homöopathie

Ärztin Eva Koll analysiert, wie ARD mit Krimi Propaganda gegen Homöopathie macht

Augenscheinlich findet in ARD und ZDF eine orchestrierte PR-Kampagne gegen Homöopathie statt. Das erkennt man daran, dass in zwei Sendungen dieser Sender die gleichen Botschaften gegen Homöopathie auftauchen. In beiden Sendungen tauchen die Botschaften gegen Homöopathie auf, die deckungsgleich mit den Botschaften der Anti-Homöopathie-Lobbygruppe aus Rossdorf sind. Es handelt sich um den politischen ZDF Zoom-Beitrag (Link) und den Krimi „Die Kanzlei“ in der ARD (Link). Der HomoeopathieWatchblog hatte dazu aufgerufen, Protestbriefe an Gremien von ARD und ZDF zu schreiben. Viele Heilpraktiker und Ärzte haben daraufhin geschrieben.

Ich habe die Ärztin für Homöopathie Dr. med. univ. Eva Koll gebeten, den Krimi „Die Kanzlei“ aus ihrer Sicht als Homöopathie-Expertin zu analysieren. Ihr Fazit: „Systematisch werden die bekannten Botschaften der Anti-Homöopathie-Lobby im Film platziert und zwar in jeder Szene, in der die Homöopathie eine Rolle spielt. Es fällt auf, dass kaum eine der vielen Anti-Homöopathie-Aussagen adäquat beantwortet wird.“

Hier ihre ausführliche Auswertung:


Dr. med. univ. Eva Koll

Der Kram wirkt

Kurze Betrachtung einiger homöopathiefeindlicher Kernaussagen des Krimis „Die Kanzlei – ohne Spuren“

Im Krimi „Die Kanzlei – ohne Spuren“ vom 29.01.19 (ARD) geht es um den Fall einer krebskranken Patientin, die in homöopathischer Behandlung bei einem Heilpraktiker war. Sie hatte persistierende heftige Magenbeschwerden auch unter Einnahme des homöopathischen Mittels Nux vomica. Die Patientin folgte den Empfehlungen des Heilpraktikers zu einer Magenspiegelung solange nicht, bis es „zu spät“ war und ein metastasierter Magenkrebs diagnostiziert wurde. Um die Kosten für ihre Chemotherapie weiter privat tragen zu können, möchte ihr Mann mit Hilfe des homöopathiekritischen Anwalts Markus Gellert die Pharma-Firma verklagen, die das Nux vomica hergestellt hat. Letztendlich (Achtung Spoiler!) zahlt die Firma 100.000Euro ohne Schuldeingeständnis an das Ehepaar. Die Aufklärung eines gewaltsamen Todes erscheint im Film als Nebenhandlung.

Schon in den ersten Minuten der Sendung wird formuliert, was im Laufe der Handlung fast mantraartig von verschiedensten Personen wiederholt werden wird: Homöopathie sei „Kram“ und „Käse“ und wirke nicht.

Systematisch werden die bekannten Botschaften der Anti-Homöopathie-Lobby im Film platziert und zwar in jeder Szene, in der die Homöopathie eine Rolle spielt. Es fällt auf, dass kaum eine der vielen Anti-Homöopathie-Aussagen adäquat beantwortet wird.

Eine der zwei Figuren, die die Homöopathie verteidigen (denn sie wird im Streifen permanent angegriffen), ist die Rechtsanwältin Isa von Brede. Sie formuliert, dass es ein „engstirniges Vorurteil“ sei, nicht an die Wirkung der Homöopathie zu glauben und dass „immer mehr Menschen homöopathische Mittel nehmen und damit sehr zufrieden sind“. Allerdings bezeichnet sie sich auch selbst als „seltsam“ und ihre Aussage, sie nehme Globuli ein, um sich „zu stabilisieren“ (untermalt von mehrmaligem Einwerfen von Kügelchen, nachdem sie mit weit aufgerissenen Augen penibel 8 Tropfen aus einer Pipette abgezählt und geschluckt hat), tragen nicht zu ihrer Glaubwürdigkeit bei.

Auf Gellerts Aussage, „dass der Wirkstoff in der Flüssigkeit gar nicht mehr nachzuweisen ist, das heißt leider auch, die Wirkung des Medikaments nicht“ erklärt der Heilpraktiker Herr Bohland als zweiter Vertreter der homöopathischen Seite nur, dass die Wirkung der Mittel jeden Tag in der Praxis erlebt werden könne. Es fehlen Aussagen zu lange erbrachten Wirknachweisen, zu klinischen Studien, zur Versorgungsforschung, zur Grundlagenforschung oder auch zum entscheidenden Unterschied zwischen Wirksamkeit und Wirkmechanismus.

Im Gegenteil: Taktisch sehr geschickt kommt von der vordergründig homöopathie-freundlichen, schnippisch und finanzfixiert auftretenden Justitiarin des homöopathischen Pharma-Unternehmens die Aussage, dass die „Wirksamkeit unserer Präparate (…) nicht durch sogenannte klinische Tests bewiesen [wird], sondern durch Erhebung unter den Nutzern“.

Die Mär des fehlenden Wirksamkeitsnachweises der Homöopathie wird immer wieder von den verschiedensten Charakteren des Filmes aufgegriffen.

Ebenso penetrant wird die aus der Luft gegriffene Idee der „Homöopathie-Gläubigkeit“, der Homöopathie als „ne Art Religion“ wiederholt.

Nicht nur Herr Gellert spricht der Homöopathie die medizinische Seriösität ab, auch die Pharma- Sprecherin erklärt: „Wenn mein Vater auf eine seriöse [i.e. nicht-homöopathische] Therapie verzichtet hätte, hätte er von mir was zu hören bekommen!“

Der Rechtsanwalt wirft dann noch rasch Diagnostik und Therapie in einen Topf und erklärt, die Patientin habe an „dieses Brechnussmittel (…) offenbar mehr geglaubt“ als an eine Gastroskopie. Dass die Befunderhebung und (Verdachts-)Diagnose einer Therapie idealerweise vorausgeht, ist in der homöopathischen Medizin nicht anders als in allen anderen Therapieformen. Und weder an Nux vomica noch an Endoskopien muss man glauben, um die jeweils möglichen, vollkommen unterschiedlichen Nutzen aus ihnen ziehen zu können. Der Satz macht aber im Gefüge des Filmes durchaus Sinn und weist einmal mehr auf die Kernaussage des Krimis (und der Anti-Homöopathie-Lobby) hin: Homöopathie sei nicht nur nutzlos, sie sei „ein echtes Risiko“, „weil Leute wegen dieser Mittel auf wirksame Medikamente verzichten“. Die Behauptung impliziert zum einen wieder einmal, dass homöopathische Mittel keine wirksamen Medikamente sind – dem widerspricht der aktuelle Wissensstand der Forschung. Zum anderen wird hier behauptet, dass homöopathisch behandelte Personen riskanter leben als andere, da sie keine konventionellen Medikamente einnähmen. Welches Risiko sie damit eingehen, wird nicht ausgesprochen – Vermutlich sollte der Satz aber keine Anspielung auf das Risiko lebensqualitätsmindernder unerwünschter Arzneiwirkungen der chemischen Therapien sein.

Der Film bietet noch einiges mehr an offenen, wohlbekannten Anti-Homöopathie-Aussagen und subtiler, versteckter Meinungsmache. Mir ging es in dieser kurzen Betrachtung weder um Vollständigkeit, noch um die Diskussion der altbekannten Argumente – In diesem Zusammenhang kann ich nur immer wieder Prof. Walachs wertvolle Reihe der „populärsten Irrtümer über die Homöopathie und die konventionelle Medizin“ (https://www.homöopathie-forschung.info/) empfehlen.

Vielmehr möchte ich noch einmal auf die Tatsache hinweisen, dass die ARD zur besten Sendezeit massiv Stimmung gegen Homöopathie macht. Wie kommt das zustande? Und wie können solche einseitigen Sendungen in Zukunft verhindert werden? Fest steht: Die Öffentlichkeit und konkret die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen unser Feedback – und unsere Wünsche für kommende Sendungen!

(Kontakt ARD: info@daserste.de – Kontakt ZDF: zuschauerservice@zdf-service.de)

Dr. med. univ. Eva Koll

 


 

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