Frankreich kämpfte, Deutschland schweigt – die Homöopathie steht vor dem Aus: Wie Homöopathie-Akteure darauf reagieren

Als Frankreich die Erstattung der Homöopathie aus dem staatlichen Gesundheitssystem vor einigen Jahren streichen wollte, blieb die Reaktion der Homöopathie-Szene nicht aus. Es formierte sich eine sichtbare Gegenbewegung mit der Kampagne „Mon Homéo Mon Choix“, getragen von Ärzten (dem Arztverband), Herstellern (Weleda, Boiron), Patientenorganisationen und Kampagnenstrukturen. In Deutschland zeigt sich aktuell ein anderes Bild. In Deutschland haben die Homöopathie-Verbände offensichtlich die Therapie (inkl. Patienten und Therapeuten) schon seit langem aufgegeben, schweigen und unternehmen nichts.

Frankreich: organisierter Widerstand auf der Straße und in der Öffentlichkeit

In Frankreich entstand mit „Mon Homéo Mon Choix“ eine zentrale Kampagne, die frühzeitig auf Mobilisierung setzte. Patienten wurden aktiv eingebunden, Ärzte traten öffentlich auf, Hersteller positionierten sich und es gab konkrete Aktionen vor Ort. So protestierte beispielsweise ein Kollektiv vor dem Büro eines Abgeordneten, um politischen Druck sichtbar zu machen. Und es gab eine große Demonstration.

Die Kampagne arbeitete systematisch:

  • regelmäßige Newsletter und Kommunikation (siehe das Beispiel unter diesem Artikel)
  • professionelle Öffentlichkeitsarbeit verschaffte der Homöopathie und Kampagne eine Stimme (hier ein Beispiel eines Tageszeitungsberichts über die Kampagne, Link)
  • Einbindung von Patientenstimmen
  • öffentliche Aktionen und Proteste
  • politische Ansprache von Abgeordneten
  • Petition zur Verteidigung der Erstattung

Wichtig ist dabei die Form der Reaktion: sichtbar, organisiert, öffentlich.

Deutschland: keine gemeinsame Linie, keine sichtbare Aktion

In Deutschland ist die Situation aktuell grundlegend anders. Obwohl der Kanzleramtsminister im Januar 2026 die Streichung angekündigt hatte, die Finanzkommission am 30.3. die Streichung empfohlen hat,  die Gesundheitsministerin die Streichung der Homöopathie aus der GKV inzwischen am 14.4. selbst öffentlich angekündigt hat, bleibt eine koordinierte Reaktion der Homöopathie-Gemeinschaft aus.

Was stattdessen zu beobachten ist:

  • vereinzelte fachliche oder persönliche Rückmeldungen
  • keine Öffentlichkeitsarbeit
  • keine politische Kommunikation
  • keine gemeinsame Kampagne
  • keine Aktivitäten von Homöopathie-Verbänden oder Herstellern
  • keine sichtbaren Proteste
  • keine zentrale Mobilisierung von Patienten

Selbst größere Akteure der Szene wie DZVHAE, weils hilft, BPH und der Dachverband der Homöopathie-Hersteller Pharma Deutschland treten bislang kaum öffentlich in Erscheinung. Diese Akteure verdienen viel Geld mit der Homöopathie. Eine angekündigte gemeinsame Petition der Verbände weils hilft und DZVHA ist bislang nicht sichtbar geworden. Der Watchblog hatte eine Bundestagspetion auf Wunsch dieser beiden Verbände zurückgezogen, weil sie eine Verbands-Petition durchführen wollten.

Ein struktureller Unterschied

Der Vergleich zeigt einen grundlegenden Unterschied im Umgang mit politischem Druck gegen die Homöopathie.

In Frankreich wird eine politische Entscheidung als Anlass für Mobilisierung verstanden.

In Deutschland wird sie mit wenigen Ausnahmen einfach hingenommen

Die einzige sichtbare Gegenbewegung: Homoeopathiewatchblog und seine Leser

Aktuell entsteht öffentliche Aktivität vor allem außerhalb der klassischen Verbandsstrukturen. Der Homoeopathiewatchblog hat in den vergangenen Wochen mehrere Maßnahmen mit seinen Lesern im Rahmen der Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie gestartet:

  • Briefaktionen an Gesundheitspolitiker
  • Veröffentlichung von Patienten- und Arztstimmen
  • offene Briefe
  • politische Anfragen über Abgeordnetenwatch
  • kontinuierliche Berichterstattung und Einordnung

Diese Aktivitäten ersetzen derzeit in Teilen das, was in anderen Ländern von Kampagnen oder Verbänden ausgeht.

Was der Vergleich zeigt

Der Blick nach Frankreich macht deutlich: Selbst wenn politische Entscheidungen am Ende nicht verhindert werden, kann die Art der Reaktion den öffentlichen Diskurs prägen.

In Deutschland fehlt diese Ebene bislang weitgehend.

Während in Frankreich eine Bewegung entstanden ist, ist in Deutschland bislang keine erkennbar.


Newsletter der französischen Kampagne

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