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CSU hält Fürrede zur Homöopathie im Bayrischen Landtag: hier die 4-minütige Rede im Video inkl. Reaktionen von Heilpraktikern und Ärzten

Auf den (gescheiterten) Antrag der FDP im Bayrischen Landtag, die Homöopathie bei der GKV verbieten zu wollen, reagiert der CSU-Abgeordnete Klaus Holetschek. Er hält eine Rede am 25. September im Landtag, in der er sich gegen den Antrag der FDP und für Erhalt der Homöopathie in der GKV ausspricht. Hier der Mitschnitt seiner 4-minütigen Rede (Klicken zum Abspielen):

 

(falls das Facebook-Video bei Ihnen nicht startet, kann das an den Einstellungen Ihres Browsers liegen. Dann können Sie das Video direkt bei Facebook ansehen. Hier der Link: https://www.facebook.com/holetschek/videos/vb.515285941922173/532189100863395/?type=2&theater).

Am Vortag hatte eine homöopathische Augenärztin in der BR-Sendung gesund erklärt, wie sie Homöopathie in ihrer Praxis einsetzt. Auch eine Patientin kam zu Wort und bestätigte die Ärztin Dr. Claudia Rehfueß (Link zum BR-Beitrag.

So kommentieren Heilpraktiker und Ärzte  für Homöopathie die Rede auf der Facebook-Seite des Abgeordneten:

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Hier die Abschrift von Klaus Holetscheks Rede inkl. Zwischenrufe:

Klaus Holetschek (CSU): Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon erstaunlich, was wir hier alles als Dringlichkeitsantrag behandeln. Unser Gesundheitswesen hat sicher viele Fragestellungen. Über eine haben wir gerade diskutiert, das ist die Pflege. Ärztemangel, Krankenhäuser – es gibt viele Dinge, mit den wir uns zu Recht beschäftigen. Wenn aber die Abschaffung der Homöopathie Gegenstand eines Dringlichkeitsantrages ist, dann wundert mich das schon.

(Unruhe bei der FDP)

Wie immer kann man der FDP den Vorwurf nicht ersparen, dass sie ein Stück weit Klientelpolitik macht. Sie müssen sich an den Menschen orientieren. Das Gesundheitswesen muss sich noch mehr an den Menschen und an den Patienten orientieren. Wenn Sie die Umfragen anschauen würden, wie die repräsentative Forsa-Um- frage vom Mai 2017 vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, dann wüssten Sie, dass knapp die Hälfte der Bundesbürger ab 18 Jahren schon Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht hat.

(Martin Hagen (FDP): Mit dem Kiffen auch!)

Wenn Sie den „Bertelsmann Gesundheitsmonitor“ angeschaut hätten, dann wüssten Sie, dass 84 % der Befragten den Arzt gezielt nach homöopathischen Mitteln gefragt haben. Rund 75 % der Bevölkerung wünschen sich eine integrative Medizin, das heißt Naturmedizin und Schulmedizin gemeinsam. Natürlich kann man über die Homöopathie auch kritisch reden. Selbstverständlich. Dann würde ich mir aber wünschen, dass wir die Forschung intensivieren. Man kann nicht auf der einen Seite kritisieren, dass es vielleicht keinen Effekt gibt, auf der anderen Seite aber keine Forschung betreiben. Ich glaube, da müssen wir nachlegen, gerade was die integrative Medizin insgesamt angeht, ist das wichtig. Natürlich brauchen wir randomisierte kontrollierte Studien. Die gibt es auch schon. Da müssen wir aber vielleicht das eine oder andere besser machen, damit wir die evidenzbasierte Medizin nach vorne bringen.

Ich will Ihnen aber sagen, in der Naturmedizin gibt es viel Gutes. Ich denke zum Beispiel an Kneipp: Das ist wirklich ein großartiges Naturheilverfahren; ein ganzheitliches Verfahren, das Körper, Geist und Seele betrifft, ein Verfahren, das die Menschen heute anspricht. Da gibt es auch nicht in jedem Bereich den evidenzbasierten Nachweis. Trotzdem ist es gut für die Menschen. Wir könnten, lieber Bernhard Seidenath, auch bei der Antibiotikaresistenz etwas mehr erreichen, wenn wir das eine oder andere Mal wieder auf Naturheilmittel zurückgreifen würden. Von daher glaube ich, dass wir uns am Patienten orientieren müssen. Das hat auch etwas mit dem Thema Therapiefreiheit zu tun. Ich will diese nicht einschränken. Das sage ich ganz offen. Ich halte es für einen ganz schwerwiegenden Fehler, die Apotheken herauszunehmen. Dabei geht es um Patientensicherheit. Der Apotheker berät. Dies muss in der Apotheke gewährleistet sein. Das ist für mich ein ganz wichtiges Thema.

Homöopathische Arzneimittel sind nach dem Arzneimittelgesetz garantiert. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte regelt die Registrierung. Das ist an dieser Stelle vorgegeben. Ich glaube, das ist auch richtig. Patientensicherheit und Therapiefreiheit müssen mitgeregelt werden.

Sie suggerieren, dass die Homöopathie eine Regelleistung der GKV sei. Das ist sie mitnichten. Es handelt sich um eine Satzungsleistung. Das heißt, die Versicherungen können entscheiden, ob sie das in ihre Satzung aufnehmen. Das ist ein Teil des Wettbewerbs, den wir gar nicht unterbinden wollen.

Lediglich 0,03 % der GKV-Ausgaben gehen zulasten der Homöopathie. Von 100 ausgegebenen Euro entfällt ein Cent auf die Homöopathie. Aus meiner Sicht relativiert das die Dinge ganz erheblich. Deshalb hat Jens Spahn recht. Ich erinnere mich daran, dass Sie auch einmal Gesundheitsminister in Berlin gestellt haben. Die rechtliche Grundlage dieses Themas betrifft Berlin oder den G-BA als Teil der Selbstverwaltung. Ich glaube, Herr Rösler und Herr Bahr waren in Berlin damals Gesundheitsminister. Wenn Sie es gewollt hätten, hätten Sie schon damals diese Linien einziehen können.

Ich will damit sagen: Ich glaube, wir tun gut daran, die integrative Medizin zu stärken – Naturmedizin und Schulmedizin gemeinsam. In der Forschung besteht jedoch noch Nachholbedarf. Selbstverständlich kann man die Homöopathie hinter- fragen. Einen akuten Handlungs- und Änderungsbedarf, der einen Dringlichkeitsantrag erfordert, sehe ich nicht. Orientieren Sie sich an den Menschen in unserem Land. Die Menschen wollen sanfte Medizin. Das wollen wir auch. Dies soll nicht zulasten der Solidargemeinschaft erfolgen. Stattdessen wollen wir gemeinsam das Beste für die Solidargemeinschaft.

(Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)

Zweiter Vizepräsident Thomas Gehring: Bitte bleiben Sie am Rednerpult. – Zu einer Zwischenbemerkung hat sich Herr Kollege Spitzer gemeldet. Bitte schön, Herr Spitzer.

Dr. Dominik Spitzer (FDP): Sehr geehrter Herr Kollege Holetschek, es sind 200 Jahre vergangen. Bis heute besteht kein Wirkungsnachweis für homöopathische Mittel. Zwar beziehen Sie sich auf Studien, fordern jedoch gleichzeitig weitere Studien. Wenn diese Studien so toll wären, würde sich doch eine weitere Forschung erübrigen.

Bitte verwechseln Sie nicht die Naturheilkunde mit der Homöopathie. Das ist ein klarer Unterschied. Hinsichtlich der Themen, die Kneipp betreffen, bin ich völlig bei Ihnen. Bitte werfen Sie die Homöopathie jedoch nicht mit der Naturheilkunde in einen Topf. Sie haben erwähnt, dass es sehr viele Studien gäbe. Nennen Sie mir doch eine Studie, die belegt, dass die Homöopathie tatsächlich wirkt – namentlich, wenn es geht.

(Beifall bei der FDP)

Klaus Holetschek (CSU): Laut des Homeopathy Research Institute in London gibt es Evidenzstudien Level C, welche die Wirksamkeit der Homöopathie bei bestimm- ten Indikationen nachweisen. Dazu zählen Fibromyalgie, Mittelohrentzündungen und andere Erkrankungen. Hierzu gibt es randomisierte kontrollierte Studien. Bis zum Ende des Jahres 2014 wurden 189 RCTs zur Homöopathie bei hundert ver- schiedenen Erkrankungen in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Ich könnte das jetzt noch fortführen.

Herr Kollege Spitzer, darum geht es jedoch nicht. Ich habe bereits gesagt, dass man sich kritisch mit der Homöopathie auseinandersetzen kann. Sie sind Allgemeinarzt und kommen aus dem Allgäu. Das spricht eigentlich grundsätzlich dafür, dass Sie ein vernünftiger Mensch sind.

(Allgemeine Heiterkeit)

Ich will damit noch einmal sagen: Ich glaube nicht, dass an dieser Stelle Handlungsbedarf besteht. Jens Spahn hat recht, wenn er sich danach richtet, was die Menschen und Patienten in diesem Land wollen. Die Homöopathie ist ein Teilbereich der sanften Medizin. Selbstverständlich ist sie etwas anderes als Naturheil- mittel. Deshalb sollten wir es dabei belassen und uns überlegen, wie wir das Thema gemeinsam angehen können. Wir wollen jedoch die Kirche im Dorf lassen.

(Beifall bei der CSU)

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