Pharma-Industrie positioniert sich erstmals öffentlich gegen Homöopathie: „Deshalb wäre es richtig, die Homöopathie .. zu streichen …“

Bisher hat sich die Pharmaindustrie mit öffentlichen Äußerungen zur Homöopathie weitgehend zurückgehalten. Das hat sich seit dem Bericht der Finanzkommission Gesundheit am 30.3. und der Verkündung des GKV-Aus der Homöopathie durch die Gesundheitsministerin am 14.4. verändert. Im Umfeld der pharmazeutischen Industrie wird nun öffentlich eine Position zur Homöopathie formuliert. Sie nutzt dafür ihre Informationswebseite Pharma Fakten.

In einem Interview mit Prof. Thomas Hammerschmidt auf „Pharma Fakten“ heißt es wörtlich am 15.4.: „Mir gefällt besonders der Fokus auf evidenzbasierte Medizin, auch wenn die spezifischen Vorschläge nur kleine Einsparmöglichkeiten aufweisen. Aber die Leistungen, die im Gesundheitssystem erbracht werden, sollten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und den Menschen tatsächlich helfen. Deshalb wäre es richtig, die Homöopathie .. zu streichen …“ Thomas Hammerschmidt ist Gesundheitsökonom und Dekan einer Fakultät für Gesundheits- und Sozialwissenschaften an der Technischen Hochschule Rosenheim.

Der Satz fällt als Antwort auf die Frage, welche Vorschläge der Finanzkommission umgesetzt werden sollten. Er steht damit nicht isoliert, sondern im Zentrum der Argumentation.

Pharma Fakten: Eine Plattform aus dem Umfeld der Pharma-Industrie

Die Plattform Pharma Fakten ist Teil der organisierten Kommunikationsarbeit im Umfeld der pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Nach eigenen Angaben wird sie von einem Verein getragen, in dem Unternehmen der Branche vertreten sind. Seit ihrer Gründung veröffentlicht die Seite regelmäßig Interviews mit Experten, Studien und Auswertungen sowie Einordnungen zu gesundheitspolitischen Entwicklungen.

Auffällig ist die Form: Die Inhalte erscheinen im Stil journalistischer Beiträge, mit Interviews, Grafiken und Nachrichtenformaten. Gleichzeitig handelt es sich um ein Angebot mit klarer thematischer Ausrichtung auf gesundheitspolitische und wirtschaftliche Fragen der Arzneimittelversorgung.

Einordnung über Evidenz – und über Kosten

Der Interviewpartner Thomas Hammerschmidt begründet seine Position mit einem bekannten Argument: „Die Leistungen, die im Gesundheitssystem erbracht werden, sollten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und den Menschen tatsächlich helfen.“

Das entspricht der Linie, die die Bundesregierung derzeit öffentlich vertritt. Auffällig ist im Interview jedoch ein zweiter Aspekt: die Dringlichkeit der finanziellen Situation. „Diese Vorschläge entlasten die GKV in einem sehr großen Umfang. Die Bundesregierung muss daraus jetzt ein Sparpaket zimmern, das schnell wirkt.“

Die Forderung nach Evidenz steht damit im Kontext eines akuten Sparbedarfs. Die Homöopathie wird in diesem Zusammenhang im Interview ausdrücklich als ein Bereich genannt, bei dem angesetzt werden kann.

Eine Position im größeren Zusammenhang

Die Aussage zur Homöopathie steht damit nicht für sich allein. Sie fügt sich in eine Entwicklung ein, die sich seit Tagen abzeichnet. Die Bundesregierung stellt die Finanzierung von Leistungen unter den Vorbehalt eines „nachweislichen Nutzens“. Die Vorschläge der Finanzkommission folgen dieser Logik. Das Interview auf „Pharma Fakten“ greift diese Argumentation auf – und formuliert eine mögliche Konsequenz.

Fazit

Mit dem Interview wird eine weitere Position öffentlich sichtbar. Die Debatte um die Zukunft der Homöopathie in der gesetzlichen Krankenversicherung wird nicht mehr nur politisch geführt. Auch aus dem Umfeld der pharmazeutischen Industrie werden entsprechende Bewertungen öffentlich formuliert.

 

 


 

 

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Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

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Ein Kommentar

  1. Die negativen Stellungnahmen resultieren daraus, dass im Vergleich zu früheren Jahren keinen Rückhalt mehr in der Politik, vielen Kliniken und Uniprofessoren gibt und sich die Pharmapropaganda tief in die Köpfe eingegraben hat.

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