeit auch funktionieren kann“), daher mache ich zusätzlich auch im Heilpraktiker-Newsblog darauf aufmerksam.
Kontinuität über die Amtszeit hinaus
Elisa Jost-Bijlsma ist Ärztin für Homöopathie und war viele Jahre in leitender Funktion (für sechs Jahre – bis August 2025) in der ärztlichen Selbstorganisation aktiv – konkret als Vorstandsmitglied des Landesverbandes homöopathischer Ärzte (BVhÄ Berlin). Sie war nicht Mitglied des Bundesvorstands des DZVhÄ (Red. Hinweis: wie ich zunächst geschrieben hatte), sondern in dem eigenständigen Berliner Landesverband engagiert, der organisatorisch und satzungsrechtlich unabhängig vom Bundesverband arbeitet. Sie hat ihre Facebookseite bereits in dieser Zeit in vergleichbarer Weise genutzt. Auch damals fanden sich dort Verweise auf unterschiedliche Positionen, Texte und Akteure, ohne dass diese redaktionell eingeordnet oder entlang einer Verbandslinie sortiert wurden.
Konkrete Beispiele aus der laufenden Praxis
Konkret zeigt sich diese Offenheit darin, dass auf der Facebookseite Beiträge aus sehr unterschiedlichen Kontexten nebeneinander erscheinen. Verlinkt werden Texte des Homoeopathiewatchblogs ebenso wie offizielle Mitteilungen oder Stellungnahmen aus dem Umfeld des DZVhÄ. Daneben finden sich Hinweise auf externe Artikel, Diskussionsbeiträge aus der Gemeinschaft der Ärzte und Heilpraktiker sowie Kommentare anderer Akteure, die nicht derselben Linie folgen müssen. Eine erkennbare Vorauswahl im Sinne von „pro“ oder „contra“, „verbandsnah“ oder „kritisch“ ist nicht zu beobachten.
Auffällig ist dabei weniger der einzelne Inhalt als die Entscheidung, diese Inhalte nicht zu hierarchisieren. Beiträge des Watchblogs stehen gleichberechtigt neben Verbandspositionen, ohne kommentiert, relativiert oder eingeordnet zu werden. Es gibt keine redaktionelle Klammer, keine Zusammenfassung und keinen Versuch, Widersprüche aufzulösen. Diese Form der Veröffentlichung ist kein neues Experiment, sondern setzt eine Praxis fort, die bereits während der Zeit im Verbandsvorstand sichtbar war.
Ein deutlicher Unterschied zur klassischen Verbandskommunikation
Damit unterscheidet sich diese Praxis deutlich von klassischer Verbandskommunikation. Dort wird Öffentlichkeit häufig als etwas verstanden, das kontrolliert, abgestimmt und geschlossen auftreten muss – aus Sorge vor inneren Konflikten oder politischer Angreifbarkeit. Die hier sichtbare Form verzichtet bewusst auf diese Logik. Sie setzt nicht auf Einhegung, sondern auf Offenheit. Nicht die Vermeidung von Widerspruch steht im Vordergrund, sondern dessen Sichtbarkeit. Das ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern Ausdruck einer anderen Vorstellung davon, wie Öffentlichkeit funktionieren kann.
Warum das gerade jetzt auffällt
Dass diese Form von Öffentlichkeit gerade jetzt auffällt, ist kein Zufall. In einer Phase, in der Verbände und Initiativen unter Druck stehen, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, verengt sich Kommunikation häufig auf das politisch Verwertbare. Abweichende Perspektiven gelten dann schnell als störend. Vor diesem Hintergrund wirkt eine Plattform, die unterschiedliche Stimmen sichtbar lässt, nicht spektakulär – aber bemerkenswert. Sie markiert einen Kontrast zu einer zunehmend defensiven Kommunikationskultur.
Dass Texte des Watchblogs in diesem Kontext ebenso Platz finden wie Verbandspositionen, ist dabei Ausdruck von Öffentlichkeit im ursprünglichen Sinn des Journalismus: Sagen was ist. Alle zu Wort kommen lassen. Der Leser kann sich mit unterschiedlichen Informationen selbst ein Bild machen.
Links
Facebook-Seite von Elisa Jost-Bijlsma:
👉 https://www.facebook.com/elisa.jostbijlsma.7
Angaben zu Ausbildung, Werdegang und Praxis:
👉 https://www.elisajost.de/Vita/
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