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„Alte Petition von 2024 ist nicht mehr relevant“: Wichtigste CDU-Gesundheitspolitikerin widerspricht Homöopathie-Verbänden

(Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel richtet sich nicht gegen einzelne Vorstände von Homöopathie-Verbänden, auch wenn dies intern häufig so dargestellt wird, sobald der Watchblog über deren Aktivitäten berichtet. Als Journalist arbeite ich faktenbasiert und mache relevante Entwicklungen öffentlich. Dazu gehören auch Strategien, Aussagen und Maßnahmen von Homöopathie-Verbänden. Diese sind als eingetragene Vereine organisiert und unterliegen damit einer besonderen Verantwortung zur Transparenz gegenüber ihren Mitgliedern. Wenn diese Transparenz nicht von den Homöopathie-Verbänden selbst hergestellt wird, trägt journalistische Berichterstattung dazu bei, sie herzustellen – so auch in diesem Artikel.)

Die Strategiedebatte in der Homöopathie-Gemeinschaft ist offen ausgebrochen. Während Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte und der Anthroposophenverein Weil’s hilft weiter auf Massenmobilisierung setzen, stellt die Politik selbst die Grundlage dieser Strategie infrage. Gleichzeitig räumt der DZVhÄ öffentlich ein, dass genau diese Mobilisierung aktuell an Grenzen stößt, weil die politischen Kanäle durch Massenmailings des Verbandes verstopft sind.

Im Kern geht es um eine einfache Frage: Was wirkt politisch noch – und was nicht mehr?

CDU: Petition von 2024 ohne aktuelle Wirkung

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Simone Borchardt, zieht eine klare Linie. In einer Antwort auf Abgeordnetenwatch (veröffentlicht am 24. April) macht sie deutlich, dass die Homöopathie-Petition von 2024 heute keine rechtliche oder politische Bindungswirkung mehr entfaltet. Borchardt schreibt: „Der Petitionsausschuss hat die Petition am 30. Januar 2025 abgeschlossen, weil dem damaligen Anliegen entsprochen worden war. Maßgeblich war dabei, dass der damalige Gesetzentwurf keine Streichung der Erstattungsregelung mehr vorsah und die Rechtslage deshalb fortbestand. …Daraus folgt aber nicht, dass der Gesetzgeber für alle Zukunft an diese Rechtslage gebunden wäre. Eine Petition ist ein wichtiges parlamentarisches Beteiligungsinstrument. Sie ersetzt jedoch kein Gesetzgebungsverfahren und sie nimmt dem Bundestag nicht die Pflicht, spätere Entwicklungen, neue Finanzlagen und neue fachliche Bewertungen erneut abzuwägen.“ Die Anfrage an Borchardt erfolgte von Annegret H., um Transparenz zu dieser Thematik zu schaffen.

Damit wird ein zentrales Argument der Homöopathie-Verbände entwertet. Denn genau auf diese Petition 2024 berufen sich DZVhÄ und „Weil’s hilft“ bis heute, wenn sie ihre aktuelle Kampagne begründen.

Politisch ist die Botschaft eindeutig: Alte Mobilisierung ersetzt keine aktuelle Einflussnahme.

DZVhÄ: Massenmailings stoßen an Grenzen

Ganz anders klingt es aus den eigenen Reihen der Homöopathie-Verbände. In einem aktuellen YouTube-Live (23. April 2026) über Aktivitäten der Homöopathie-Verbände spricht Christoph Trapp (Leiter PR und politische Kommunikation des DZVHAE) ungewöhnlich offen über die Lage.

Er beschreibt, dass im Rahmen der Kampagne von DZVHAE und weils hilft bereits viele Menschen zu viele Politiker unkoordiniert und ohne System angeschrieben hätten. Gleichzeitig benennt er das Problem: „Das heißt leider auch, dass die Kommunikationswege in die Politik über Mails gerade gar nicht mehr so richtig funktionieren, weil sie ein bisschen verstopft sind.“

Zugleich macht Trapp deutlich, wie der DZVHAE die Wirksamkeit der Kampagne misst: „ … wir sehen, wie viele Menschen schon die Musterbriefe runtergeladen haben.“

Damit zeigt sich ein doppeltes Bild: Massenmailing auf der einen Seite, eingeschränkte politische Anschlussfähigkeit auf der anderen.

Auch in der direkten Bewertung der politischen Wirkung bleibt Trapp zurückhaltend. Gespräche mit Politikern würden zwar im Hintergrund stattfinden, gleichzeitig gebe es „hauptsächlich sehr weichgespülte Antworten“.

Trapp geht noch weiter. Trotz dieser Situation hält der DZVhÄ an der Strategie des Massenmailings weiter fest. Die Antwort auf die Überlastung der Kanäle lautet: noch mehr Massenmailings.

Auch Mona Kölsch betont als Vorsitzende des DZVHAE im selben Kontext die Bedeutung der bisherigen Mobilisierung mit Massenmailings und verweist auf die Erfahrungen aus der Petition von 2024.

Damit bestätigt er genau das strukturelle Risiko von Massenkampagnen: Sie erzeugen Sichtbarkeit für den Verband, der seinen Mitgliedern Aktivität zeigen kann, blockieren aber zugleich den Zugang zur politischer Kommunikation zu den Entscheidern.

„Eine Million“: Kampagne weils hilft setzt auf Massenmails

Parallel dazu baut die Anthroposophenorganisation „Weil’s hilft“ die Strategie Massenmailing weiter aus. Bei einem Youtube-Live mit Heilpraktikern am 20. April 2026 stellte Stefan Schmidt-Troschke die neue Kampagne von weils hilft mit dem Motto „Eine Million“ vor.

Ziel ist es, in kurzer Zeit eine Million Menschen mit Massenmailings zu aktivieren, die Politiker kontaktieren. Der Ansatz bleibt derselbe wie beim DZVHAE: Massenmailings, breite Öffentlichkeit, maximale Beteiligung, möglichst viele Kontakte in Richtung Politik, ohne Zielrichtung, breite Streuung an viele Politiker. Schmidt-Troschke versprach, mit dieser Strategie das GKV-Aus der Homöopathie und Anthropsophie zu verhindern.

Gleichzeitig erklärt Schmidt-Troschke, warum er aktuell keine neue Bundestagspetition anstrebt. Eine neue Petition würde vermutlich deutlich weniger Stimmen erreichen, da die  Verbände realistischerweise weniger mobilisieren könnten. Damit würde die symbolische Wirkung der 200.000 Stimmen aus 2024 relativiert werden. Das würde zu einem Imageschaden für weils hilft führen.

Die Folge ist ein strategischer Stillstand: Die alte Petition von 2024 wird von den Homöopathie-Verbänden weitergetragen, obwohl ihre politische Wirkung von zentralen Entscheidern aus der Regierung verneint wird, wie Simone Borchardt deutlich gemacht hat.

Homoeopathiewatchblog: Gegenstrategie mit Fokus auf Entscheidungsträger

Der Homoeopathiewatchblog mit Redakteur Christian J. Becker hatte von Anfang an zu einer anderen Strategie geraten und diese mit den Lesern des Blogs am 30. März gestartet. Die Strategie lautet „Gezielte Kommunikation an einzelne Entscheider in der Politik statt Massenmailings“. Becker ist ausgebildeter Public Affairs-Berater (Lobbyist) und PR-Berater (Spezialist für Öffentlichkeitsarbeit) sowie Journalist mit rund 30 Jahren Berufserfahrung in der Gesundheitspolitik. Als solcher hat er in Public Affairs-, Public Relations-Agenturen und Redaktionen gearbeitet. Er hat bereits mehrere politische Kampagnen konzipiert und geleitet, unter anderem zum Thema Schwerhörigkeit. Diese Kampagne führte dazu, dass eine Gesetzespassage im Sozialgesetzbuch im Sinne von Schwerhörigen verändert wurde.

Im Zentrum der Strategie des Watchblog für die Homöopathie stehen aktuell drei Personen: die gesundheitspolitischen Sprecher Simone Borchardt und Christos Pantazis sowie Gesundheitsministerin Nina Warken.

Mit einem offenen Brief an Warken sowie gezielten Anschreiben an Borchardt und Pantazis wird Druck aufgebaut. Parallel hatte der Watchblog zwei eigene Petitionen gestartet, die gezielt auf den aktuellen Gesetzgebungsprozess ausgerichtet waren. Beide Initiativen wurden jedoch aus dem Umfeld von DZVHAE und Weil’s hilft gestoppt und blockiert. Eine breite Mobilisierung innerhalb der bestehenden Verbandsstrukturen blieb aus. Damit konnten diese Petitionen 2026 ihre politische Wirkung nicht entfalten, obwohl sie strategisch auf die aktuelle Entscheidungssituation zugeschnitten waren.

Flankiert wird diese Strategie des Watchblog durch klassische journalistische Öffentlichkeitsarbeit. Inhalte und Recherchen des Watchblogs wurden in den vergangenen Tagen auch von Medien aufgegriffen, unter anderem vom reichweitenstärksten Online-Nachrichtenmagazin FOCUS (Link). Damit wird eine Stimme der Homöopathie im politischen Konflikt zusätzlich in die breite Öffentlichkeit getragen.

Der Ansatz des Watchblog folgt einer klassischen Public-Affairs- und PR-Logik: Einfluss entsteht dort, wo Entscheidungen vorbereitet werden.

Zwei Strategien, ein Konflikt

Die aktuellen Aussagen machen deutlich, dass sich zwei Logiken gegenüberstehen.

Auf der einen Seite die Mobilisierung von DZVHAE und weils hilft: Massenmailings, viele Stimmen, viel Öffentlichkeit, hoher emotionaler Druck.
Auf der anderen Seite die politische Mechanik des Watchblog: gezielte Ansprache der Entscheider, offene Gesprächskanäle, Einfluss auf konkrete Entscheidungen.

Bemerkenswert ist, dass der DZVhÄ selbst die Grenzen seiner Strategie offen auf Youtube beschreibt, sie aber gleichzeitig weiterführt.

Ausgang offen – Kräfteverhältnis nicht

Die strukturellen Voraussetzungen sind ungleich. Verbände wie der DZVhÄ verfügen über erhebliche Ressourcen (Budget über eine Million Euro/Jahr) und organisatorische Reichweite. Die Anthroposophenorganisationen Weils hilft und Gesundheit aktiv haben Großsponsoren aus dieser Szene im Rücken.

Der Homoeopathiewatchblog ist ohne Budget aktiv. Er wird durch einzelne Kaffeespenden seiner Leser und Club-Mitglieder unterstützt, womit Teile der Aktivitäten des Anwalts des Blogs finanziert werden, um den Blog gegen juristische Angriffe u.a. der Skeptiker abzusichern.

 

Foto: Simone Borchardt, Website

 

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Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

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