Fast zwei Monate nach der Sendung Jan Böhmermanns gegen Heilpraktiker wird derzeit offenbar über anwaltliche Schritte von einzelnen Verbänden nachgedacht, um ihre Darstellung in der Sendung überprüfen zu lassen. In einem Hinweis an den Newsblog heißt es wörtlich:
„Inwieweit die Darstellung des raubkopierten …-Logos mit Unterlegung eines verbandsfremden Textes in einer Satire-Sendung erlaubt ist und ein rechtliches Vorgehen begründet, prüft derzeit unser Rechtsanwalt.“
Dieser Satz mag nach Handlungsfähigkeit klingen. Tatsächlich birgt er erhebliche Risiken – nicht für einen Verband, sondern für alle Heilpraktiker, die ein faires und sauberes Prüfverfahren erwarten.
Denn: Sollte jetzt, vor der öffentlichen Beratung des Fernsehrats am 13. März, ein Verband juristisch aktiv werden oder versuchen, Einfluss zu nehmen, hätte das klare Nachteile für alle Heilpraktiker, wenn ein Verband sein Logo verteidigen möchte.
Ein solcher Schritt würde den wegen seines Logos klagenden Verband zum externen Interessenakteur machen, der in ein laufendes medienrechtliches Verfahren eingreift und den Eindruck erweckt, ein unabhängiges Gremium beeinflussen zu wollen. Das ist politisch hochsensibel.
Die Erfahrung zeigt eindeutig: Der Fernsehrat reagiert auf solchen Druck nicht mit Abbruch oder Entschärfung. Er reagiert mit Abschottung, mit formaler Strenge und mit erhöhter Ernsthaftigkeit – zum Nachteil des Heilpraktikers als Leitbeschwerdeführer und aller anderen Heilpraktiker, die eine Programmbeschwerde eingereicht haben. Je größer der äußere Druck, desto geringer wird der Spielraum für eine sachliche, nüchterne Prüfung – und desto unmöglicher wird ein leises oder pragmatisches Verfahrensergebnis.
Wer jetzt als Verband juristisch aus rein verbandlich internen Gründen eskaliert, riskiert also nicht nur das Verfahren selbst, sondern schadet der gesamten Heilpraktikerschaft, deren Anliegen gerade erstmals auf dieser Ebene öffentlich verhandelt werden.
Rechtsmittel haben ihren Platz.
Aber erst nach dem 13. März.
Alles andere gefährdet genau das, was angeblich geschützt werden soll.
Eine deutliche Bitte von mir als Journalist an einen Verband:
Überlassen Sie Medienarbeit den Profis wie Journalisten oder PR-Beratern.
Ansonsten gefährden Sie mit einem Anwaltsbrief aus egoistischen Motiven den gemeinschaftlichen Erfolg von Heilpraktikern, die es zusammen mit mir als Journalist geschafft haben, dass das ZDF-Verfahren gegen Jan Böhmermann eröffnet wird.
Ich habe mich hoffentlich deutlich genug ausgedrückt.
Christian J. Becker, Journalist und Aktivist für Heilpraktiker seit 2018
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