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Zum ersten Mal seit zwei Jahren stimmte eine Ärztekammer für Homöopathie: Rheinland-Pfalz schlägt Modernisierungs-Kurs der ärztlichen Ausbildung ein – inkl. Globuli

Ärztekammern haben in den letzten zwei Jahren eine nach der anderen die Homöopathie aus ihrer Weiterbildung gestrichen. Doch eine Kammer leistet jetzt gegen diesen Trend Widerstand. Sie behält die Zusatzbezeichnung Homöopathie. Wie es zur positiven Entscheidung am 28.4. kam, besprach ich mit der Pressesprecherin der Kammer, Ines Engelmohr. Was sie sagt, ist für die Strategie der Homöopathie-Community wichtig, wenn es um zwei weitere Kammer-Entscheidungen in diesem Jahr geht. Außerdem sprach ich mit Ulrike Fröhlich als einer gewichtigen Stimme der auf Homöopathie spezialisierten Ärzt*innen. Auch ein Arztverein kommt zur Wort. Und ich werfe einen Blick darauf, welche große Niederlage die Kammerentscheidung für die neue Chefin der Anti-Homöopathie-Lobby ist.

Was hat die Kammer wie entschieden?

Die Ärztekammer Rheinland-Pfalz hat auf ihrer Delegiertenversammlung am 28. April entschieden, dass Homöopathie Teil der neuen Weiterbildungsordnung bleibt. Wie ist es dazu gekommen? Das fragte ich Ines Engelmohr, Pressesprecherin der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Sie sagt, dass es im Vorfeld der Entscheidung keine Diskussion um die Homöopathie gegeben habe. Dementsprechend habe der Vorstand der Kammer den Delegierten vorgeschlagen, die Homöopathie auch in der neuen Weiterbildungsordnung zu belassen. Auf der Online-Delegiertenversammlung habe es daraufhin eine kurze Diskussion und ein „Stimmungsbild“ über die Weiterbildung Homöopathie gegeben. Kritiker der Homöopathie hätten mit dem Thema Evidenz, Befürworter mit dem Patientenwunsch argumentiert. Ein „Stimmungsbild“ unter den Delegierten habe 31 Stimmen für die Homöopathie, 14 Stimmen gegen sie ergeben (plus einige Enthaltungen), so die Pressesprecherin. Danach sei die neue Weiterbildungsordnung (WBO) (mit der Homöopathie) als Ganzes von den Delegierten verabschiedet worden. Die WBO wird in der ärztlichen Fachpresse als „modern“ bewertet, da die Kammer Rheinland-Pfalz als Erste bei der Weiterbildung Innere Medizin den Ärzten auch einen fachübergreifenden Blick in andere Disziplinen ermöglicht.

Wie bewertet die Homöopathie-Community die Entscheidung?

Die letzten zehn Entscheidungen von Kammern sind gegen die Homöopathie ausgefallen. Rheinland-Pfalz nimmt eine Sonderstellung ein, da sie die erste Kammer ist, die sich in letzter Zeit für Homöopathie ausgesprochen hat. Wie bewerten das Ärzt*innen, die auf Homöopathie spezialisiert sind? Ulrike Fröhlich, Vorsitzende der Hahnemann-Gesellschaft („Deutschlands führende Homöopathie-Organisation“, wie der Deutschlandfunk sie nennt), zeigt sich im Gespräch mit dem Homoeopathiewatchblog begeistert: „Der Erhalt der Zusatzbezeichnung Homöopathie in Rheinland-Pfalz ist großartig und ein starkes Signal an die Ärztekammern in Bayern und Berlin, deren Entscheidung über die Zusatzbezeichnung Homöopathie noch ausstehen. Dieses Bekenntnis der Ärztekammer zeigt die Wertschätzung und kollegiale Anerkennung der Ärzteschaft für ihre homöopathischen Kolleginnen und Kollegen. Auch zeugt es von großem Respekt vor den Patienten. Seit Jahren wünschen sie sich mit großer Mehrheit und weiter zunehmend ein selbstverständliches Miteinander der konventionellen Medizin und der Homöopathie. Dazu ist eine gute Ausbildung essenziell.“

Auch die lokale Repräsentantin des Arztvereins DZVHAE im Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz, Siglinde Lauer, äußert sich im Gespräch mit einem Internetblog: „Wir freuen uns, dass die Delegierten uns ihr Vertrauen ausgesprochen haben und dass Ärztinnen und Ärzte auch in unserem Land die Zusatzbezeichnung Homöopathie weiterhin erlangen können.“

Wie kam es zur Entscheidung?

Rheinland-Pfalz ist das erste Bundesland, das die Homöopathie behält, nachdem zuvor sich zehn Länder gegen sie entschieden haben. Das wirft die Frage auf, wie es dazu kam. Was ist das Besondere in diesem Land, das es sich für die Homöopathie ausspricht? Hier die Analyse. Sie analysiert sechs Fakten, die wichtig sind für die Strategie der Homöopathie-Community wichtig wenn es um zwei weitere Kammer-Entscheidungen in diesem Jahr geht. Aus Rheinland-Pfalz kann die Homöopathie viel lernen – wenn sie will und offen ist.
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Warum ging die Anti-Homöopathie-Lobby baden?

Seit 2018 lobbyiert die Homöopathie-Lobby nachweislich gegen die Homöopathie-Zusatzbezeichnung in Rheinland-Pfalz. Die hat versucht, über Medien Druck auf die Ärzte der Kammer aufzubauen und wurde dabei von zwei CDU-Abgeordneten im Landtag unterstützt. Wie lief das ab, warum ist die Lobby (glücklicherweise) gescheitert und wie groß ist die Niederlage für die neue Chefin der Anti-Homöopathie-Lobby?
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