heilpraktiker

Trotz Rekordzahl an Beschwerden: ZDF-Fernsehrat weist über 1.000 Programmbeschwerden gegen die Anti-Heilpraktiker-Sendung von Jan Böhmermann als unbegründet zurück

Kurzfassung für Schnellleser:

Der ZDF-Fernsehrat hat über 1.000 Programmbeschwerden zur Böhmermann-Sendung gegen Heilpraktiker vom 19. Dezember 2025 als unbegründet zurückgewiesen – allerdings nicht wie angekündigt im Plenum, sondern bereits im Beschwerdeausschuss am 5. März. Eine öffentliche Abstimmung im Fernsehrat fand nicht mehr statt. Die Begründung: Die Sendung sei von der Satirefreiheit gedeckt. Die Beschwerdewelle wurde als „Mehrfachbeschwerde“ zusammengefasst. Die 70-seitige Erwiderung des Leitbeschwerdeführers (ein Heilpraktiker) blieb intern.

Über 1.000 Beschwerden wurden hinter verschlossenen Türen entschieden – das Verfahren im Detail

„Der Programmausschuss Programmdirektion hat einstimmig entschieden, dass die Beschwerde keinen Anlass zur Beanstandung gibt.“  Mit diesen Worten verkündet die CSU-Politikerin, die ehemalige Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt als Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats in einem Schreiben am 18. März gegenüber dem Leitbeschwerdeführer – einem Heilpraktiker – das Urteil des Fernsehrats. Das Schreiben können Sie im Original unter diesem Artikel lesen.

Das senderinterne Gremium hat damit die Sendung Jan Böhmermanns in seiner verkündeten Entscheidung grundsätzlich als von der satirischen Gestaltungsfreiheit gedeckt bewertet. Der Beschwerdeausschuss wies die Programmbeschwerden als unbegründet zurück; eine Befassung des Plenums des Fernsehrats war danach nicht mehr vorgesehen.

Der ZDF-Fernsehrat hatte nicht im Plenum am 13.3., wie von Frau Hasselfeldt angekündigt, sondern bereits im Beschwerdeausschuss am 5.3. über die Programmbeschwerden zur Sendung ZDF Magazin Royale gegen Heilpraktiker und Homöopathie vom 19. Dezember 2025 abschließend beraten und entschieden.

Rekordzahl an Programmbeschwerden gegen Böhmermann

Geprägt war das Verfahren von einer Rekordzahl von über 1.000 einzelnen Beschwerden, die von Lesern des Homoeopathiewatchblog gegen die Sendung Jan Böhmermanns eingereicht wurden – und die das ZDF dann zu einer Mehrfachbeschwerde zusammengefasst hat. Beim Homoeopathiewatchblog hatten sich 1.150 Menschen gemeldet, die eine Programmbeschwerde eingereicht hatten. Diese Zahl passt zu den Angaben des Fernsehrats selbst. Im Beschwerdebericht zur Sitzung vom 13. März nennt das Gremium für den Berichtszeitraum 1.255 Eingaben mit Programmbezug. Die Fernsehratsvorsitzende Gerda Hasselfeldt bestätigte am 13.3. in der öffentlichen Sitzung, dass diese „hohe Zahl“ an Beschwerden für das Fernsehratsbüro aufwändig gewesen seien. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 gingen beim Fernsehrat 99 Programmbeschwerden für alle ZDF-Sendungen ein.

Der ZDF-Fernsehrat bezeichnet sich auf seiner Website selbst als „Anwalt des Publikums“. Die Entscheidung des ZDF-Fernsehrats macht jedoch deutlich, dass auch die pauschale Darstellungen des Heilpraktikerberufs und der Homöopathie als gefährlich – auf Basis von falschen Tatsachenbehauptungen durch Böhmermann – nach Auffassung des Fernsehrats von den Programmgrundsätzen des ZDF gedeckt sind.
Das Berufen auf die Satirefreiheit ist dabei ein häufig genutztes juristisches Argument des Senders – manche nennen es einen Trick, denn Satire fällt nach der Rechtsprechung im Rundfunkrecht weitgehend unter die geschützte Meinungs- und Kunstfreiheit – selbst dann, wenn Aussagen auf falschen Tatsachenbehauptungen oder auch auf Schmähkritik beruhen.

Entscheidung fällt jedoch im Ausschuss ohne öffentliche Plenumsbefassung

Der Fernsehrat äußerte keine Kritik an der Sendung von Jan Böhmermann. Dieser hatte den Heilpraktikerberuf sowie die Therapieform Homöopathie pauschal als gefährlich dargestellt. Somit folgt der Fernsehrat in seiner grundsätzlichen Bewertung der Einschätzung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler, der die Sendung zuvor verteidigt hatte, da sie aus seiner Sicht von der Satirefreiheit gedeckt ist. Eine öffentliche Abstimmung im Plenum über die Beschwerde fand nicht statt, da das Verfahren bereits im Ausschuss beendet wurde.

Verteidigung des Senders öffentlich – Anklageschrift des Heilpraktikers bleibt intern

Die Sitzung des Fernsehrats am 13.3. war offensichtlich auch von der zeitgleichen Wiederwahl des ZDF-Intendanten Norbert Himmler geprägt, der in einem von ZDF veröffentlichten dreiseitigen Statement die Sendung Böhmermanns verteidigt hatte. Die 70-seitige Erwiderung des Leitbeschwerdeführers (eines Heilpraktikers / Text erstellt mit Hilfe des Homoeopathiewatchblog) der Programmbeschwerden gegen Böhmermann lag nur dem Gremium vor und war vom ZDF nicht veröffentlicht worden. Sie ist nur im Homoeopathiewatchblog öffentlich (Link).

Gegen die Entscheidung des ZDF-Fernsehrats besteht die Möglichkeit eines Einspruchs sowie der Gang vor die Gerichte.

Leser des Watchblog brachten Verfahren ins Rollen – Entscheidung fällt früher als angekündigt

Die Entscheidung fiel nach Beratung im Beschwerdeausschuss am 5.3.. Ursprünglich war von Gerda Hasselfeldt angekündigt worden, dass der Fernsehrat am 13.3. im Plenum über die Beschwerde beraten werde. Tatsächlich wurde das Verfahren jedoch bereits im Ausschuss abgeschlossen und das Plenum nicht mehr befasst. Grundlage waren die Stellungnahme des ZDF-Intendanten sowie eine 70-seitige Erwiderung des Leitbeschwerdeführers, die mit Unterstützung des Homoeopathiewatchblog erarbeitet worden war. Die Sendung war auf Initiative des Homoeopathiewatchblog (Link) unmittelbar nach der Ausstrahlung am 19. Dezember durch zahlreiche Programmbeschwerden von Heilpraktikern, Patienten und Lesern des Homoeopathiewatchblogs überhaupt erst in ein formelles Prüfverfahren gebracht worden.

47.000 Heilpraktiker und Millionen Patienten betroffen – auch als Beitragszahler

Betroffen von der Sendung sind laut Empirischem Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Jahr 2025 insgesamt 47.000 Heilpraktiker sowie rund 29 Millionen Patienten, die jährlich einen Heilpraktiker aufsuchen. Auch diese finanzieren über den Rundfunkbeitrag das ZDF und seine Programme.

Allerdings zeigt sich ein auffälliges Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlern und tatsächlichem Publikum. Finanziert wird das ZDF von der gesamten Bevölkerung – auch von Heilpraktikern und ihren Patienten. Die Zuschauerstruktur des ZDF ist jedoch deutlich älter und basiert auf Rentnern als Hauptzielgruppe des Senders: Das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer liegt laut Statista bei rund 65 Jahren.

Die Einnahmen und Ausgaben des Senders sind öffentlich nachvollziehbar. Jan Böhmermann erhielt im Jahr 2025 laut FAZ unter anderem für seine Sendung über Heilpraktiker rund 713.000 Euro Honorar vom ZDF. Das ZDF finanziert seinen jährlichen Gesamtetat von rund 2,7 Milliarden Euro überwiegend aus den Rundfunkbeiträgen der Bürger.

Die hohe Zahl der Beschwerden im aktuellen Fall machte die Böhmermann-Sendung gegen Heilpraktiker damit zu einem der umfangreichsten Beschwerdeverfahren der vergangenen Jahre im ZDF.

Eine persönliche Bitte – wie Sie diese Arbeit einfach unterstützen können, damit der Watchblog weiter für Sie aktiv sein kann

Die Aktion Programmbeschwerde gegen die Böhmermann-Sendung habe ich als Journalist in meiner Freizeit ohne jede materielle oder organisatorische Unterstützung von Heilpraktiker- oder Homöopathieverbänden oder Herstellern organisiert – zusammen mit meinem Anwalt in vielen Nachtschichten und Wochendarbeit. Dies war notwendig, da es keine Aktivitäten der Heilpraktikerverbände gegen die Böhmermann-Sendung gab.

Der Aufwand war enorm. Allein um die 70-seitige Beschwerdeschrift gegen Jan Böhmermann zu erstellen, haben mein Anwalt und ich
rund 220 Arbeitsstunden in unserer Freizeit investiert – ein Gegenwert von etwa 25.000 Euro.

Ich hatte deshalb zu Kaffeespenden im Watchblog und Newsblog aufgerufen.
Bisher sind dafür 152,18 Euro eingegangen.

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Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist und seit 2018 engagiert für Homöopathie und Heilpraktiker

Homoeopathiewatchblog.de
Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie


Anlage: Begründung des ZDF-Fernsehrats zum Böhmermann-Sendung, 18.3.2026

entscheidung-fernsehrat-18maerz (Schreiben als PDF, 100 kb)


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