Journalisten und Verbände haben eine gemeinsame Eigenschaft:
Sie arbeiten öffentlich. Und öffentliche Arbeit muss sich bewerten lassen.
Weder Journalismus noch Verbandsarbeit sind sakrosankt. Wer sichtbar wirkt, muss Kritik aushalten, einordnen und beantworten. Das gilt für mich als Journalist genauso wie für Verbände, Vorstände oder Kampagnenakteure. Deshalb stelle ich mich den Fragen der Leser, die mich in den vergangenen Tagen erreicht haben.
Ein Unterschied zwischen mir und vielen Verbänden liegt allerdings offen zutage: Während ich antworte, bleiben zahlreiche Verbände auf konkrete Anfragen stumm. Oder sie setzen ihren Anwalt auf den Heilpraktiker-Newsblog wegen dessen Fragen zur Gesamtkonferenz an, wie am 29.1. geschehen (hier finden Sie Details).
Zwei Fragen tauchen dabei immer wieder auf.
Führt der Watchblog einen „Krieg“ gegen Verbände? Spaltet er die Homöopathie?
Die kurze Antwort lautet: nein.
Der Watchblog führt keinen Krieg gegen Verbände. Er kritisiert Verbände nicht aus Lust am Konflikt. Was er tut, ist etwas anderes: Er fragt öffentlich nach Wirkung, Sichtbarkeit und Verantwortung – dort, wo Verbände selbst den Anspruch erheben, für Heilpraktiker oder die Homöopathie zu sprechen.
Kritik an Verbänden ist keine Spaltung, sondern ein elementarer Bestandteil von Öffentlichkeit. Öffentlichkeit ist eine der zentralen Stärken unserer demokratischen Gesellschaft.
Spaltung entsteht nicht durch Fragen, sondern durch das Ausbleiben von Antworten.
Wer sagt: „Bitte kritisiere die Verbände nicht, das schwächt uns“, verwechselt Einheit mit Schweigen. Einheit entsteht nicht dadurch, dass man Probleme ausblendet, sondern dadurch, dass man sie offen bearbeitet. Gerade in einer Phase, in der Homöopathie politisch, medial und regulatorisch unter Druck steht, ist Transparenz kein Risiko, sondern Voraussetzung.
Der Watchblog stellt keine Lager gegeneinander. Er klärt Rollen. Verbände, die öffentlich auftreten, müssen erklären, was sie tun – und ebenso, was sie nicht tun. Viele Verbände sind eingetragene Vereine und unterliegen damit einer gesetzlichen Transparenzpflicht. Das ist kein Angriff, sondern ein Mindeststandard demokratischer Öffentlichkeit.
Ein weiterer, oft übersehener Aspekt: Verbände wie BDH, VKHD oder DZVhÄ vertreten Heilpraktiker und Ärzte. Mit diesen Therapeuten sind aber auch Patienten verbunden, die ein berechtigtes Interesse daran haben zu erfahren, warum Verbände auf Angriffe gegen Homöopathie, Heilpraktiker und Patienten öffentlich nicht reagieren.
Am Ende finanzieren Patienten über die Praxen auch die Verbandsstrukturen.
Und Patienten haben ein Recht auf Fragen – und auf Antworten.
Zumal Verbände, die für sich in Anspruch nehmen, Heilpraktiker, Ärzte und Patienten zu vertreten, über erhebliche Budgets verfügen, mit denen politische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit möglich wären (BDH über eine Million Euro, DZVhÄ rund 1,3 Millionen Euro laut Angaben gegenüber dem Bundestag).
Ist der Blogger „hyperaktiv“, weil er mehrere Artikel am Tag veröffentlicht?
Auch hier lautet die Antwort: nein.
Was von außen wie Hektik wirken kann, ist in Wahrheit journalistische Normalarbeit. Wenn sich die Nachrichtenlage verdichtet – Böhmermann, Grüne, Kanzleramt, Empirisches Gutachten, Verbandsreaktionen –, dann entstehen mehrere Texte. Nicht aus Nervosität, sondern weil Ereignisse zeitnah eingeordnet werden müssen.
Und ein weiterer Punkt ist entscheidend: Wenn der Watchblog darüber nicht berichtet, berichtet oft niemand darüber. Die Themen verschwinden nicht, sie wirken weiter – nur unbeobachtet und ohne Einordnung für die Homöopathie-Gemeinschaft.
Journalisten lernen genau das: recherchieren, einordnen, schreiben.
Ein druckreifer journalistischer Text von einer DIN-A4-Seite in kurzer Zeit ist kein Zeichen von Überdrehtheit, sondern von Ausbildung, Berufserfahrung und Routine.
Kein Therapeut würde auf die Idee kommen, einen erfahrenen Homöopathen, der etwa mit der Banerji-Herangehensweise in kurzer Zeit präzise arbeiten kann, als „hyperaktiv“ zu bezeichnen. Auch hier gilt: Was für Außenstehende nach Tempo aussieht, ist für Fachleute schlicht Kompetenz und Übung.
Überträgt man die eigene Beziehung zu Texten auf jemanden, der beruflich mit Texten arbeitet, entsteht leicht ein falscher Eindruck. Journalisten produzieren Text so, wie andere Diagnosen stellen oder Therapien durchführen – weil sie es gelernt haben und täglich anwenden.
Es ist eine Frage der Perspektive
Kein Therapeut würde einen Kollegen aus dem eigenen Fach für effizientes, professionelles Arbeiten pathologisieren. Erst der Blick von außen macht Produktivität zu „Hyperaktivität“.
Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, wie viele Texte erscheinen, sondern:
Sind sie sachlich? Sind sie überprüfbar? Sind sie relevant?
Genau daran lasse ich meine Arbeit messen.
Fazit
Der Watchblog spaltet nicht. Er fragt.
Er greift nicht an. Er ordnet ein.
Und er arbeitet nicht hektisch, sondern journalistisch.
Öffentlichkeit lebt davon, dass Arbeit sichtbar gemacht, hinterfragt und bewertet wird. Das gilt für Journalisten genauso wie für Verbände.
Wer Homöopathie und Heilpraktiker in einer schwierigen Zeit stärken will, sollte diese Unterscheidung nicht als Bedrohung begreifen, sondern als Chance.
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Ich nutze seit vielen Jahren homöopathische Arzneimittel und bin äußerst zufrieden mit den Ergebnissen. Klassische Produkte der Pharmaindustrie meide ich wo immer möglich. Für mich wäre es unverstellbar und absolut inakzeptebel, wenn ich keine qulitativ hochwertigen homöopathische Mittel mehr erhielte.
Daher herzlichen Dank an Sie, Herr Becker, für Ihre tolle Arbeit. Und ja – ich bin entsetzt zu sehen, wie die sogen. berufsständigen Verbände die Probleme – wie Herr Evers schildert – schon seit vielen Jahren, aber insbes. in den letzten Wochen ignorieren, totschweigen, sich hinter Plattitüden verstecken und so tun, als sei alles in Ordnung. Wäre ich Mitglied in einem dieser Verbände, würde ich mit sofortiger Wirkung austreten – ein Berufsverband, der seine Mitglieder nicht transparent, engagiert und offensiv auf allen Ebenen in der Öffentlichen Debatte vertritt und für Ihre Interessen kämpft, hat m.E. seine Existenzberechtigung verwirkt. Aber vielleicht wacht der eine oder andere ja noch rechtzeitig auf, bevor er wegen Passivität von der Bildfläche verschwindet (Abstimmung mit den Füßen ist ja manchmal ganz hilfreich).
Ich arbeite seit vielen Jahren als klassischer Homöopath und bin sehr enttäuscht, dass in einer Zeit (die schon sehr lange vorherrscht), in der die Homöopathie massiv angegriffen und deskreditiert wird (alle Medien steigen auf, aber niemand recherchiert sauber, um nicht immer die einseitigen und fehlerhaften Aussagen zu verbreiten, die GWUP und andere Gruppierungen ihnen vorgeben, was ein Armutszeugnis der journalistischen Arbeit ist und es geht durch alle Medien – das kann man schon seit sehr langer Zeit beobachten, leider nicht nur in der Berichterstattung über Homöopathie), die Verbände, welche uns vertreten und politisch aktiv sein und als Lobbyisten unsere Interessen auf der politischen Ebene vortragen und verteidigen sollten, sich nur auf ihren Lorbeeren ausruhen und kein Interesse haben, sich zu vereinen und ihre Stärke nutzen, um sich für unseren Beruf stark zu machen, in der Öffentlichkeit und bei den Parteien, die momentan eine Richtung einschlagen, die sie nur aufgrund von einseitiger Information und Bearbeitung vorgezeigt bekommen, ohne durch unsere Verbände eine Richtigstellung und Weichenstellung als Alternative zu erhalten. Sind die Verbände einfach nur zu gemütlich geworden? Warum stellen sie keine ungemütlichen Fragen? Wieso sind sie nicht in Kontakt mit allen politischen Parteien, damit unsere Therapieformen weiterhin die Stellung einnehmen, die sie verdienen? In anderen Ländern ist klassische Homöopathie Teil der GKV und genießt eine große Anerkennung durch die Bevölkerung, wird verteidigt und durch Volksentscheide legitimiert und in Deutschland, dem Land, in dem die Homöopathie von Samuel Hahnemann begründet wurde, gibt es keinen Rückhalt, nicht einmal durch die Verbände, die sich „klassische Homöopathie“ in ihre Namen schreiben und genügend Ressourcen hätten, um ihre Lobbyarbeit durchzuführen. Wir sind diejenigen, die sie finanzieren und erwarten deshalb, dass sie unsere Beiträge dafür nutzen, um für uns zu kämpfen, damit wir weiterhin unsere hochwirksamen Medikamente als solche verschreiben können und damit unsere Patienten weiterhin mit Sicherheit uns aufsuchen, weil wir einen großen Teil der medizinischen Versorgung dieses Landes darstellen und uns nicht weigern, mit unseren Kollegen aus der Schulmedizin zu kooperieren, wenn es erforderlich ist, um den Patientinnen und Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben.
Ich bin enttäuscht, aber das ist schon lange so, und ich freue mich, dass es Journalisten wie Christian Becker gibt, die sich für unsere Arbeit, unsere Medikamente und unsere Therapien einsetzt, der analysiert, der kommentiert und der Klarheit verschafft über das, was gerade auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen passiert, um unsere hochwertige medizinische Arbeit auf sehr empfindlicher Ebene zu schaden. Der Prozess, wie schon erwähnt, hat vor vielen Jahren begonnen, aber mittlerweile steht unser Beruf auf der Kippe, die ärztlichen Kollegen haben die Möglichkeit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ schon in fast allen Bundesländern verloren, unwiderruflich, und keiner hat dagegen gekämpft, jetzt geht es weiter mit der Diskreditierung der Heilpraktiker durch Akteure wie Böhmermann und keiner schreit, nur wenige der Betroffenen werden aktiv und schreiben Politikern und anderen gesellschaftlich relevanten Personen, um Einfluss zu nehmen und die Unwahrheiten zu widerlegen, die durch ewige Wiederholung wie Gebetsmühlen zum vorherrschenden Narrativ geworden sind. Aber es sind Lügen und nur durch unsere Öffentlichkeitsarbeit können wir erreichen, dass die Wahrheit wieder hergestellt wird. Wir sind ca. 50.000 Heilpraktiker (ich auch), wir versorgen ca. 29.000.000 Patientinnen und Patienten jährlich, wir sind ein großer Teil unseres Gesundheitswesen, wir sind fachlich kompetent und kooperieren mit unseren ärztlichen Kollegen immer, wenn es notwendig ist und so soll es auch weiterhin sein. Hand in Hand für unsere Patientinnen und Patienten arbeiten und ihnen die bestmöglichen medizinischen Optionen geben, die sie freiwillig und ohne Einschränkungen wählen können.
Lieber Herr Becker, vielen Dank für Ihre wertvolle Arbeit zur Wahrung unserer großartigen Heilmethode vor den Dampfwalzen der Pharma-Giganten, denen die Homöopathie ein Dorn im Auge ist und für die Offenlegung der Hintergründe. Wenn sich die Verbände durch Ihren ehrlichen Journalismus und berechtigte Kritik angegriffen fühlen, haben sie ihre Aufgabe nicht verstanden. Mit herzlichem Gruß Dr Michael Blum
…dieser Einschätzung möchte ich mich sehr gerne anschließen! Alles Gute für Ihre weitere Arbeit, Herr Becker!
Annette Lehmenkühler, Hp
Hallo Herr Becker, zu Ihrer Frage: ja – etwas. Sie haben bewundernswerter Weise den Glauben, man könnte „Hunde zum Jagen tragen“. Die meisten wollen aber in ihrer Heile-Welt-Blase bleiben und wollen nicht gestört werden. Auch die Verbände.