homöopathie

„Ich bin länger Homöopathin als Grüne“ – Erste Grünen-Politikerin und Heilpraktikerin verlässt die Partei, nachdem Parteispitze den Anti-Homöopathie-Kurs bestätigt hat

Kurzfassung für Schnellleser

Die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner hat auf Anfrage des Homoeopathiewatchblog erstmals seit dem Parteitagsbeschluss von 2025 öffentlich den Kurs ihrer Partei gegen Homöopathie bekräftigt. Wenige Wochen später wird nun ein erster politischer Konflikt innerhalb der Partei sichtbar: Die Lokalpolitikern der Grünen und Heilpraktikerin Katrin Schramm aus Bayern tritt aus Protest gegen die Anti-Homöopathie-Politik der Grünen aus der Partei aus. Der Fall zeigt, dass die Debatte inzwischen auch die eigene Parteibasis erreicht.

Erste Stellungnahme der Parteispitze seit dem Parteitagsbeschluss

Die Grünen haben ihre Position gegen Homöopathie zuletzt noch einmal ausdrücklich bekräftigt. Auf eine Presseanfrage des Homoeopathiewatchblogs äußerte sich Bundesvorsitzende Franziska Brantner erstmals seit dem umstrittenen Parteitagsbeschluss vom Herbst 2025 öffentlich zur Homöopathie und zur Rolle der Heilpraktiker.

In der Anfrage hatte ich Brantner gefragt, wie sie den Parteitagsbeschluss zur Komplementärmedizin bewerte und welche Rolle Homöopathie und Heilpraktiker künftig im Gesundheitssystem spielen sollten. In ihrer Antwort vom Frühjahr 2026 verwies die Grünen-Chefin auf wissenschaftliche Evidenz als Maßstab gesundheitspolitischer Entscheidungen. Die gesetzliche Krankenversicherung solle Leistungen finanzieren, deren Nutzen „wissenschaftlich nachgewiesen“ sei. Gleichzeitig bekräftigte sie den Parteitagsbeschluss, wonach die Solidargemeinschaft nicht für Verfahren aufkommen solle, deren Wirksamkeit nicht belegt sei. Auffälligerweise wollte die Grünen-Parteivorsitzende die Frage nach ihrer Sicht auf die  zukünftige Rolle von Heilpraktikern im Gesundheitssystem nicht beantworten.

Bemerkenswert war dabei weniger eine neue Forderung als die öffentliche Bestätigung eines bereits eingeschlagenen Kurses durch die Parteispitze. Seit dem Parteitagsbeschluss hatte sich Brantner öffentlich nicht zur Homöopathie geäußert. Die Antwort an den Homoeopathiewatchblog war deshalb die erste ausführlichere Stellungnahme der Grünen-Führung zu diesem Thema seit Monaten.

Folgen der Politik: Austritt nach 14 Jahren Parteiarbeit

Während die Diskussion auf Bundesebene bislang vor allem als gesundheitspolitische Grundsatzdebatte wahrgenommen wurde, zeigt sich nun erstmals eine sichtbare Folge innerhalb der Partei selbst. Die erste Politikerin ist mit Verweis auf die Anti-Homöopathie-Politik der Grünen aus der Partei ausgetreten.

homöopathie
Katrin Schramm (Foto: Weissenburg.de)

Bei der Lokalpolitikerin handelt es sich um Katrin Schramm aus Weißenburg. Sie gehört dem Stadtrat und dem Kreistag an und hatte vor 14 Jahren den örtlichen Grünen-Ortsverband mitgegründet. Gleichzeitig arbeitet sie seit vielen Jahren als Heilpraktikerin. Bei den Kommunalwahlen wurde sie  für eine Wahlperiode von 2026 bis 2032 erneut in einen Stadtrat (Link) und Kreistag (Link) in Bayern gewählt.

Auslöser ihres Austritts nach 25 Jahren Parteimitgliedschaft ist nach eigenen Angaben die Haltung der Grünen zur Homöopathie. „Nicht tragbar“ ist für Schramm der Kurs der Grünen in Sachen Homöopathie. Der Beschluss des Grünen-Bundesparteitags vom Herbst 2025, homöopathische Leistungen nicht länger von den Krankenkassen erstatten zu lassen, habe für sie eine „rote Linie“ überschritten. Gegenüber ihrer Lokalzeitung erklärte sie: „Ich bin länger Homöopathin als Grüne.“ Und die Homöopathie werde es auch noch länger geben als die Grünen, so Schramm.

Der Schritt sei für sie schmerzlich gewesen. An ihrem kommunalpolitischen Engagement wolle sie jedoch festhalten. Ihre Mandate im Stadtrat und Kreistag behält sie als Parteilose.

Aus einer Grundsatzfrage wird ein Parteikonflikt

Bemerkenswert ist der Vorgang vor allem deshalb, weil hier ein Konflikt sichtbar wird, der lange Zeit innerhalb der Grünen kaum wahrnehmbar war.

Über viele Jahre gehörten Anhänger komplementärmedizinischer Verfahren durchaus zum Spektrum der Partei. Mit dem Parteitagsbeschluss von 2025 vollzogen die Grünen jedoch eine gesundheitspolitische Festlegung. Homöopathische Leistungen sollen nach Auffassung der Partei nicht länger von der Solidargemeinschaft finanziert werden.

Genau diese Position findet sich nun auch in der Antwort der Bundesvorsitzenden wieder. Während Brantner den Kurs der Partei verteidigt, zeigt der Fall Schramm, dass diese Haltung innerhalb der Grünen nicht von allen Mitgliedern mitgetragen wird.

Besonders bemerkenswert ist dabei die zeitliche Abfolge. Zunächst äußert sich die Parteivorsitzende erstmals öffentlich zur Homöopathie-Frage und bestätigt den eingeschlagenen Kurs. Wenige Wochen später wird sichtbar, dass dieser Kurs innerhalb der Partei nicht nur Zustimmung auslöst, sondern auch zu persönlichen Konsequenzen führt.

Der Riss verläuft durch die eigene Partei

Der politische Konflikt spielt sich dabei nicht zwischen Grünen und Homöopathie-Befürwortern außerhalb der Partei ab. Er verläuft innerhalb der Grünen selbst.

Mit Katrin Schramm verlässt erstmals eine kommunale Mandatsträgerin öffentlich ihre Partei unter ausdrücklichem Verweis auf deren Homöopathie-Kurs. Dass sie gleichzeitig Heilpraktikerin ist, verleiht dem Vorgang zusätzliche Symbolkraft. Hier trifft ein gesundheitspolitischer Grundsatzbeschluss unmittelbar auf die berufliche Identität eines langjährigen Parteimitglieds.

Ob es sich um einen Einzelfall handelt oder um den Beginn einer breiteren Entwicklung, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Der Fall zeigt jedoch, dass die Homöopathie-Debatte inzwischen auch die eigenen Reihen der Grünen erreicht.


Entdecke mehr von HomoeopathieWatchblog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ein Kommentar

  1. Wenn ich nicht schon 2018 nach 34 Jahren bei
    Den Grünen ausgetreten wäre, als Anton Hofreiter den Umweltschutz gegen die Flüchtlinge ausspielen wollte,würde ich es jetzt tun. Der Anti – Homöopathiebechluss der
    Grünen ist ein absolutes Nogo gegen meine Gesundheit.

Kommentar hinterlassen

Bitte nutzen Sie Ihren Klarnamen, wenn Sie kommentieren oder den offenen Brief unterschreiben. So bleibt die Diskussion transparent. Beiträge unter anderen Namen schalte ich nicht frei.

Jeder Kommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft. Maßstab sind die Kommentarregeln (Link) und die DSGVO-Hinweise im Menü.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.