Sieben HeilpraktikerInnen und eine Ärztin fordern von Uni Mainz eine Pro-Contra-Diskussion mit Natalie Grams statt ihres Lobby-Vortrags / Wegen Briefen: Grams äußert sich

Immer mehr Homöopathie-Experten wenden sich in Schreiben an die Universität Mainz wegen des Vortrags der Anti-Homöopathie-Lobbyistin Natalie Grams am 14.11. Die ärztliche Hahnemann-Gesellschaft hatte in einem offenen Brief (hier im HW.Blog) an den Uni-Präsidenten Prof. Georg Krausch die Uni aufgefordert, den einseitigen Lobby-Vortrag abzusagen und stattdessen eine wissenschaftliche Pro-Contra-Diskussion anzusetzen, wie es an Universitäten üblich ist.

Die Ärztin Ulrike Fröhlich der Hahnemann-Gesellschaft schreibt an den Uni-Präsidenten: „Am kommenden Mittwoch, den 14.11.2018 wird im Philosophicum P2 Frau Dr. Natalie Grams als selbsternannte „Sachkundige“ der Homöopathie eine Bühne gegeben werden, um irreführende, wissenschaftlich falsche und polemische Aussagen über ein wissenschaftliches Therapieverfahren vorzutragen.
Eine Universität, die sich den Werten und Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis verpflichtet hat, darf solch eine flache Veranstaltung nicht zulassen. …Ich bin ein Kind dieser Universität und mir wurde ein lebendiges Interesse an akademischen Fragestellungen mitgegeben. Ich werde es nicht widerspruchslos hinnehmen, dass unsere wissenschaftliche Kultur derart beschädigt wird. …Anstelle solch einer einseitigen Grams-Lobbyveranstaltung würde ich mich als wirklichen Expertin der Homöopathie für eine Pro-Contra-Diskussionsveranstaltung mit Frau Dr. Grams zur Verfügung stellen.“

Zahlreiche HeilpraktikerInnen haben sich den Vorschlägen der Ärztin Ulrike Fröhlich mit einem Schreiben an die Uni angeschlossen

Hier einige Beispiele. Die Briefe liegen dem Homöopathiewatchblog vor.

Ein Heilpraktiker aus Süddeutschland hat dem Uni-Präsidenten geschrieben: „So möchte ich Sie höflich und herzlich darum bitten, den Diskurs mit Frau Dr. Natalie Grams im wahren wissenschaftlichen Kontext zu gestalten und ihr einen Vertreter der anderen Sichtweise zum Disput und Diskurs auf der öffentlichen Bühne gegenüber zu stelllen. Erst dann können die Zuhörerinnen und Zuhörer sich ein eigenes Bild gestalten, eigene Fragen stellen, nach eigenen Erkenntnissen streben: in offener wahrer wissenschaftlichen Gesinnung.

Ein weiterer Heilpraktiker schreibt an den Präsidenten: „Bitte lassen Sie einen wissenschaftlichen Diskurs zu! Durch mein eigenes offenes, diskurses Erleben über 5 Jahre an der Uni Erlangen-Nbg. erfahre ich heute noch ein lebendiges Interesse an akademischen kontroversen Fragestellungen. Ich schätze es sehr, wenn Sie sich stark machen für eine pro -contra- Veranstaltung.“

Und ein weiterer Heilpraktiker ergänzt in seinem Brief an den Uni-Präsidenten: „Frau Grams ist das PR-Gesicht der Loybbygruppe INH. Seit sie als Gallionsfigur dieses aggressiv vorgehenden Netzwerks in der Öffentlichkeit Auftritt, wurde es von allen Seiten – Medien wie medizinischen Autoritäten – verabsäumt, ihre fachliche Qualifikation zu hinterfragen. Diese ist auf dem Niveau einer fortgeschrittenen Anfängerin, die eine Teilzeitpraxis geführt hat. Solche „Fachleute“ sind nicht in der Position, um für Studenten als Orientierungshilfen zu fungieren.  Um einen fairen inhaltlichen Austausch zu gewährleisten, bitte ich sie deshalb darrum, einen kontroversen Diskurs mit homöopathischen Fachleuten zu ermöglichen, von dem junge Menschen auch profitieren können.“

Und noch ein weiterer Heilpraktiker schreibt an die Uni: „Sie wird am 14.11.2018 über „Pseudomedizin“ sprechen ohne selbst Forschung oder eine Dissertation zu dem Thema betrieben zu haben. Polemisch subversiv unterstellt sie aber in der Ankündigung ihren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen das Behandlungsziele der Medizin wie „ganzheitlich“ und „natürlich“ nur ein suggestiv „gutes Gefühl“ hinterlassen. … Somit steht zu befürchten, dass Ihre Studenten von einer „selbsternannten Expertin“ die keinerlei Expertenwissen zum Thema: „Pseudomedizin“ (von Grams und ihrem PR Büro selbst ausgedachter Begriff, s. Psiram?) hat falsch und einseitig informiert werden.  …Natürlich könnte der Diskurs mit Frau Dr. Natalie Grams auch in einem wahren wissenschaftlichen Kontext gestaltet werden. Vertreter der anderen Sichtweise werden zum Disput und Diskurs auf der öffentlichen Bühne gegenüber gestellt, wie z.B. zuletzt mit Dr. Andreas Holling in Münster geschehen.“

Und eine weitere Heilpraktikerin schreibt an den Uni-Präsidenten: „Fr. Dr. Grams gehört einer Anti-Homöopathie Skeptikerbewegung an, deren einziges Ziel es ist, die Homöopathie mit allen Mitteln zu verunglimpfen. Es werden in populistischer Art und Weise immer wieder Behauptungen aufgestellt, die der Homöopathie Schaden sollen. Z.B. wird immer wieder darauf bestanden, es gäbe keine wissenschaftlichen Studien zur Homöopathie, was nicht stimmt. Gegenargumente werden weder zugelassen noch geprüft, sondern als nichtexistent einfach vom Tisch gewischt. Fr. Dr. Grams geht es nicht um einen wissenschaftlichen Diskurs oder eine faire Auseinandersetzung, drum kann ich nicht verstehen, wieso die Uni Mainz diese Veransatltung ins Haus holt. Ihre Studenten werden völlig einseitig und populistisch informiert. Fr. Dr. Grams kann auch mit ihrer minimalen Praxistätigkeit mitnichten als Fachfrau auftreten. Nach ihren eigenen Aussagen hat sie das Organon (Hahnemann`s Lehre) erst am Ende ihrer sehr kurzen Praxistätigkeit gelesen und konnte dann nicht mehr nachvollziehen, wie Homöopathie überhaupt wirken kann. Fachkompetenz sieht anders aus. In Homöopathieschulen gehört das Lesen des Organons zu den Basics.
Ich bitte Sie eindringlichst, die Veranstaltung in dieser Form an Ihrer Uni nicht zu zulassen, sie hat mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun.“

Und noch eine weitere Heilpraktikerin schreibt an Uni-Präsidenten Prof. Krausch: „Ich möchte Sie bitten, im Sinne der Wissenschaft eine offene Podiumsdiskussion zu gestalten, die eine kontroverse Debatte ermöglicht mit dem Fachwissen der Befürworter und dem Fachwissen der Kritiker einer Methode. Das verstehe ich unter Wissenschaft. Universitäten haben den Auftrag den Geist junger Menschen zu schulen und den Blick für unterschiedliche Möglichkeiten in jeglichem Wissensgebiet zu weiten indem sie Interesse wecken. Dabei darf und soll alles hinterfragt werden – immer wieder. Ohne Polemik und ohne Fanatismus.“

Und noch ein weiterer Heilpraktiker spricht Klartext im Brief an den Uni-Präsidenten: „Die weltweit aktiven, fundamentalistisch-dogmatischen sog. „Skeptiker“, mit ihrem deutschen Ableger GWUP, täuschen gerne Wissenschaftsfreundlichkeit vor, legen aber in Wahrheit zur Untermauerung ihrer Meinungen und Zielsetzungen selber wenig Wert auf tatsächliche Wissenschaftlichkeit. Obwohl der Name – „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften“ suggeriert, man würde sich selber ernsthaft mit solchen Fragen beschäftigen, gibt es keine eigenen ernst gemeinten Forschungstätigkeiten.
Vorliegende Belege, die die eigenen Positionen widerlegen, werden nicht nur ungeniert ignoriert, sondern aggressiv bekämpft und deren Vertreter (Wissenschaftler, Komplementärmediziner, homöopathisch tätige Ärzte und Heilpraktiker) verleumdet und z.T. massiv bedrängt, wie z.B. in Internet-/ Online-Prangern wie u.a. der illegalen Plattform Psiram oder durch „Trolle“, die verächtliche, unsachliche Kommentare unter nahezu sämtlichen entsprechenden im Internet veröffentlichten Artikeln zum Thema Komplementärmedizin hinterlassen. Dies ganz offenbar zuletzt sogar zunehmend automatisiert durch sog. „Social-Bots“.
Der Medizinhistoriker Professor Dr. Martin Dinges gab dem Deutschlandradio zu dem Thema ein Interview.
Die nicht inzwischen seit Jahren nur noch als PR-Ärztin tätige Frau Dr. Natalie Grams, die zusammen mit dem fachfremden Maschinenbau-Ingenieur Aust das sog. „Informations-Netzwerk Homöopathie“ betreibt – in Wahrheit ein Werkzeug um Homöopathie zu verleumden und schließlich aus der Medizin zu verdrängen – soll am kommenden Mittwoch, den 14.11., in ihrem Hause einen Vortrag halten dürfen.
Nun freuen sich Befürworter der Homöopathie, wenn das Thema an ihrer Universität thematisiert wird, jedoch sollte dies doch nicht ausschließlich durch ihre erklärten Gegner geschehen, die sich im übrigen ansonsten auch für die anderen Geschäftszweige eines ihrer mutmaßlichen Auftraggebers stak machen; Glyphosat und mehr Gentechnik in der Landwirtschaft. Mein Kollege Jörg Wichmann blickte hinter diese Kulissen.

Eine offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema wäre hilfreich und z.B. eine Podiumsdiskussion mit Vertretern beider Seiten (geeignete Diskussionspartner würden sich finden lassen), oder eine Veranstaltung, bei dem auch Vorträge/ Beträge von Wissenschaftlern zu hören sind, die tatsächlich zur Homöopathie forschen, oder die selber damit arbeiten, würde ihren Studenten ermöglichen, sich ein eigenes Bild zu Sachverhalten zu machen, zu denen es sehr viel mehr zu wissen gibt, als es die abgekürzten und verfälschten Darstellungen der gut organsierten Gegner ahnen lassen.

So, wenn nur die Lobbyisten zu Wort kämen, steht eine reine Desinformationsverantstaltung auf dem Programm, die ihrer Universität definitiv nicht würdig ist.“

Und eine weitere Expertin für Homöopathie schreibt an die Uni: „Die Universität Mainz bietet seit 1477 ein fundiertes Studium der Humanmedizin an, welches einen steten Wandel nach dem jeweils aktuellen Stand der Wissenschaft vollzogen hat. Die Ärzte von Morgen benötigen auch heute eine gute und solide Basis, um einseitige Lobby-Vorträge sicher einordnen zu können. Die für Mittwoch von der Giordano-Bruno-Stiftung im Philosophicum P2 geplante Veranstaltung mit Frau Dr. Grams lässt genau diese Art von polarisierender, einseitiger Meinungsmache vermuten. Für eine Pro-Contra-Diskussionsveranstaltung mit Frau Dr. Grams stehen fachkompetente, erfahrene und langjährig erfolgreich praktizierende homöopathische Ärztinnen und Ärzte der Hahnemann-Gesellschaft zur Verfügung. Entsprechend möchte ich Sie bitten, die Veranstaltung um eine zweite Stimme zu erweitern und den Teilnehmenden ein differenzierteres Bild auf das Thema zu ermöglichen.“

 

Nach den Briefen kam es zu ersten Reaktionen: die Lobbyistin Natalie Grams ist nicht amüsiert, dass ihr Lobby-Vortrag abgesagt werden soll:

grams mainz homöopathie

 

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4 Kommentare

  1. Zu dem Kommentar von Frau Grams : Wer ohne Ende manipulativ argumentiert : „Homöopathie hat mich fast umgebracht !“ , die Wirklichkeit verdreht und selber Universitäten wegen homöopathischer Behandlung im Promillebereich angreift muss sich eben auch selber hinterfragen lassen.

  2. Kritik und Skepsis sind in einer Demokratie wichtig und muss möglich sein. Da stimme ich zu!

    Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zwischen sachlich fundierter, ehrlicher Kritik und gezielter Demagogie, Volksverhetzung und einer verlogenen, millionenschweren PR-Kampagne, organisiert von PR Profis, die sich neben dem kaputt reden von Alternativen in der Medizin auch für Glyphosat und für mehr Gentechnik in der Nahrungsmittelerzeugung einsetzen.

    Wer kann 1+1 zusammenzählen?

  3. Cui bono – Frau G. ?

    Meinungsfreiheit? ja gerne!

    Ihr Arbeitgeber scheint zwar selbst nicht viel von Meinungsfreiheit, Gleichheit, Therapiefreiheit, Freiheit für Forschung und Lehre zu halten…. ??? denn,

    er briefte offensichtlich am 5.11.2018 Spiegelredakteure die dann für teures Geld einen sinnentstellten SpiegelTV Bericht abliefern mussten.

    Dumm gelaufen es war zu offensichtlich für mich und meine Kolleginnen und Kollegen. Das gibt in Zukunft weniger Publicitypoints!

    Er puscht Sie, die eigentlich eine Spezialistin für TCM und chinesische Phytotherapie sind (darüber haben Sie, wie Sie wissen eine bemerkenswerte Dissertation an der Uni Zürich hinterlassen), als Homöopathie „Expertin“ (Halbzeitpraxis, kein richtiges Diplom etc.).

    Aber nicht nur das, er schickt Sie jetzt auch als DIE „Expertin“ für „Pseudomedizin“ in die Uni Mainz, die der G. Bruno Stiftung nahe steht, deren Vorsitzende Sie sind! Sie sollen dort vielleicht nicht nur gegen Naturheilkunde, Osteopathie, TCM und Homöopathie wettern, Sie sollen auch den Beruf des Heilpraktikers für Ihre Auftraggeber diskreditieren?

    Zum Thema Pseudomedizin sind sie hoffentlich im Bilde?

    Wenn Sie darüber eine ernsthafte Vorlesung und keinen pseudopopulistischen Vortrag halten wollen, müssen Sie sich, so meine bisherige Recherche, nochmals ein paar Jahre intensiv mit Forschung auseinandersetzen.

    Der Begriff „Pseudomedizin“ scheint nämlich noch wenig bis gar nicht erforscht zu sein!

    Auf der PR Plattform von Psiram finden sie natürlich die allgemeinen PR Frames gegen alles was Erfahrungsheilkunde ist, aber sie finden keine vernünftigen Studien dazu!

    Also was spricht dagegen wenn Sie sich erstmal ernsthaft mit konventioneller Medizin und deren Pseudomedizinischen Problemen auseinandersetzen und die Todeszahlen unerwünschter Arzneimittelwirkungen in Relation zur Naturheilkunde setzen?

    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Studenten der Uni Mainz so unwissenschaftlich ausgebildet wurden, dass die Ihnen Ihre Polemik – und PR-gebriefte Show abnehmen?

    Sie ist zwar auf GWUP hübsch Pseudowissenschaftlich angekündigt worden aber einen Tick zu viel PR 😉 hier sollte Ihr Auftraggeber in Zukunft etwas wissenschaftlicher und seriöser werden, kleiner Tipp von mir.

    Also kein Mensch braucht Ihre Vorlesung er kann alles bei GWUP und auf INH blog und bei Norbert Aust und auch in anderen diversen Foren der G.Bruno-Stiftung und bei den Humanisten usw. nachlesen.

    Sie wiederholen immer nur die gleichen vorgegebenen Wordings ( das habe ich letztes Wochenende weltweit im Netz mit 2 Kommunikationswissenschaftsstudenten spaßeshalber überprüft).

    Sie meinen eine tolle PR Agentur weiß schon was klug ist nach der alten PR Strategie „Steter Tropfen höhlt den Stein“?

    Sie glauben wir Journalisten lassen uns weiter auf der Nase rumtanzen?

    Laaaaaaangweilig!

    Cui bono

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