Warum der Homoeopathiewatchblog jetzt den nächsten Schritt geht – gemeinsam mit seinen Leserinnen und Lesern
Die letzten Wochen waren keine normale Phase für die Homöopathie in Deutschland. Sie waren eine Ausnahmesituation. Wer sie aufmerksam verfolgt hat, weiß: Das war kein punktuelles Störfeuer, sondern eine Kette politischer, medialer und standespolitischer Angriffe, wie wir sie in dieser Dichte lange nicht erlebt haben.
Seit dem 15. November ging es Schlag auf Schlag.
Erst die Grünen, die die Homöopathie erneut zum ideologischen Feindbild erklärten und den politischen Druck weiter erhöhten. Dann die Böhmermann-Sendung, die den Heilpraktiker-Beruf öffentlich delegitimierte und mit journalistischen Mitteln nichts mehr zu tun hatte. Kurz darauf Gassen, der als oberster Kassenarztsprecher den nächsten Baustein für den Ausschluss der Homöopathie aus der Versorgung lieferte. Und schließlich der CDU-Schwenk gegen Homöopathie, der zeigte, dass selbst der bisherige parteiübergreifende Binnenkonsens zur Therapiefreiheit brüchig wird.
Vier Punkte, die man nicht isoliert betrachten darf. Zusammengenommen markieren sie einen Wendepunkt.
Feuerwehrmann-Modus: Wenn man nicht reagieren darf, sondern muss
In einer solchen Lage gibt es keine Zeit für lange Strategiepapiere. Dann geht es darum, da zu sein. Zu erklären. Einzuordnen. Alarm zu schlagen. Werkzeuge an die Hand zu geben. Öffentlichkeit herzustellen, wo sonst Schweigen herrscht.
Genau das war der Auftrag des Watchblogs mit seinen Lesern in den vergangenen Wochen.
Programmbeschwerden zum ZDF, juristische Einordnungen, politische Analysen, Hintergrundrecherchen, Einordnung von Lobbystrukturen, Aufklärung über die realen Folgen für Heilpraktiker, Ärzte und Patienten. Das war keine Lust an der Eskalation, sondern notwendige Verteidigungsarbeit.
Das war notwendige Feuerwehrarbeit der Homöopathie-Gemeinschaft.
Wer nicht löscht, lässt brennen. Und wer nicht widerspricht, überlässt das Feld denen, die Homöopathie und Heilpraktiker am liebsten aus dem Gesundheitswesen verdrängen würden.
Dass so viele Leserinnen und Leser diesen Weg mitgegangen sind, Kommentare geschrieben, Artikel geteilt, Programmbeschwerden eingereicht, Mails verschickt und den Watchblog mit Kaffee unterstützt haben, war nicht selbstverständlich. Es war ein starkes Zeichen. Und dafür möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Danke sagen.
Ohne diese Homöopathie-Gemeinschaft wäre diese Phase nicht zu stemmen gewesen.
Warum Feuerwehrarbeit allein nicht reicht
So notwendig diese Reaktionsphase war, so klar ist auch: Dauer-Alarm kann kein Zustand sein. Wer ständig nur Brände löscht, kommt nie dazu, ein Haus zu bauen.
Und genau an diesem Punkt stehen wir jetzt.
Die Angriffe der vergangenen Wochen haben eines sehr deutlich gemacht: Homöopathie ist kein Randthema mehr. Sie ist ein politisches Symbolthema geworden. Sie wird benutzt, um Machtfragen, Weltbilder und Deutungshoheit im Gesundheitssystem auszutragen.
Das bedeutet aber auch: Wer Homöopathie erhalten will, darf nicht nur reagieren. Er muss gestalten.
Er muss eigene Themen setzen. Eigene Allianzen schmieden. Eigene Öffentlichkeit aufbauen. Und er muss aufhören, sich nur zu verteidigen.
Vom Feuerwehrmann zum Architekten
Deshalb wird sich der Fokus des Watchblogs in den kommenden Wochen bewusst verschieben. Nicht weg von der kritischen Beobachtung. Nicht weg von der journalistischen Begleitung. Aber hin zu einem konstruktiven, strategischen, aufbauenden Modus.
Weg vom reinen Alarmismus. Hin zu einer gemeinsamen Bewegung. Eine Bewegung von Patienten, Heilpraktikern, Ärzten, Ausbildern, Wissenschaftlern und Unterstützern, die nicht mehr nur hoffen, dass „es schon nicht so schlimm kommt“, sondern die aktiv dafür sorgen, dass Homöopathie auch in Zukunft ihren Platz im Gesundheitswesen behält.
Das ist kein Hinterzimmerprojekt. Das ist kein Verbandsspiel. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Und sie beginnt hier.
#rettedeinehomöopathie – eine Kampagne aus der Mitte der Homöopathie-Gemeinschaft
Unter dem Motto #rettedeinehomöopathie startete am 1.1. ein Mitmachkampagne, die genau diesen Perspektivwechsel vollziehen will. Nicht aus einer Geschäftsstelle heraus, nicht aus Parteibüros, sondern aus der Mitte derjenigen, die Homöopathie täglich anwenden, lehren, erforschen und nutzen.
Menschen, für die Homöopathie keine Ideologie ist, sondern Teil ihrer Gesundheitsbiografie. Menschen, die erlebt haben, was Therapiefreiheit bedeutet. Und die wissen, was verloren geht, wenn man sie aufgibt.
Der Watchblog versteht sich dabei nicht als Kommandozentrale, sondern als Plattform. Als Ort, an dem Information, Vernetzung und Aktion zusammenkommen. Als journalistischer Resonanzraum für eine Bewegung, die größer ist als einzelne Organisationen.
Gemeinsam bauen
Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell politische Mehrheiten kippen können, wenn eine laute Minderheit das Feld besetzt und die schweigende Mehrheit sich zurückzieht. Das darf nicht noch einmal passieren.
Jetzt ist der Moment, in dem aus Feuerwehrleuten Architekten werden. In dem aus Abwehr Gestaltung wird. In dem aus Empörung Organisation entsteht. Der Watchblog wird diesen Weg begleiten. Mit Recherche, Analyse, Öffentlichkeit und – wo nötig – auch weiterhin mit klarer Kante.
Aber vor allem gemeinsam mit seinen Leserinnen und Lesern.
Denn Homöopathie hat eine Zukunft.
Wenn wir sie als Homöopathie-Gemeinschaft zusammen bauen.
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Zunächst herzlichen Dank für all das Engagement.
Was sehr schade ist: es ist nicht so einfach, die empfohlenen Maßnahmen zur Umsetzung zu bringen. Ich habe das von vielen auf Nachfrage gehört, dass das Vorgehen zu kompliziert erschien und es deshalb nicht zustande kam.
Meine Frage nun: gibt es nicht eine Möglichkeit, das Verfahren zu vereinfachen, damit möglichst viele mitmachen können?
Vielen Dank
Danke Frau Lettenbauer für den Hinweis. Vielleicht könnten Sie deutlich machen, was zu kompliziert ist. Was ich ändern könnte, damit noch mehr mitmachen. Bitte um konkrete Hinweise bei welchen Maßnahmen, z.B. bei Programmbeschwerde ZDF. Danke und Gruß Christian Becker
Eine sanfte Medizin, die wirkt und preisgünstig ist. Das sollte doch wohl jeder wollen und fördern. Tatsächlich sind da die Pharmariesen mit ihrer Lobbyarbeit nicht interessiert. Die oft kleinen Hersteller von Homöpathie werden ums Überleben kämpfen. Kämpfen wir mit!
Danke Ihnen Frau Feil. Und danke für Ihren Appell und Ihre Einschätzung. Vielleicht haben Sie eine Erklärung, weshalb die „oft kleinen Hersteller von Homöopathie“ kaum öffentlich wahrnehmbar sind und kaum ihre Stimme erheben, obwohl die meisten in zwei Pharmaverbänden wie Pharma Deutschland und BPI organisiert sind. Warum sind diese beiden Verbände der Hersteller so still. Vielleicht haben Sie eine Vermutung? Dank und Gruß Christian J. Becker, Redaktion Homoeopathiewatchblog