leserbrief homöopathie

SPIEGEL weigert sich, kritische Leserbriefe der Homöopathie-Experten zu veröffentlichen: im HomöopathieWatchblog gehen sie online

Seit 2005 läuft in Deutschland eine gesteuerte Kampagne gegen Homöopathie. Auch Journalisten geraten in deren Fahrwasser. Ein Beispiel ist Veronika Hackenbroch. Sie wurde für einen Artikel schon vom Presserat verurteilt (2013 über Gesundheitsthema, Link). Auch 2018 hat der Presserat wieder eine Anzeige gegen sie auf dem Tisch, und zwar zu einem Artikel „Macht der Heiler“. Schon 2010 hat sie (mit Markus Grill) einen ähnlichen Artikel veröffentlicht, nämlich „Homöopathie – Die große Illusion“.

Damals wie heute gab es aus der pro-Homöopathie-Community viele Leserbriefe an den Spiegel, die dieser nicht veröffentlichte.

Doch der Homöopathiewatchblog veröffentlicht diese vom Spiegel unveröffentlichten Leserbriefe, da sie Meinung  und Knowhow von Experten enthalten, die meiner Ansicht nach nicht verloren gehen sollten.


Von
Praxis für Klassische Homöopathie
Gregor Kindelmann – MSc Homöopathie
Bernstorffstraße 117
22767 Hamburg
(Link)

Zum Spiegel-Artikel „Macht der Heiler“ / Sept. 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
eigentlich war ich ja schon etwas abgestumpft ob der regelmäßigen unsachlichen Berichterstattung über Homöopathie und anderer komplementärmedizinischer Verfahren und wollte mir die Zeit sparen, mich damit auseinander zu setzen. Allerdings beschäftigen mich doch einige Fragen, auf die Sie mir ja vielleicht Antworten geben können.
Wie üblich schreiben Sie in der aktuellen Titelgeschichte, dass es keine Studien gäbe, die belegen würden, dass Homöopathie besser als Placebo wirkt. Da Frau Hackenbroch Medizin studiert hat und zudem an der Nannen-Schule ausgebildet wurde, kann sie eine einfache Literaturrecherche durchführen. Und diese sollte sie schnell zu dem Befund bringen, dass 7 von 9 Metastudien, die ja bekanntermaßen in der evidenzbasierten Medizin die höchste Aussagekraft haben, einen Effekt belegen, der nicht mit Placebo vereinbar ist. Zwei Studien behaupten anderes, wobei die Daten der Shang-Studie von Rutten reanalysiert wurden, wodurch sich die Aussage umkehrte. Die verbleibende australische Studie sollte eigentlich ihr journalistisches Interesse wecken, da deren erste Version nicht veröffentlicht wurde und auch auf Anfrage nicht veröffentlicht wird. Zudem gibt es noch andere Hinweise auf unwissenschaftliches Vorgehen. Darüber könnte man schon mal berichten, anstatt die gefühlt zehnte Version des immer gleich schlecht recherchierten Artikels über Homöopathie im Allgemeinen zu veröffentlichen. Und wie ist das eigentlich mit der Dokumentation? Sie hatten vor einiger Zeit eine Werbung, die auf eben diese Abteilung ihres Verlages hingewiesen hat. Aber ich musste doch sehr schmunzeln, und wunderte mich, warum nicht spätesten der Dokumentar sagt, „da gibt es schon diverse Studien – dass kann man so nicht stehen lassen“. Kann er nicht? Soll er nicht? Will er nicht?
Das gleiche Vorgehen beim Thema Kosten. Ja, die eine Studie, die Sie erwähnen, kommt zu dem Befund das Homöopathie-Patienten mehr Kosten verursachen (ohne allerdings auf die Outcomes in den Vergleichsgruppen einzugehen), aber ein wesentlicher Teil der anderen Studien zum gleichen Thema, wie z.B. die PEK Studie in der Schweiz, kommen genau zum gegenteiligen Schluss bzw. bescheinigen eine Vergleichbarkeit der Kosten.
Warum stellen Sie die Aussagen nicht einander gegenüber? Warum stellen sie die Uneindeutigkeit der Studienlage, die es in der Homöopathie, wie auch in vielen anderen Forschungsgebieten gibt, nicht dar?
Dass in Ihrem Artikel auch noch Verrat an den Prinzipien der Aufklärung beklagt wird, ist fast schon lustig aber doch eher tragisch. Gerade diese Art der Berichterstattung, die Informationen unterschlägt und verdreht; die versucht Ekel hervorzurufen indem willkürlich einzelne unappetitliche Arzneigrundstoffe hervorgehoben; in der emotionale Betroffenheit erzeugt werden soll, durch anekdotische Darstellung von Behandlungsfehlern, die im konventionellen medizinischen Betrieb ebenso bzw. noch häufiger vorkommen; die eine vermeintliche Überläuferin präsentiert, deren Verlangen nach Allmachtsgefühlen unbesehen mit dem eigentlichen Thema vermengt werden – gerade das ist doch Verrat an eben diesen Prinzipien.
Warum stellen Sie nicht die Studienlage dar wie sie ist und lassen die Leser in Sinne von Kants Maxime des „Aude sapere“ selber denken und entscheiden. Oder sehen Sie sich in der moralisch und intellektuell überlegenen Position die es gebietet, dass Sie die vorgeben, was richtig und falsch ist? Das hätte dann aber nichts mehr mit Aufklärung zu tun.
Nun könnte man sagen, na gut, es geht hier nur um Homöopathie bzw. andere CAM-Heilmethoden. Aber woher weiß ich, dass in den anderen Ressorts nicht ebenso schlampig oder tendenziös gearbeitet wird? Muss ich nun alle Aussagen überprüfen, weil sie ebenso falsch sein könnten wie das obige Beispiel zur Studienlage? Bekomme ich bald zu lesen, „es gibt bis heute keine Beweise für rechtsextremen Terrorismus“ oder, „es gibt keine Information die systematischen Kindesmissbrauch durch die katholische Kirche belegen würden“, nur weil es sich gut eine Argumentationskette einfügt? Die Art und Weise wie Sie hier agieren, beschädigt das Vertrauen in die Presse und fördert stumpfe „Fake News“ und „Lügenpresse“ Rufe. Ist es das wert? Warum tun Sie das? Was hindert Sie, die Werkzeuge, die sie eigentlich zur Verfügung haben sollten, so zu nutzen, dass der Leser sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen bedienen kann und so zu seinen eigenen Schlüssen kommt?
Mit freundlichen Grüßen Gregor Kindelmann


ars curandi Homöopathieinstitut
Carl Classen, Hp • Kirchstraße 10 • D-76229 Karlsruhe
Tel. 0721-46 32 35 • Link
18. Jul 10
Der Spiegel
Chefredaktion
Leitung Redaktion Wissenschaft und Technik
Brandstwiete 19
20457 Hamburg
Titelstory Spiegel 28/2010 – ein redaktionell-stilistischer Sturzflug!
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach den sublimen Botschaften Ihrer Schüttelfrust-Story weiß ich endlich Bescheid:
Homöopathen arbeiten gerne in dunklen Zimmern. Als Diagnose verkünden sie Banalitäten und ein Lächeln kommt dann über ihr Gesicht, wenn sich ein Geldbeutel öffnet. Sie haben eine Affinität zu wohlhabenden, gutaussehenden, vorzugsweise süddeutschen Frauen, sind ansonsten langweilig und humorlos, infiltrieren unser Gesundheitssystem, sind unversöhnlich, schreiben Hassbriefe und es gab sogar schon einmal einen Homöopathen, der Nazi war. Sie verschreiben eklige Dinge, in Wirklichkeit jedoch gar nichts. Wenn ich die unterirdischen Argumentationslinien des Spiegel-Artikels weiterführe, leiden Homöopathen vermutlich auch unter Mundgeruch und klebrigem Schweiß, sind kleptoman und sie neigen zu merkwürdigen Sexualpraktiken. Jenen Grad an Überheblichkeit, der auch intelligente Menschen dumm zu machen pflegt, hat Redaktion des Spiegels bei diesem Artikel deutlich überschritten. Neun volle Seiten über Homöopathie, doch selbst das homöopathische Ähnlichkeitsprinzip wird grottenfalsch dargestellt! Gegen Fieber werden in der Homöopathie keineswegs fiebererzeugende Arzneien angewendet, gegen Kopfschmerzen auch keine Kopfschmerz-erzeugenden Arzneien.
Keine Peinlichkeit, so wie beispielsweise jene 10-23 „Demonstration“ im Februar 2010 in London, die außer dem Unverständnis homöopathischer Pharmakodynamik rein gar nichts belegte, scheint zu schade, medial rezykliert zu werden. Homöopathen werden mit Impfgegnern durcheinander geworfen und die völlig einseitige Darstellung der Studienlage verschweigt die positiven Ergebnisse methodisch ausgereifter Anwendungsforschung, die hinsichtlich der externen Evidenz randomisierten Studien überlegen ist.
Schade, welch stilistischen Abstieg sich der Spiegel leistet. Von der fehlenden wissenschaftlichen Qualität ganz zu schweigen. Die Reaktion des Spiegel (ebenso jene von Stern und Zeit) sollten sich endlich von dem selbst geschaffenen Mythos ihres gehätschelten Komplementärmedizin-Berater und Ghost-Writers Edzard Ernst verabschieden, der sich – was auch seinen einzigen Reiz ausmacht – regelmäßig als zur wahren Schule konvertierter ehemaliger Homöopath präsentiert. Tatsächlich hat Herr Ernst, wie er im Interview mit Curt Kösters am 04.05.10 zugab, nie auch nur einen einzigen Homöopathie-Kurs besucht. Sie wären daher gut beraten, auch andere Informationsquellen heranzuziehen!
Mit freundlichen Grüßen

 

 

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3 Kommentare

  1. Spieglein , Spieglein an der Wand… wenn ich als Patient diese doch sehr lustigen und treffenden Leserbriefe, die die Spiegelredaktion sich nicht veröffentlichen traute lese, muss ich innehalten und frage mich, vor was haben in unserer BRD die Journalisten Angst? Es gibt seit Entstehung der Erde Licht und Schatten, Gut und Böse, jede Medaille hat zwei Seiten so auch die Medizin. Das war bis vor 20 Jahren ganz normaler Usus das pro und contra CAM und Homöopathie geschrieben wurde. Doch jetzt fühle ich mich und auch meine Frau und meine Kinder als überzeugte Anwender der klassischen Homöopathie wie im falschen Film. Sogar für mich als Laie sind die Aussagen der Journalisten falsch und mit meinen eigenen Erfahrungen nicht im geringsten in Übereinstimmung zu bringen. Komplementärmedizinisch oder homöopathisch behandelte Menschen werden in dem Artikel wie dumme Schafe dargestellt. Fragt sich nur wer die dummen Schafe in Wirklichkeit sind – wurde das recherchiert? Wurden aus eigener Erfahrung überzeugte Patienten ehrlich befragt? Wurden die Heilpraktikerverbände und Ärzteverbände befragt warum sie sich für Komplementäre Medizin und Homöopathie einsetzen, obwohl sie damit doch deutlich weniger verdienen als ihre Kolleginnen und Kollegen die konventionelle Leitlinien EBM ihren Patienten zu kommen lassen, egal ob das individuell für den einzelnen Menschen dann auch wirklich passt oder nicht? Egal ob die 3. häufigste Todesursache in den US und EU die toxischen Nebenwirkungen von Medikamenten sind? Egal ob jeden Tag durch Umwelttoxine mehr als 150 Pflanzen und Tierarten am Tag für immer auf diesem Planeten ausgerottet werden oder nicht? Wirklich in den Spiegel könnte ich mich nach dem Schreiben eines so schlecht recherchierten Artikels als Journalist nicht mehr…wo ist mein ehrlicher, echter, kritischer, mutiger Spiegel den ich in meiner Jugend geliebt habe, der mich zum kritischen Denken erzogen hat geblieben? Nachdenklicher Gruß

  2. Hallo Jo, Du sprichst mir aus der Seele. Der SPIEGEL ist im Themenbereich Poltiik führend, bei den Themen Gesundheit und Alternativmedizin tendenziöser als die BILD-Zeitung. Und die Chefredaktion bzw. Verleger spielen mit, ich frage mich – WARUM? Sind die wirklich so verbohrt, so uninformiert oder gibts da eine klare Zielsetzung (was NICHTS mehr mit ausgewogener u. fairer Berichterstattung zu tun hat). Seitdem kaufe ich keine SPIEGEL mehr, ich bin es leid.

  3. Was die Verantwortlichen beim Spiegel, Stern, Welt, SZ, Zeit etc. übersehen, ist, dass
    sie zwar sicherlich ihre bedeutsamen Werbekunden mit einem solchen Gefälligkeitsjournalismus gegen die Alternativen in der Medizin zufriedenstellen, dass aber immer mehr Menschen im Land erheblich an der Vertrauenswürdigkeit dieser Blätter oder ihren Onlineausgaben zweifeln, wenn sie Dinge lesen müssen, die sie einfach anders einschätzen, ihrer Lebenswirklichkeit und ihren eigenen Erfahrungen nicht entsprechen und die von vielen recht klar als bezahlte Lügen erkannt werden.

    Denn auch wenn man die Dinge verdreht und viele dem auf den Leim gehen, bleibt eines doch klar:

    Lügen bleiben Lügen, auch wenn viele sie glauben und die Wahrheit bleibt die Wahrheit, auch wenn sie nicht alle kennen.
    Daran lässt sich nichts manipulieren.

    Die internet- und mediengestütze PR-Kampagne gegen ganzheitliche Heilmethoden und vor allem die Homöopathie ist recht perfekt, subtil und listig organisiert. An viele Details wurde und wird gedacht. Jedes noch so kleine Argument pro Homöopathie wird auf irgendwelchen, angeblich wissenschaftlichen Blogs widerlegt und verlinkt, Social-Bots verbreiten inzwischen automatisch unter jedem Pro-Homöopathie Statement im Internet ihre verächtlichen und auch einschüchternden Satzbausteine, gecastete, medienwirksame, vertrauenswürdig scheinende Unschuldgesichter verbreiten rethorisch gut geschult und mit einem gespielt wissenden Lächeln ihre Unwahrheiten. Wie z.B. es gäbe keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Homöopathie. Dies nur oft genug wiederholt und mit Hilfe der o.g. Pressorgane verbreitet, verfängt ja dann auch irgendwann in den Köpfen. Und wenn jemand widerspricht, oder sich zu fachkundig und zu weit pro Homöopathie exponiert, dann wird er eben auf Online-Prangern wie Psiram diffamiert, erhält notfalls Morddrohungen oder wird von einer Bande von bezahlten Pseudo-Skeptikern gehackt oder für das „goldene Brett vor dem Kopf“ nominiert.

    So geht das heute.

    Jüngste Untersuchungen zeigen allerdings interessanterweise, dass die Homöopathie durch das ständige, auch negative Thematisieren sogar eher noch bekannter und beliebter wird.

    Traurig ist allerdings, dass die Medien, die wir dringend für eine funktionierende Demokratie bräuchten, durch das ungenierte Mitwirken an dieser Lügenkampagne ihre Glaubwürdigkeit verspielen. Zwar durchschauen das noch nicht alle, aber immer mehr. Ich selber kenne sehr viele Menschen, die diese Blätter inzwischen nicht mehr lesen, einfach weil sie nicht mehr wissen, ob sie ihnen trauen können. Die Medienverantwortlichen sollten das nicht unterschätzen und ehrlicherweise bitte den Zusatz „unabhängig“ streichen.

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