Während auf Bundesebene regelmäßig über Einschränkungen des Heilpraktikerberufs diskutiert wird, kommt aus Bayern ein ganz anderes Signal. Die Bayerische Staatsregierung beschreibt Heilpraktiker in einer Stellungnahme an den Landtag als sinnvolle Ergänzung der medizinischen Versorgung, verteidigt die bestehenden Überprüfungen und spricht sich für die Wahlfreiheit von Versicherten und Krankenkassen aus.
Mehr als 24.000 Heilpraktiker im Freistaat
Schon die Zahlen machen deutlich, welche Bedeutung der Berufsstand in Bayern hat. Nach Angaben der Staatsregierung waren Ende 2024 insgesamt 24.307 Heilpraktiker im Freistaat gemeldet. Allein in Oberbayern praktizieren 13.300 Heilpraktiker.
Besonders interessant wird diese Zahl im Vergleich zum Empirischen Gutachten zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung. Dieses war zuletzt von rund 47.000 Heilpraktikern in ganz Deutschland ausgegangen. Rechnerisch würde damit mehr als jeder zweite Heilpraktiker Deutschlands in Bayern arbeiten.
Die Zahlen zeigen die Bedeutung des Berufsstandes in Bayern. Mit mehr als 24.000 Heilpraktikern prägen Heilpraktiker die Gesundheitsversorgung des Freistaats in erheblichem Umfang.
„Sinnvolle Ergänzung“ der medizinischen Versorgung
Noch bemerkenswerter ist die politische Bewertung der Staatsregierung. Während auf Bundesebene häufig über Risiken, Einschränkungen oder Reformbedarf gesprochen wird, wählt die Staatsregierung einen anderen Ansatz. Heilpraktiker könnten, so die Formulierung, wenn sie ihren Beruf „verantwortungsvoll und auf Basis gesicherter medizinischer Erkenntnisse“ ausüben, eine „sinnvolle Ergänzung der (schul)medizinischen Versorgung“ darstellen.
Das ist mehr als eine nüchterne Verwaltungsantwort. Die Staatsregierung erkennt damit ausdrücklich an, dass Heilpraktiker aus ihrer Sicht einen Platz innerhalb der bestehenden Versorgungslandschaft haben können.
Deutliches Lob für die Überprüfung
Interessant sind auch die Aussagen zur Heilpraktikerüberprüfung. Seit Jahren wird von Kritikern regelmäßig behauptet, die Überprüfungen seien uneinheitlich oder würden keinen ausreichenden Qualitätsstandard gewährleisten. Die Bayerische Staatsregierung zeichnet dagegen ein völlig anderes Bild.
Sie verweist darauf, dass die Fragen für den schriftlichen Teil bundesweit zentral erstellt werden, „mit Literaturstellen untermauert, regelmäßig überprüft und an den wissenschaftlichen Erkenntnisstand angepasst“ werden. Daraus folge ein „bundeseinheitlicher Standard“.
Auch für die mündlichen Überprüfungen sieht die Staatsregierung eine bundesweit einheitliche Grundlage durch die Leitlinien des Bundesgesundheitsministeriums.
Mit anderen Worten: Die Staatsregierung sieht hier kein beliebiges System, sondern ein Verfahren mit bundesweiten Standards und klaren Vorgaben.
Wahlfreiheit bleibt das entscheidende Argument
Auch bei der Frage alternativer Behandlungsansätze schlägt Bayern einen anderen Ton an als viele Akteure in Berlin. Die Staatsregierung verweist darauf, dass in der Bevölkerung weiterhin der Wunsch nach alternativen Behandlungsansätzen besteht. Gleichzeitig vertritt sie die Auffassung, dass Entscheidungen über entsprechende Angebote den Krankenkassen und Versicherten überlassen bleiben sollten. Eine bundesgesetzliche Änderung der bestehenden Möglichkeiten zur Kostenübernahme sei aus Sicht der Staatsregierung „nicht notwendig“.
Damit verteidigt Bayern indirekt ein Prinzip, das auch viele Heilpraktiker seit Jahren vertreten: Die Entscheidung über ergänzende Behandlungsangebote sollte möglichst nah bei Patienten bleiben.
Ein bemerkenswertes Signal aus München
Die Stellungnahme zeigt, dass die politische Debatte über Heilpraktiker in Deutschland keineswegs einheitlich verläuft.
Während auf Bundesebene häufig über neue Einschränkungen diskutiert wird, beschreibt die Bayerische Staatsregierung Heilpraktiker als sinnvolle Ergänzung der Versorgung, bescheinigt den Überprüfungen bundesweite Qualitätsstandards und spricht sich für Wahlfreiheit statt zusätzlicher Eingriffe aus.
Für viele Heilpraktiker dürfte das eine der positivsten politischen Stellungnahmen eines Bundeslandes der vergangenen Jahre sein.
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Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger
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